Schienenverkehr: DB-Vorstand will über Ausgabensperre und Einstellungsstopp entscheiden
Düsseldorf. Mit einem massiven Sparprogramm will die Deutsche Bahn verhindern, dass der Staatskonzern seine angekündigten Jahresziele abermals verfehlt. „Vorbereitet werden Maßnahmen zur Ausgaben- und Einstellungssteuerung mit Fokus auf die Konzernverwaltung“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. „Es gibt dazu aber noch keinen Beschluss des Konzernvorstands.“ Ein Gesprächstermin hierzu ist nach Informationen des Handelsblatts am Dienstag vorgesehen.
Für 2024 hatte Bahnchef Richard Lutz erst Mitte März versprochen, einen operativen Gewinn von „über einer Milliarde Euro“ abzuliefern, nachdem die Deutsche Bahn im Vorjahr einen höheren Verlust melden musste als angekündigt. Zudem wolle man die Nettoverschuldung stabil auf dem Niveau von 34 Milliarden Euro halten.
Wie nun jedoch eine Konzernsprecherin bestätigt, ist die Deutsche Bahn deutlich schlechter ins Jahr gestartet als geplant. Allein im Schienenfrachtverkehr von DB Cargo fiel laut Handelsblatt-Informationen ein Verlust von 70 Millionen Euro an. Gebremst wurde der Konzern durch Streiks der Lokführergewerkschaft GDL, die in diesem Jahr Kosten in Höhe von 100 Millionen Euro hinterließen. Zudem drohen nach dem Tarifabschluss deutliche Lohnerhöhungen.
Deutsche Bahn will wie geplant in Infrastruktur investieren
„Vor diesem Hintergrund bereitet der DB-Konzern einen gemeinsamen Rahmen vor, der sicherstellt, dass auch die Konzernleitung ihren Beitrag leistet“, erklärte eine Sprecherin. Der Großteil der geplanten Maßnahmen werde dezentral in der Verantwortung der Geschäftsfelder entschieden und umgesetzt.
Die geplanten Investitionen in die Schieneninfrastruktur liefen jedoch weiter, heißt es offiziell bei der Deutschen Bahn. Das gelte auch für Personaleinstellungen im operativen Bereich. „Dort wird in vollem Maße betriebliches Personal weiter rekrutiert“, sagte eine DB-Sprecherin.
» Lesen Sie auch: Deutsche Bahn erhält erste Gebote für Schenker
Nicht bestätigt wurden dagegen Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, nach denen im Fernverkehr 250 Millionen Euro eingespart werden sollen, um die Ziele für 2024 noch zu schaffen. Hier seien noch keine Entscheidungen getroffen, hieß es.
Laut Reuters würde ein sogenannter qualifizierter Einstellungsstopp bedeuten, dass Neubesetzungen und neue Stellen von der Konzernleitung gebilligt werden müssen. Bei der qualifizierten Ausgabensperre sollten dann konzernweit sämtliche Extra-Ausgaben bis hin zu Dienstreisen ebenfalls von der Konzernleitung gebilligt werden müssen.