Tarifstreit: Gewerkschaften drohen mit unbefristeten Streiks bei der Postbank
Frankfurt. Bei der Postbank könnte es ab Anfang Mai zu unbefristeten Streiks kommen. Die beiden Gewerkschaften Verdi und Deutscher Bankangestellten-Verband (DBV) wollen ihre Mitglieder bis zum 3. Mai über einen solchen Schritt abstimmen lassen. Denn auch die vierte Verhandlungsrunde zwischen den Gewerkschaften und der Postbank-Mutter Deutsche Bank endete am Dienstag ohne Ergebnis.
„Nach den Warnstreiks der letzten Wochen ist zwar weiter Bewegung in die Verhandlungen gekommen, insbesondere beim Thema Gehalt liegen die Positionen aber noch weit auseinander“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck. „Vor diesem Hintergrund haben wir die Verhandlungen für gescheitert erklärt“, ließ der DBV am Mittwoch verlauten.
Weitere Arbeitsniederlegungen kämen für die Bank zu einem kritischen Zeitpunkt: Eine IT-Umstellung bei der Postbank hatte Probleme ausgelöst, die zwar kleiner geworden sind, doch zumindest vereinzelt kommt es noch immer zu Verzögerungen. Ein Streik würde die Situation weiter verschärfen.
Die Bank teilte mit, sie habe den Rückstau bei kundenkritischen Prozessen, die im Fokus der Finanzaufsicht Bafin waren, bewältigt und arbeite weiter an Verbesserungen. Neu eingehende Anliegen der Kunden würden „grundsätzlich in den erwarteten Servicezeiten bearbeitet“. Die Bank wolle den Kundenservice weiter verbessern.
Von weiteren Streiks wären potenziell auch Deutsche-Bank-Kunden betroffen, denn zuletzt hatten Verdi und DBV auch die Service-Einheiten bestreikt, in denen wichtige Hintergrundarbeiten für das gesamte Privatkundengeschäft im Deutsche-Bank-Konzern erledigt werden.
Verzicht auf Warnstreiks vor Mai
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gewerkschaftsmitglieder für einen Streik stimmen, gilt als hoch. Doch die Chancen, dass ein Ausstand in letzter Minute abgewendet werden kann, sind ebenfalls gestiegen: Die Bank hat ihr Angebot verbessert; vor Ende der Urabstimmung soll es am 30. April eine fünfte Verhandlungsrunde geben. Bis dahin verzichten beide Gewerkschaften auf weitere Warnstreiks. „Eine Einigung ist bis dahin weiterhin möglich – dafür muss sich aber der Arbeitgeber bewegen“, schreibt der DBV.
Konkret besteht das neue Angebot aus einer Gehaltssteigerung von 6,4 Prozent, aber mindestens 250 Euro pro Monat, ab Juni 2024. Ab Juli 2025 soll es weitere 3,6 Prozent mehr Gehalt geben.
Verdi fordert für etwa 12.000 Beschäftigte im Deutsche-Bank-Konzern mit einem Postbank-Tarifvertrag jedoch 15,5 Prozent mehr Geld, der DBV will 14,5 Prozent mehr Gehalt für die Beschäftigten von Postbank, Postbank Filialvertrieb, PCC Services und BCB.
Annäherungen gibt es auch bei anderen Themen: Verdi fordert eine Verlängerung des Kündigungsschutzes im Privatkundengeschäft bis Ende 2028, der DBV bis Ende 2027. Hintergrund sind die geplanten umfangreichen Filialschließungen bei der Postbank. Bislang sind Kündigungen nur bis zum Herbst ausgeschlossen; die Deutsche Bank wollte die Frist nur bis Ende 2026 ausdehnen. Das neue Angebot sieht nun einen Kündigungsverzicht bis Mitte 2027 vor.
Zufrieden zeigten sich beide Gewerkschaften auch darüber, dass die Deutsche Bank Beschäftigten eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung anbieten will, die bisher keine solche Versorgung hatten.