Stammeskunst: Christie’s versteigert Teile der Barbier-Mueller Sammlung
Düsseldorf. Monique und Jean Paul Barbier-Mueller richteten 1977 in Genf ein Museum für afrikanische und ozeanische Kunst ein, das sehr schnell Weltrang erlangte. „Galaxien von Meisterwerken“ seien hier versammelt, schwärmt Stéphane Martin, Ehrenpräsident des Musée du Quai Branly in Paris, das sich dem gleichen Sammelgebiet verschrieben hat.
Das passionierte Schweizer Sammlerpaar kaufte nicht nur selbst Kunst aus Afrika und Ozeanien an. Es konnte auch auf exquisite Werke dieser Regionen zurückgreifen, die Moniques Vater Josef Müller ab den 1930er-Jahren bei den besten Händlern erworben hatte. Heute verfügt das Privatmuseum in der Rue Jean-Calvin 10 in Genf über 7000 Aktefakte aus zahlreichen Weltgegenden. Und ist weiterhin ein gefragter Leihgeber, wie die Homepage ausweist.
Die Museumsgründer sind beide vor etlichen Jahren verstorben, die Museumsdirektorin ist inzwischen in den Ruhestand gegangen, die dritte Generation sammelt selbst – aber in anderen Gebieten. Sie weiß, dass sich ein Museum nur dann der Gunst zahlreicher Besucherinnen und Besucher erfreuen kann, wenn es sich weiterentwickelt.
Christie’s hatte schon mal in den 1970er-Jahren nach dem Tod von Josef Müller für die Barbier-Muellers versteigert. Jetzt ruft Christie’s in Paris am 6. März live 100 Objekte in der Versteigerung „Barbier -Mueller Arts as Legacy“ auf.
Ein Schwerpunkt der Offerte liegt auf Masken – dem bekanntesten Ritualobjekt Afrikas, der Gattung, die die meisten Betrachtenden spontan einnimmt mit ihrer Kraft, Direktheit und Magie. Ausgerufen werden Masken in allen Spielarten, Materialien und Techniken. Die günstigsten starten bei 20.000 Euro. Aber auch Skulpturen, Kopfstützen und ein Perlenbestickter Thronsitz aus Kamerun wechseln die Hände.
Zu den Topstücken zählt ein rarer Schutzschild von den Salomon-Inseln. Das Prunkobjekt mit linearen Einlegearbeiten ist auf 500.000 bis 700.000 Euro geschätzt. 2021 hatte ein vergleichbares Werk in Christie’s Périnet-Auktion seine Taxe locker verdoppelt und 1,7 Millionen Euro gebracht.
Von großer Eindringlichkeit ist eine Helm-Maske der Senufo, die 20.000 bis 30.000 Euro kosten soll. Das sehr oft ausgestellte Werk mit ellenlanger Literaturliste ist auch stilistisch bemerkenswert: Rechts und links sitzen je ein Chamäleon, Reptilien, die an der Elfenbeinküste als die ersten Lebewesen der Erde gelten.
In die Erforschung der fantastisch konturierten a-tshol Skulptur der Baga aus Guinea hatte Jean Paul Barbier-Mueller einst einiges investiert. Jetzt wird sie auf 20.000 bis 30.000 Euro taxiert. Der Thronsitz aus Kamerun mit seiner aus Perlen gestickten Figuration ist eines von zwölf Losen, das ohne Schätzpreis ins Rennen geht. Das dürfte den Bieterwettkampf unter Kennern zusätzlich entfachen.
Ein gediegen zweistelliger Millionenumsatz soll der dritten und vierten Generation dieser leidenschaftlichen Sammlerfamilie die Möglichkeit geben, das Museum Barbier-Mueller neu auszurichten. Glaubt man der aktuellen, bis 21. April laufenden Ausstellung „Scarifications“ mit Malerei von Miquel Barceló und Objekten der Sammlung, dann dürfte sie den Dialog mit der zeitgenössischen Kunst intensivieren.
Christie’s Paris: Die Vorbesichtigung läuft.