Raus aus dem Depot: Verkaufsausstellung bei Eon: Auf einen Mokka in den Kunstbasar
Essen. In den Gängen der Eon-Konzernzentrale herrscht geschäftiges Treiben, Leitern werden geschoben, Mitarbeiter hantieren mit Wasserwaagen und schieben Bilder hin und her. Vier Tage vor der Eröffnung der Verkaufsausstellung wird noch fieberhaft an der Präsentation der Kunst gearbeitet, die ab Freitag Käufer sucht.
Der Besprechungstrakt wird für eine Woche zum Kunstbasar, was nur möglich wurde, da diese Räume demnächst umgebaut werden. Sie sollen an die Bedürfnisse der veränderten Arbeitskultur angepasst werden. 1400 Objekte sind bei freiem Eintritt in einem großen Rundgang zu besichtigen.
Das Angebot reicht von Gemälden und Papierarbeiten bis hin zu Skulpturen, Glas und Porzellan. Sie stammen aus einem riesigen Bestand, der zuerst von Veba, einer Vorgängergesellschaft von Eon angekauft wurde, ergänzt durch Werke von Preußenelektra, Eon Energie und Ruhrgas. Mit der Integration von Innogy im Jahr 2020 in den Konzern kamen Objekte hinzu, die RWE gekauft und an Innogy übertragen hatte.
Dorothee von Posadowsky, Leiterin der „E.ON Art Collection“, begriff die Vielfalt dieses Bestands, der natürlich keine konsistente Sammlung ist, als Chance für eine große Verkaufsausstellung. „Wir haben hier viele Arbeiten aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Das sind Werke, die in Privaträumen viel besser wirken als in einem Konzern. Zumal sich heute so viel ändert mit neuen Raumkonzepten. Da gehen wir mit der Zeit.“
Die Kunst wurde für die Büro-Räumlichkeiten der unterschiedlichen Unternehmen angeschafft und wanderte von Standort zu Standort. Ein Konzept, das sich in dieser Form überlebt hat.
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„Es macht keinen Sinn, Arbeiten, die 400 Euro wert sind, jahrelang zu lagern und zu transportieren. Wir möchten pragmatisch damit umgehen, und einen Teil der Werke lieber abgeben und so mit den Mitarbeitern und der Öffentlichkeit teilen“, sagt von Posadowsky. Sie traf mit einem kleinen Stab die Auswahl der Objekte und konzipierte die Form der Präsentation.
Die Arbeiten wurden nach Genres geordnet: Landschaften, Fotoarbeiten, abstrakte Kunst, historische Landkarten, Papierarbeiten, Street Art, Multiples und Ausstellungsplakate. In größeren Räumen sind zudem einladende Tafeln mit Porzellan-Serien aufgebaut, etwa von Wedgwood oder Rosenthal, auf kleinen Tischen Designobjekte aus Glas oder Keramik. Jeder Winkel wird genutzt für Bilder in allen Formaten: „Das geht nur mit einer Petersburger Hängung“, erklärt Posadowsky die inspirierende Fülle der Präsentation.
75 Prozent der Objekte stammten aus dem ehemaligen Besitz von RWE/Innogy, der Rest von Eon, so Posadowsky. Die Preise wurden scharf kalkuliert. Sie reichen von gerade einmal 20 bis maximal 2000 Euro. Die meisten Preise liegen im mittleren Bereich und sind in mehrfacher Hinsicht als Schnäppchen zu bezeichnen, denn selbst sehr preiswerte Drucke sind repräsentativ gerahmt.
Obwohl die Geschmäcker der einstigen Ankäufer so unterschiedlich waren wie die Unternehmenskulturen, ging es doch stets auch darum, Künstler durch den Ankauf zu fördern. Das kam sehr häufig den Künstlern der Region zugute. Überschneidungen gab es keine, bis auf eine Ausnahme: „Ein polnischer Künstler ist sowohl in den Eon- als auch in den Innogybeständen vertreten.“
Viele Künstler mussten mühsam ermittelt werden, die Bestandslisten waren lückenhaft, es gab kaum Rechnungen. Auch die Taxierung war Teil der Sisyphosarbeit. Nun sind alle Objekte beschriftet und es gibt Infoblätter zum Mitnehmen.
Auf halber Strecke des Parcours ist mit Sitzkissen ein orientalisches Café aufgebaut: „Wir wollen die Leute abholen und die Ausstellung attraktiv gestalten. Sie kriegen Tee und Mokka und können hier zwischendurch entspannen“, sagt von Posadowsky. Das Interesse sei schon im Vorfeld immens, nicht zuletzt von ehemaligen Mitarbeitern, die mit den Kunstobjekten aus ihrem Arbeitsumfeld vertraut sind und sie nun mit nachhause nehmen können.
Kunst Basar, Eon SE, Brüsseler Platz1, 45131 Essen, 12. bis 19. Januar, Mo. bis Fr. 14 bis 19 Uhr, Sa. und So. 11 bis 18 Uhr