Luftfahrt: Verdi ruft Lufthansas Bodenpersonal an fünf Flughäfen zum Streik auf
Frankfurt. Auf den Arbeitskampf des Sicherheitspersonals im deutschen Luftverkehr folgt ein Streik des Bodenpersonals der Lufthansa. Die Gewerkschaft Verdi hat die rund 25.000 Beschäftigten zu einem ganztägigen Ausstand aufgerufen. Das Angebot, das die Lufthansa-Führung in der aktuellen Tarifrunde vorgelegt habe, sei „unterirdisch“, heißt es in einem internen Schreiben an die Mitglieder der Gewerkschaft, das dem Handelsblatt vorliegt.
Der Ausstand trifft die Lufthansa-Standorte Frankfurt, München, Hamburg, Berlin und Düsseldorf, er soll am Mittwoch um 4.00 Uhr beginnen und bis Donnerstag um 7.10 Uhr andauern. Das Unternehmen erklärte, der Streik sei in Länge und Ausmaß völlig unverständlich. Insgesamt seien Tausende Flüge mit mehr als 100.000 Passagieren betroffen.
Wie viele komplett ausfallen, ist noch unklar. Die Airline arbeitet an einem Sonderflugplan, nach eigenen Angaben vom Montag sollen zehn bis 20 Prozent der Verbindungen stattfinden. Bei den 100 bis 200 an diesem Mittwoch möglichen Verbindungen handele es sich um Interkontinental- wie auch um Kontinentalflüge, sagte ein Sprecher am Montag der Nachrichtenagentur dpa.
Beim vorherigen eintägigen Arbeitskampf des Bodenpersonals im Sommer 2022 musste Lufthansa mehr als 1000 Flüge streichen. Über 90.000 Passagiere waren betroffen, mussten also umgebucht werden oder umplanen. Vor allem an den beiden größten Drehkreuzen der Airline-Gruppe, in Frankfurt und München, ging fast nichts mehr.
In Frankfurt und München dürfte kaum noch ein Lufthansa-Jet starten
Zum Bodenpersonal zählen zum Beispiel die Beschäftigten an den Schaltern, aber auch Technikpersonal und Fahrer, die Flugzeuge rangieren. Ohne sie wird keine Maschine abgefertigt, Starts und Landungen werden unmöglich. Da Lufthansa diese Dienste auch Airlines außerhalb der eigenen Gruppe anbietet, kann es dort ebenfalls zu Problemen im Flugplan kommen.
Den Arbeitskampf am heftigsten spürt die Kernmarke Lufthansa. Dagegen dürften die Einschränkungen bei der Tochter Eurowings überschaubar bleiben. Da aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Flughäfen wie Hamburg, Düsseldorf oder Berlin ihre Arbeit niederlegen, ist auch hier die eine oder andere Verwerfung im Flugplan nicht auszuschließen. 2022 kostete der eintägige Streik den Konzern rund 35 Millionen Euro.
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„Dieser Streik wäre unnötig, wenn Lufthansa den Bodenbeschäftigten die gleichen Erhöhungen zugestehen würde wie anderen Beschäftigtengruppen im Konzern“, sagte Verdis Verhandlungsführer Marvin Reschinsky zum Verhandlungsstand. Dazu habe es am Verhandlungstisch jedoch keine Bereitschaft gegeben.
Deutliche Worte finden die Verdi-Vertreter auch in dem internen Schreiben an die Mitglieder. Trotz der Aufforderung sei der Konzern in der letzten Verhandlung nicht bereit gewesen, ein verändertes Angebot auf den Verhandlungstisch zu legen. Er agiere „nach dem Motto: Friss oder stirb!“
„Die Arbeitgeberseite hat in dieser Tarifrunde ein konkretes Angebot vorgelegt, das unter anderem weitere Erhöhungen von Vergütung und Zusatzleistungen von insgesamt mehr als 13 Prozent in den nächsten drei Jahren sowie eine signifikante und zeitnahe Inflationsausgleichsprämie beinhaltet“, sagte Michael Niggemann, der Personalvorstand des Lufthansa-Konzerns.
Zusammen mit den Erhöhungen der zurückliegenden 18 Monate spreche man in einem Zeitraum von vier Jahren „über die durchschnittliche Steigerung von Vergütung und weiteren Gehaltsbestandteilen im Volumen von rund 25 Prozent“, führte Niggemann weiter aus. Noch vor Beginn der eigentlichen Verhandlungen habe die Gewerkschaft nun einen Warnstreik angekündigt, der die Gäste und Beschäftigten von Lufthansa unverhältnismäßig belaste.
Doch vor allem die lange Laufzeit in der jüngsten Lufthansa-Offerte mit zunächst acht Monaten ohne jegliche Entgelterhöhung ist ein Streitpunkt. Verdi macht folgende Rechnung auf: „In der Realität sollen die Vergütungen im ersten Jahr des Arbeitgeberangebots weniger als zwei Prozent steigen“, heißt es im Schreiben an die Mitglieder. Und: „Es wird Zeit, dass der Vorstand uns am Boden ernst nimmt!“
Gleichzeitig bat Verdi die Passagiere um Verständnis. Aber auch sie würden sich wie die Beschäftigten ein Ende des Personalmangels und einen besseren Service wünschen, so Reschinsky.
Verdi fordert für das Bodenpersonal der Lufthansa 12,5 Prozent mehr Gehalt, was mindestens 500 Euro monatlich entsprechen würde, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem soll es eine konzerneinheitliche Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3000 Euro für die Beschäftigten geben.
Wie schnell jetzt in den weiteren Gesprächen eine Lösung gefunden werden kann, ist offen. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 12. Februar 2024 in Frankfurt statt.
Lufthansa sieht sich derzeit einer Reihe von schwierigen Tarifrunden gegenüber. An diesem Montag streiken die Piloten der Tochter Discover. Bei der Kernmarke Lufthansa hat zudem die Kabinengewerkschaft UFO die Gespräche ergebnislos abgebrochen, auch hier droht ein Arbeitskampf.