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SolaranlageDer Sommer der Balkonkraftwerke

Endlich dürfen auf allen Balkonen Solarpaneele installiert werden. Doch unser Kolumnist hat die Schattenseite der Lösung ausgemacht: Es droht eine Neiddebatte zwischen Nord- und Südbalkonbesitzern.Tillmann Prüfer 24.05.2024 - 10:00 Uhr
Kolumnist Prüfer und die spalterische Kraft eines Balkonkraftwerks. Foto: HB

Ich bin mir sicher, es wird der Sommer der Balkonkraftwerke. Nun ist es offiziell erlaubt, 800 Watt vom eigenen Balkon in das öffentliche Stromnetz einzuspeisen und den Stromzähler rückwärts laufen zu lassen. Jetzt kann jeder sein eigener Stromproduzent sein, und niemand kann deswegen belangt werden.

Es ist zwar immer noch nicht ohne Weiteres erlaubt, das Balkongitter der eigenen Wohnung bunt zu streichen, aber Solarpaneele an den Balkon zu schrauben ist kein Problem.

Ich habe gelesen, dass Lidl nun ein Billig-Balkonkraftwerk auf den Markt bringen wird. Damit wird es bald keinen Balkon mehr geben, der nicht mit Photovoltaik ausgestattet ist.

Das wird die Republik in völlig neue Lager aufteilen. Nämlich in Nordbalkon gegen Südbalkon. Wer einen gen Süden gerichteten Balkon hat, bei dem wird sich der Zähler viel schneller zurückdrehen als bei denen, die von ihrem Austritt aus gen Norden schauen.

Es wird Menschen geben, die das als eine besondere Gemeinheit ansehen. Zum einen sind es jene Menschen, die ohnehin mehr Sonne auf ihrem Balkon haben, die dann auch noch mehr Strom produzieren als jene, die einen Nordbalkon haben. Das muss einem wie eine zusätzliche Demütigung vorkommen, dass man den ganzen Tag nur Schatten auf dem Balkon hat – und dann auch noch geradezu zuhören muss, wie beim Nachbarn mit Südbalkon der Zähler rückwärts surrt.

Dazu sind es ja meist jene, die den Balkon zum Süden hin haben, die ohnehin mehr Geld in der Kasse haben, weil sie es sich leisten können, auf der Südseite zu leben. Wer etwas hat, der bekommt auch mehr.

Und was ist mit jenen Menschen, die gar keinen Balkon haben? Die können höchstens ihre Fensterflächen mit Solarpaneelen bedecken. Das bedeutet, dass Menschen, die ohnehin kein Geld haben, sich eine Wohnung mit Balkon zu leisten, auch noch den wenigen Strom, den sie produzieren, gleich selbst für die Glühbirne ausgeben müssen, die in ihrem Wohnzimmer den ganzen Tag funzelt, damit dort wenigstens etwas Licht herrscht.

Nehme man stattdessen jene Leute, die vom Leben nicht nur mit umlaufenden Loggia-Balkonen geküsst wurden, sondern vielleicht sogar einen eigenen Garten haben. Die können ihre gesamte Freifläche mit Solarpaneelen zuballern. Bei solchen Menschen wird sich dann nicht nur der Stromzähler mit Höchstgeschwindigkeit rückwärts drehen, vielleicht werden sie irgendwann auch die Gemeinschaft zur Kasse bitten wollen für all den Strom, den sie in das öffentliche Netz einspeisen.

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Man fragt sich, ob der Gesetzgeber sich dessen bewusst war, als er mal eben so erlaubte, ein jeder dürfe zum Kraftwerksbetreiber werden.

Als einziger Trost bleibt, dass die ganzen Millionäre aus den Hamburger Vororten nicht zum Zuge kommen werden. Dort scheint ja nie die Sonne. Die müssen warten, bis Regenkraftwerke vom Staat subventioniert werden.

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