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Investoren für die DFLDas sollten Bundesliga-Fans zum Teilverkauf wissen

Der Dachverband der Bundesliga probiert erneut, für einen Teil seiner Medienrechte Investoren zu finden. Und diesmal spielen die Fußballklubs mit. Die wichtigsten Antworten.Arno Schütze, Alexander Möthe 12.12.2023 - 14:19 Uhr aktualisiert

Frankfurt. Die Bundesliga probiert erneut, auf Liga-Ebene einen Investor zu beteiligen. Dafür holte sich der Dachverband DFL am Montag die notwendige Mehrheit unter den Klubs der 1. und 2. Fußball-Bundesliga. Die Geschäftsführung der DFL erhält damit ein robustes Verhandlungsmandat. Es ist in diesem Jahr schon der zweite Versuch der Liga, einen Teil der Medienrechte zu Geld zu machen.

Insgesamt geht es um einen Betrag nahezu einer Milliarde Euro. Die DFL soll nicht verkauft werden, sondern ein Investor soll an den Medienerlösen – der Haupteinnahmequelle des Ligaverbands – beteiligt werden. Für die Neuauflage eines Investorenprozesses stimmte am Montag eine Zweidrittelmehrheit der Klubs, wie der Verband am Montag mitteilte. Im Mai war die DFL bei einer ersten Abstimmung noch mit ihrem Vorhaben gescheitert.

Die knappe Zwei-Drittel-Mehrheit bei der Mitgliederversammlung am Montag sei ein „gutes Zeichen, dass wir gemeinsam – DFL wie auch die Clubs – die Bundesliga und 2. Bundesliga weiterentwickeln wollen“, sagte der DFL-Geschäftsführer Marc Lenz bei einer Pressekonferenz nach der entscheidenden Abstimmung in Frankfurt

Was wird nun mit den Investoren verhandelt? Was heißt das für die Anstoßzeiten der Bundesliga? Und wie viel Geld ist im Spiel? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie viele Anteile will die DFL anbieten und zu welchem Preis?

Die DFL will mit dem Deal keine Anteile an der GmbH verkaufen, sondern Investoren an den künftigen Einnahmen aus Fernsehrechten beteiligen – und das für die kommenden 20 Jahre. Für diese Beteiligung von sechs bis acht Prozent erwartet die DFL Erlöse zwischen 900 Millionen und einer Milliarde Euro. Die Medienrechte sind die wesentliche Einnahmequelle der Fußballliga. Aus einem Investorendeal lässt sich auf eine Bewertung der DFL schließen. Bei einem Verkauf von sechs Prozent für eine Milliarde Euro läge die Bewertung der DFL demnach bei 16,7 Milliarden Euro. Würde ein Deal über acht Prozent für 900 Millionen Euro abgeschlossen, läge die DFL-Bewertung bei 11,2 Milliarden Euro.

In welche konkreten Projekte soll das Geld fließen?

Der größte Anteil der Einnahmen aus dem Deal – etwa 600 Millionen Euro – sollen in eine neue Zentralvermarktungs-Gesellschaft fließen, bei der die Fernseh-, Werbe- und Digital-Rechte an der Bundesliga liegen sollen. Die Live-Spiele der Ersten und Zweiten Bundesliga sollen zwar weiterhin über Medien wie Sky oder DAZN abrufbar sein.

Doch die DFL könnte auch einzelne Spielszenen als Video-Content direkt vermarkten: Bewegtbild-Schnipsel wie die besten Torchancen, die härtesten Zweikämpfe, die besten Tricks des Lieblingsspielers. Gerade auf digitalen Plattformen wie Tiktok oder Instagram sind solche kurzen Clips für die Ligen extrem wichtig. Heute sind die Klubs stark eingeschränkt, was die Vermarktung von Spieltagsszenen betrifft.

Die Liga will künftig auch deutlich mehr aus ihren Daten und  den Archiven herausholen. Bewegtbilder aus 60 Jahren Bundesliga-Geschichte sollen mit Einsatz von KI katalogisiert und passgenau zusammengestellt werden. Dafür wird Technik gebraucht. 

Im Ausland könnte die Bundesliga auch ganze Spiele künftig in voller Länge über eine App streamen und dabei auch differenzieren. Große Spiele wie der Klassiker zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern könnten weltweit meistbietend an Pay-TV verkauft werden. Partien kleinerer Vereine wie Bochum gegen Heidenheim könnten zum Beispiel in Südostasien auf der App der DFL zu sehen sein.

Darüber hinaus will die DFL einen Teil der Einnahmen investieren, um stärker gegen digitale Piraterie vorzugehen. Laut DFL-Schätzung gibt es momentan etwa zwei Millionen Fans, die Bundesligaspiele auf illegalen Plattformen schauen.

100 Millionen Euro könnten die Klubs für ihre Auslandsaktivitäten nutzen. Darüber hinaus könnten weitere 300 Millionen Euro als Ausgleichszahlung an die Vereine fließen, weil sie mit dem Investorendeal auf künftige Einnahmen verzichten.

Was ist dieses Mal anders?

Beim ersten Versuch der Ausschreibung knirschte es unmittelbar vor dem Abstimmungsprozess. Viele Vereine der Zweiten Bundesliga rebellierten, weil es aus ihrer Sicht keinen akzeptablen Verteilerschlüssel gab. Diesmal soll der Prozess transparenter ablaufen. Die DFL-Klubs könnten jetzt schon mit ihren Einnahmen aus dem Deal rechnen - und auf höhere künftige Einnahmen durch die Investments in der Auslandsvermarktung hoffen.

