Kommentar: Warum auch die Sparkassen höhere Zinsen zahlen sollten

Längst übertrumpfen sich Onlinebanken und Finanz-Start-ups mit immer neuen Zinssteigerungen bei Tagesgeld und Festgeld. Und sie ziehen Milliarden an Einlagen an. Etwa vier Prozent gibt es bei einigen Anbietern auf Tagesgeld.
Die meisten Sparkassen und Volksbanken machen da nicht mit. Sie zahlen für Tagesgeld im Schnitt gerade einmal 0,6 Prozent. Ein Teil von ihnen hat gar kein Tagesgeldangebot.
Das meiste Geld liegt auf dem Girokonto
Das passt nicht zu ihrem Anspruch, Anwalt des Sparers zu sein. Und die Sparkassen und Volksbanken hätten ihren seit Jahren treuen Kunden zumindest etwas höhere Zinsen zahlen sollen. Aus mehreren Gründen:
Erstens haben Sparkassen und Volksbanken im Jahr 2023 wahrscheinlich bestens verdient. So viel, dass sie Geld in die Rücklagen stecken, an Träger sowie Eigentümer ausschütten können – und höhere Zinsen bieten könnten.
Zweitens können Banken auch mit verzinsten Einlagen Geld verdienen. Sie selbst erhalten für Einlagen, die sie bei der Europäischen Zentralbank parken, mittlerweile vier Prozent.
Drittens sind mehr als 60 Prozent der Sichteinlagen privater Haushalte und Selbstständiger auf dem Girokonto geparkt – traditionell ohne Zins. Bei etwas höheren Tagesgeldzinsen würden wahrscheinlich einige Kunden einen Teil ihrer Einlagen ins Tagesgeld umschichten, aber mehr auch nicht.
Sparkassen haben einen besonderen Auftrag
Für die öffentlich-rechtlich organisierten Sparkassen gilt viertens noch etwas: Sie sind besondere Banken. Ihr Auftrag ist es, den „Sparsinn“ zu fördern und Zugang zur „sicheren und verzinslichen Anlegung von Ersparnissen und anderen Geldern zu geben“, wie es in Sparkassengesetzen heißt.
Das muss nicht allein durch Tages- oder Festgeld passieren, aber besser so als durch Zinsanleihen, die die Sparkassen massenhaft verkauft haben.
Erstpublikation: 23.01.2024, 16:06 Uhr.