Kommentar: Hochwasser – warum wir eine Versicherungspflicht brauchen
Noch gibt es keine konkreten Zahlen, aber ein paar Milliarden Euro werden die jüngsten Überschwemmungen in Süddeutschland wohl kosten. Ein Teil des Geldes werden Versicherer aufbringen, ein anderer Teil werden wir alle als Steuerzahler mitfinanzieren. Das ist an sich richtig und ein Akt der Solidarität gegenüber den Menschen, die nun mehr oder minder vor dem Nichts stehen. Doch braucht es das wieder und immer wieder?
In unschöner Regelmäßigkeit sorgen Wassermassen dafür, dass Tausende ihr Heim ganz oder teilweise verlieren, und jedes Mal wird aufs Neue darüber diskutiert, was man künftig anders und besser machen könnte.
Es wird über das Baurecht am Wasser diskutiert werden. Die Ergebnisse nach den jüngsten Fluten sind dürftig. Hier müssen endlich die Länder und Kommunen aktiv werden und Bauordnungen und Baurecht so umgestalten, dass in Risikogebieten zumindest nicht mehr neu gebaut werden darf. Und braucht es wirklich den Wiederaufbau an Ort und Stelle? Das mag schmerzlich für die Menschen in den betreffenden Regionen sein, aber wer will ernsthaft alle zehn Jahre sein Heim neu aufbauen?
Sind hier die nötigen Fortschritte gemacht, sollte die Pflicht kommen, die eigene Immobilie gegen Elementarschäden zu versichern.
Man könnte nun meinen, nach jedem Hochwasser steigt die Zahl derer, die ihre Wohngebäudeversicherung um einen Schutz gegen sogenannte Elementarschäden erweitern. Von wegen! Die Zahl der neu abgeschlossenen Policen steigt bestenfalls im homöopathischen Umfang. Die Pflichtversicherung ist also nötig.
Wenn es für Einzelne zu teuer wird, muss das Kollektiv ran
Natürlich klingt das nach staatlicher Übergriffigkeit, und die Argumente dagegen sind wohlbekannt: „Wohnen wird noch teurer“, sagen die einen, „die Versicherer verdienen sich noch mehr goldene Nasen“, die anderen. Die Pflicht kann zwar zu einer Belastung werden, die alle tragen müssen – mit Augenmaß kann sie aber so gestaltet werden, dass sie für alle erträglich ist:
Bei der Pflichtversicherung könnte der Kollektivgedanke seine große Stunde haben. Es gibt nicht mehr Policen nach Risikoklassen, sondern eine Elementarversicherung für alle. Klingt vordergründig nach der großen Gleichmacherei, die niemand will, es ist aber bei näherem Hinsehen ein Akt der Solidarität, denn Extremwetterereignisse gehen uns mehr und mehr alle an.
Eine solche kollektive Pflichtversicherung in Verbindung mit einem Baurecht, das neuen oder wiederaufgebauten Wohnraum in Gebieten mit hohem Risiko untersagt, kann helfen, zumindest das finanzielle Leid solcher Katastrophen in Grenzen zu halten.
Es ist an der Zeit, etwas zu tun, denn das nächste Hochwasser kommt bestimmt.