Die Rechte möglicher Investoren seien nun klarer festgelegt. Mitspracherecht bei der Gestaltung des Spielplans oder der Liga soll der Investor nicht bekommen, auch den Chefposten der Vermarktungsgesellschaft soll die DFL allein bestimmen können. Die Konditionen des Vertrags seien klarer ausgehandelt – von den Investitionen bis zu einem möglichen Ausstieg der Investoren. Die Mindesthaltedauer der Anteile liegt bei acht Jahren. Marc Lenz und Steffen Merkel, die im Sommer die Geschäftsführung der DFL GmbH übernommen, haben sich viel Zeit genommen, bei dem Klubs für einen Deal zu werben. Das Resultat: 24 Klubs stimmten mit ja, zehn mit nein, zwei haben sich enthalten.

Warum wird noch vor Weihnachten der Prozess angestoßen?

Die DFL erhofft sich aus dem Verkauf der Anteile auch zusätzliche Impulse für den Markenwert. Die Übertragungsrechte der Bundesliga sollen 2024 neu ausgeschrieben werden und sind nach wie vor die Haupteinnahmequelle aller Bundesligisten. Kritiker fragen sich, warum die DFL den Prozess nicht nach der EM in Deutschland startet. 

Welche Interessenten sind noch im Rennen?

Die Finanzinvestoren CVC, Blackstone, Advent, Bridgepoint und EQT wurden von der DFL eingeladen, vorläufige Gebote abzugeben. Einige dieser Bieter – etwa Advent und Bridgepoint – haben Finanzkreisen zufolge zuletzt nur begrenztes Interesse gezeigt. CVC könnte eine Klausel zum Verhängnis werden, wonach die DFL einen Käufer ablehnen kann, der bereits an einem Konkurrenten beteiligt ist. CVC hält Medienrechte an den Fußballligen in Frankreich und Spanien.

Was sollen Investoren außer Geld noch mitbringen?

Investoren sollen nach den Vorstellungen der DFL nicht nur Geld, sondern auch ein internationales Netzwerk mitbringen. Denn für die Liga ist es teuer, eigene Büros in allen Weltregionen zu unterhalten, Kontakte zu knüpfen und sich mit der Bundesliga gegen die mächtige Konkurrenz aus England, Spanien und Italien zu behaupten. Die DFL erhofft sich Insidern zufolge etwa Kooperationen mit lokalen Streaminganbietern, wie es in Europa schon mit DAZN etwa geschieht. Als Vorbild gilt die Europa-Expansion der US-Footballliga NFL. Auch auf ein stärkeres Liga-Sponsoring in anderen Ländern hofft die DFL.

Werden Investoren über die Spieltagsansetzung bestimmen dürfen?

Nein. In Verhandlungskreisen gelten solche Einflussnahmen als „rote Linien“. Gemeint sind die Bedingungen, unter denen das Mandat gültig ist. Ein Investor könnte zwar helfen, die Klubs zu disziplinieren und auf eine zielgerichtete Verwendung von Investorengeldern festzulegen. Aber auf Themen wie Anstoßzeiten hätte ein Investor keinen Einfluss.

Bei allem, was die Kompetenzrichtlinien der Vereinbarung überschreitet, müsste erneut die Liga angehört werden.

Über was hat die DFL-Vollversammlung abgestimmt?

Die Geschäftsführung der DFL GmbH will von der Mitgliederversammlung diesmal ein Vollmandat und die hat sie bekommen. Es geht nicht nur um die Erlaubnis, den Beteiligungsprozess anzustoßen, es geht vor allem darum, ihn auch beenden zu dürfen. Dafür haben die Klubs klare Leitlinien erhalten, für die dieses Mandat gültig ist. Nach dem Votum soll direkt die Buchprüfung seitens der Investoren beginnen. Eine Unterschrift unter einen Investorenvertrag könnte es bereits im Februar geben.

Wie ist die Stimmung in der Liga?

Die Abstimmung ist klarer ausgefallen, als es im Vorfeld aussahe. Laut einer Umfrage des Kickers hatten sich von den 36 Klubs der obersten Ligen nur zwölf klar zu einem „Ja“ bekannt. Prominenteste Gegner des Vorhabens sind der 1. FC Köln und der SC Freiburg: Köln sieht die Alternativen nicht ausreichend berücksichtigt, Freiburg bangt um seine eigene Bewertung. Allerdings zeigten sich Klubs wie der FC St. Pauli, die beim letzten Mal prominent gegen den Deal gestimmt hatten, im Vorfeld zufriedener mit dem Prozess. Der VfL Bochum, selbst auf der Suche nach einem Investor, sprach sich offen dafür aus.

Das Fan-Bündnis „Unsere Kurve“ hat den beschlossenen Investoreneinstieg bei der Deutschen Fußball Liga kritisiert. „Die wohlfeilen Worte der DFL in der Coronapause haben sich endgültig in Luft aufgelöst. Geld steht über allem“, heißt es in einer Erklärung der Organisation. „Die Einzigartigkeit des deutschen Fußballs wird für ein aussichtsloses Rattenrennen mit der Premier League über Bord geworfen.“

Marc Lenz und Steffen Merkel betonten bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Versammlung, auch die Stimmung in der Fanszene berücksichtigt zu haben. „Wir haben es uns in den letzten Wochen sehr genau angeguckt und zu Herzen genommen und in dem Antrag entsprechend reflektiert“, sagte Merkel. Lenz betonte, die DFL-Führung werde auch deswegen „verantwortungsvoll und sehr klar innerhalb der roten Linien agieren“.

Mit Agenturmaterial

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Erstpublikation: 11.12.2023, 15:41 Uhr.

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