Wettbewerb: Wo das beste Arbeitsklima herrscht
Köln. Ob in München, São Paulo oder Sydney: „Egal, wo ein Mitarbeiter eine Niederlassung der Allianz betritt, er soll dort ganz unmittelbar unsere weltweite Unternehmenskultur spüren“, sagt Bettina Dietsche. Die weltweite Personalchefin der Allianz-Gruppe will die Arbeitsplatzkultur in den 70 Ländergesellschaften möglichst grenzenlos organisieren. „Denn mit der wachsenden Mobilität von Mitarbeitenden wird es zunehmend wichtig, unsere Werte wie Offenheit, Vertrauen und Zusammenhalt überall auf der Welt gleichermaßen zu leben.“
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Die Allianz unterstützt daher Beschäftigte weltweit, die sich für Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) einsetzen. Der Konzern hat dafür einen Steuerungskreis eingerichtet. Rund 20 Führungskräfte tauschen sich regelmäßig zum Thema aus und treffen sich zweimal pro Jahr.
Eine Aufgabe dabei ist der Austausch mit 81 weltweit verteilten Netzwerken, die sich für DEI-Themen auf lokaler Ebene engagieren. „Diese Netzwerke sind von Mitarbeitern für Mitarbeiter“, erläutert Dietsche. So hat die Allianz am Christopher Street Day, dem Demonstrationstag der LGBTQ-Gemeinde, teilgenommen und interne Veranstaltungen organisiert, die laut Dietsche potenzielle Berührungsängste abbauen sollen.
Der Einsatz für die Belegschaft kommt gut an. Beim diesjährigen Wettbewerb „Deutschlands beste Arbeitgeber“ belegt die Allianz in der Kategorie der Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern Platz eins. Für das Ranking wurden Beschäftigte in mehr als 1000 Unternehmen befragt.
Die Allianz steht für einen Trend. „Zunehmend organisieren Unternehmen das Thema Arbeitsplatzkultur global“ sagt Frank Hauser, Geschäftsführer beim Beratungsinstitut Great Place to Work, das die Studie erstellt hat. „Eine sehr gute und gemeinsame Kultur bietet Wettbewerbsvorteile, da sie die Identifikation, das Engagement und die Zusammenarbeit fördert“, sagt Hauser. „Global agierenden Unternehmen hilft sie auch beim Recruiting.“
Die Aufgabe ist anspruchsvoll. „Am Anfang ist es aufwendiger, die Entwicklung der Arbeitsplatzkultur in allen Ländergesellschaften zum Thema zu machen und auch zu bearbeiten“, sagt Hauser. „Stehen die Prozesse dazu einmal, schafft die gemeinsame Bearbeitung wiederum viele Synergien.“
So erlebt es auch Slalom. Die Beratung mit Hauptsitz in den USA belegt Platz drei bei Firmen mit 101 bis 250 Mitarbeitern. 140 Slalom-Beschäftigte arbeiten in Deutschland an den Standorten München, Düsseldorf und Frankfurt. Slalom hat für eine global ausgerichtete Arbeitsplatzkultur zehn Kernwerte formuliert, zum Beispiel „Verantwortung übernehmen“, „Authentizität leben“ oder „Bodenständigkeit und Neugier“. Daran orientieren sich Aktionen, die die Arbeitsplatzkultur fördern, etwa soziales Engagement.
Freie Tage für Freiwilligenarbeit
Einmal im Jahr geben Slalom-Beschäftigte Essen an Bedürftige aus oder sammeln Lebensmittelspenden, zum Beispiel für die Münchener Tafel. In Deutschland gibt es zwei zusätzliche freie Tage für die Freiwilligenarbeit. Die Aktion findet in allen Ländergesellschaften gleichzeitig statt. „Wie die einzelnen Länder sie umsetzen, hängt von den dortigen kulturellen, rechtlichen und logistischen Umständen ab“, erklärt Julia Stahl, die HR-Verantwortliche bei Slalom in Deutschland.
Für die Belegschaft schreibt Slalom zudem sogenannte Awards aus. „Es werden Mitarbeiter ausgezeichnet, die die Werte unseres Unternehmens besonders stark im Miteinander oder Kundenkontakt leben“, sagt Stahl. Über ein Online-Tool kann für eine Kollegin oder einen Kollegen abgestimmt werden, zum Beispiel für besonderen Einsatz in Projekten. Sieger erhalten für ein Jahr einen Wanderpokal. „So kommt unseren Hidden Champions im Team besondere Wertschätzung zu“, sagt Stahl.
Doch es geht nicht nur um Anerkennung. „Wir glauben fest daran, dass wir nur dann die beste Dienstleistung erbringen können, wenn wir eine Arbeitsplatzkultur schaffen, die sich positiv auf das Wohlbefinden und die Entwicklungsmöglichkeiten unserer Mitarbeiter auswirkt“, sagt Stahl. 96 Prozent der Slalom-Mitarbeiter in Deutschland bestätigen ihren vollen Einsatz für das Unternehmen. Das haben regelmäßige Mitarbeiterbefragungen ergeben.
Auch das US-Medizintechnikunternehmen Stryker unternimmt einige Anstrengungen, damit sich seine weltweit 52.000 Beschäftigten wohlfühlen. An den sechs Stryker-Standorten in Deutschland erhalten die knapp 3000 Beschäftigten Zuschüsse für die Kinderbetreuung und eine betriebliche Altersvorsorge. Zudem gibt es Fitnessangebote. Wer sich ehrenamtlich engagieren will, bekommt dafür in vielen Ländergesellschaften einen Tag bezahlten Urlaub. Spenden von Mitarbeitern an gemeinnützige Organisationen werden vom Unternehmen verdoppelt. Für eine lange Firmenzugehörigkeit gibt es mehr Urlaubstage oder eine Prämie.
Zudem hat Stryker als Grundlage für eine global einheitliche Arbeitsplatzkultur mit den Mitarbeitern vier Kernwerte definiert. Dazu zählen die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit und Kollegialität. Die Beschäftigten äußern sich dazu in Videostatements. „Diese Werte bilden den Rahmen für Mitarbeiter, indem sie ihre eigenen Storys darüber teilen, was uns als Unternehmen besonders macht“, sagt Kommunikationschefin Jenny Braga. „Diese Geschichten finden weltweit Gehör.“