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KlartextSo kommen Sie auf den Punkt

Niemand möchte die eigentliche Botschaft aus einer Reihe unklarer Aussagen erahnen müssen. Ein Plädoyer für klare Kommunikation im Unternehmensumfeld. Ohne Weichspüler.Kristina Fassler, Tijen Onaran 19.07.2024 - 04:00 Uhr
Kristina Faßler und Tijen Onaran geben Tipps zur effektiven Kommunikation. Foto: Sabastian Laraia, Studio R9

„Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.“ William Faulkner. Literaturnobelpreisträger. Auch beim Reden ist das aus unserer Sicht Gold.

Wir kennen es. Was will er/sie jetzt genau sagen? Warum sagt sie es dann nicht einfach? Oder umgekehrt: Wie bringe ich rüber, was ich eigentlich meine? Und das auch noch freundlich, jedoch ohne Weichspüler? Wann ist der richtige Moment?

Unsere Prämisse in der Beratung: Klarheit gewinnt. Niemand möchte in Zeiten überemotionalisierter Debatten einen Schwall unklarer Aussagen, die nur verwirren. Diejenigen Managerinnen und Manager, die ehrlich und auf den Punkt kommunizieren, sind erfolgreich und gleichzeitig nahbar. Es führt kein Weg an ihrer Botschaft vorbei – Menschen wissen, woran sie sind.

Eindeutige Inhalte. Das ist nicht mal eben nebenbei gemacht. Gerade wenn die Kommunikation sich nicht nur an das engste Team richtet, sondern auch bei den Leuten, die nicht schon wissen, wie man es meint, ihre Ziele erreichen soll.

Unsere Empfehlung: die präzise Botschaft oder These zu Beginn der eigenen Rede, des Wortbeitrags im Meeting oder Textes setzen.

Mindestens zwei Argumente sprechen dafür: erstens die Tatsache, dass die Aufmerksamkeitsspannen seit Jahren sinken, beim Lesen und Zuhören. Den zweiten wesentlichen und unschlagbaren Vorteil kennen wir aus eigenem Erleben. Eigentlich weiß man schon grob, worauf man hinauswill. Also redet man drauflos oder beginnt zu schreiben, holt diese ab und jene. Schweift – schade eigentlich – gern auch mal vom Thema ab. Und während man das tut, überlegt man parallel, wie man nicht den Faden verliert und am besten auf den Punkt kommt.

Sehen so die Geburtsstunden exzellenter Kommunikation aus? Ganz sicher nicht. Zum einen ist die eigene Aufmerksamkeit geteilt (Faden und Botschaft), und zum anderen ist es gut möglich, dass wir die Geduld überstrapazieren, die Zuhörer abschweifen, sich ausklinken …  Alles vermeidbar.

Gute Kommunikation muss geplant sein

Nach einer kurzen Begrüßung, dem Hinweis, dass man noch einen wichtigen Punkt gern anbringen würde, oder im Schriftlichen ohne irgendetwas vorab: die Botschaft. Genau das sagen oder schreiben, was man bei dem jeweiligen Publikum platzieren möchte. Das, worum es tatsächlich geht.

Nur selten gelingt das aus dem Stegreif. Je besser durchdacht, umso wirkungsvoller. Worum geht’s mir eigentlich? Was möchte ich genau zum Ausdruck bringen und vor allem damit erreichen? Wie sag ich es am besten auf meine Art? Immer auch im Blick: Meine Botschaft kann und soll auch zur Diskussion führen. Bin ich bereit, genau diese Diskussion auszuhalten?

Klare Botschaften sind schwieriger anzugreifen als schwammige. Foto: dpa

Ein Blick in die Praxis.

Wir sitzen im Termin mit einer Managerin. Sie möchte unseren Rat im Hinblick auf ihre Kommunikation. Schnell wird deutlich: Sie hat einen präzisen Wertekompass, weiß, was sie will, hat spannende Botschaften und ist im Gespräch auf dem Punkt. Ganz anders online, in Interviews oder Gastbeiträgen. Dort findet sich das, wovon wir abraten: Weichspüler. Jede noch so kluge These wird durch Nebensätze und poetische Wortmalereien zunichtegemacht. Wir sprechen über die Ursache: Es ist die Angst vor Angreifbarkeit, die zu schwammigen Botschaften, Beliebigkeit und Plattitüden führt.

Dabei ist doch das Gegenteil der Fall: je unklarer, desto angreifbarer. Denn Unklarheit in der Kommunikation bedeutet Angreifbarkeit im Inhalt.

LinkedIn ist eine hervorragende Übung für Klarheit und eigenen Stil, auf den Punkt zu kommen. Wenn ich Interesse daran habe, dass mein Beitrag Aufmerksamkeit bekommt, sollte ich zu Beginn eine Kernaussage treffen oder eine prägnante Fragestellung wählen. Auf meine Art.

„Bis 2030 könnte KI 30 Prozent der Arbeitszeit automatisieren. Aber: Heute wird in drei von vier Büros noch gefaxt. Da passt was nicht zusammen!“, beginnt Telekom-Vorständin Claudia Nemat einen Post zu einem Auftritt. Macht Lust zu erfahren, was sie als Lösungsansatz vorschlägt.

Es ist ein guter Check, mit der Botschaft auch zu prüfen, worin die Relevanz des eigenen Beitrags tatsächlich besteht. Einen exzellenten Job macht Kanadas Premier Justin Trudeau beziehungsweise sein Team. Er kommt verlässlich schon im Teaser auf den Punkt, wie zum Beispiel hier: „Nahezu 20.000 ukrainische Kinder wurden von Russland aus ihrer Heimat – aus ihren Familien – verschleppt. Als Vater kann ich mir den Schmerz der Eltern nicht vorstellen.“

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Menschen, die wir in Bezug auf Kommunikation und Positionierung beraten, wechseln an vielen Arbeitstagen von Termin zu Termin, von Rede zu Statement zu Grußwort … Gerade für sie ist es maximal hilfreich, nicht nur zu wissen, was sie wollen, sondern dass im Vorfeld auch über das Wie nachgedacht wurde.

Tijen Onaran und Kristina Faßler beraten gemeinsam Topmanagement und Politik zu strategischer Kommunikation mit dem Schwerpunkt Positionierung. Im Handelsblatt Wochenende schreiben sie alle vier Wochen über das Thema.

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