Banken: Raiffeisen Bank International sucht Mitarbeiter in Russland
Düsseldorf, Wien. Die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI) hat in Russland offenbar zahlreiche Stellenanzeigen ausgeschrieben. Darüber berichtet die „Financial Times“ (FT). Demnach seien es seit Dezember mehr als 2400 Anzeigen, davon 1500 auf Positionen im Vertriebsmanagement und Kundenservice.
In einer der Stellenausschreibungen heißt es laut FT, dass die Hauptziele „eine mehrfache Erweiterung der aktiven Kundenbasis und ein stabiles zweistelliges Ertragswachstum“ seien. Die RBI suche „einen Kundenbetreuer, der Kunden anzieht“, stehe in einem anderen Inserat. Die Bank baue ihren „Firmenkundenstamm aktiv aus“.
Formulierungen wie diese erwecken den Eindruck, dass die RBI ihr Russland-Geschäft ausbauen will – und sich nicht wie angekündigt aus dem Land zurückzieht.
Wie die FT berichtet, lässt Bankchef Johann Strobl die Stellenanzeigen überprüfen. In den Anzeigen seien Standardinformationen verwendet worden, „die fälschlicherweise seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine nicht mehr aktualisiert worden waren“. Die Zitate aus den Stellenanzeigen würden weder die bisherigen Maßnahmen zur Reduktion des Geschäfts widerspiegeln, noch würden sie den weiteren Plänen für das Russland-Geschäft entsprechen.
Um die Raiffeisenbank Russland veräußern zu können, sollten weiterhin Stellen, die für einen funktionierenden Bankbetrieb notwendig sind, besetzt beziehungsweise nachbesetzt werden. „Diese Erhöhungen stehen nicht im Zusammenhang mit dem Geschäftswachstum“, erklärte die RBI gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Widerspruch zu bisherigen Ankündigungen
Das Institut arbeitete an einem möglichen Verkauf oder einer Abspaltung des Russland-Geschäfts. Die RBI ist die größte westliche Bank, die noch in Russland aktiv ist und steht deswegen unter Druck. Das Geldhaus steht etwa unter Beobachtung durch Beamte des US-Finanzministeriums. Außerdem fordert die Europäische Zentralbank (EZB), dass sich die RBI aus Russland zurückzieht.
Laut RBI ist das Kreditvolumen der russischen Tochter seit Beginn des Ukraine-Krieges um 56 Prozent reduziert worden, auch das Zahlungsverkehrgeschäft wurde deutlich zurückgefahren. Die Zahl der Mitarbeiter war per Jahresende 2023 allerdings um gut vier Prozent auf 9942 Beschäftigte gestiegen.
Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters
Erstpublikation: 16.04.2024, 10:43 Uhr.