Kommentar: Die Bundesbank-Verluste sind ein Symptom für tiefer liegende Probleme

„Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle glauben an die Bundesbank“: Gilt dieses Bonmot des früheren EU-Kommissionschefs Jacques Delors noch in Zeiten, in denen die Bundesbank hohe Verluste macht? Und das über Jahre?
In den 1970ern hat sie eine Verlustserie ohne bleibende Reputationsschäden überwunden. Den Euro samt Skepsis gegen die Gemeinschaftswährung gab es damals noch nicht. Die Ursache lag in der Abwertung von Währungsreserven.
Diesmal ist die Sache brisanter: Die Verluste sind Folge der sehr umfangreichen Anleihekäufe – also hausgemacht. Der Bundesbank hilft es wenig, dass Kritiker nicht zuletzt aus ihren Reihen kamen. Mitgehangen, mitgefangen.
Die plötzlichen Verluste bieten einen Anlass, die sehr lockere Geldpolitik selbstkritisch zu hinterfragen. Sachlich, ohne Panik und vor allem: ohne Besserwisserei.
Rekapitalisierung der Bundesbank unnötig
Denn rein ökonomisch ist Gelassenheit angesagt. Die Bundesbank verfügt über üppige Währungsreserven. Sie sind um ein Mehrfaches höher als die zu erwartenden Verluste. Eine Rekapitalisierung, wie sie der Bundesrechnungshof angeregt hat, erübrigt sich.
Mehr als ein finanzieller Hütchenspielertrick wäre das ohnehin nicht: Eine etwaige Kapitalspritze fände über spätere Gewinntransfers der Bundesbank ohnehin zurück in den Bundeshaushalt. Diese Scharade kann man sich sparen.
Mit den Anleihekäufen haben die Notenbanken über Jahre die Preisbildung an den Märkten verzerrt. Und sie haben einen verspäteten Beginn der Zinswende befördert, weil der EZB-Rat stoisch an seiner Maßgabe festhielt: Erst die Anleihekäufe beenden, dann die Leitzinsen erhöhen. Das hat der EZB zum falschen Zeitpunkt die Hände gebunden.
Darin liegen die eigentlichen Lehren der Anleihekäufe. Nicht in deren bilanziellen Lasten für die Bundesbank.