Olympia: Der Traum vom Gold – Deutschland will die Sommerspiele 2040
Paris. Das Deutsche Haus in Paris ist in diesen Tagen so etwas wie das inoffizielle Hauptquartier für die deutsche Olympia-Bewerbung. Am Rande der Medaillenkämpfe in der französischen Hauptstadt treiben deutsche Politiker und Sportfunktionäre hier ihr Ziel voran, die Sommerspiele wieder nach Deutschland zu holen, spätestens im Jahr 2040.
„Ich finde, dass wir als große Sportnation auch ein begeisterter Gastgeber sein können“, sagte Bundesinnen- und Sportministerin Nancy Faeser, als sie am Freitag eine Absichtserklärung mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und an der Ausrichtung interessierten Bundesländern und Städten unterzeichnete. Seit München 1972 fanden in Deutschland keine Olympischen Spiele mehr statt. Stattdessen scheiterten in den vergangenen Jahrzehnten reihenweise Bewerbungsversuche, häufig an mangelnder Akzeptanz aus der Bevölkerung.
Beim neuen Anlauf soll vieles besser gemacht werden. Zuvorderst in der Politik: „Mir ist wichtig, dass Fehler aus der Vergangenheit nicht mehr passieren“, sagte Faeser. Die Olympia-Bewerbungen wie jene von München oder Hamburg seien „immer daran gescheitert, dass jemand nicht dahinterstand“. Erstmals habe eine Olympia-Kandidatur nun die Rückendeckung der gesamten Bundesregierung.
Kurz vor Beginn der Spiele in Paris hatte sich die Ampelkoalition per Kabinettsbeschluss zur Unterstützung der deutschen Bewerbung verpflichtet. Der Bund beteiligt sich bis 2027 mit fast sieben Millionen Euro an den Bewerbungskosten. Bundeskanzler Olaf Scholz zeigte sich zuversichtlich, als er zur Eröffnungsfeier an die Seine reiste. „Wir können es schaffen“, so der SPD-Politiker. „Wir sind gute Ingenieurinnen und Ingenieure, auch was Vorbereitung und solche Dinge betrifft.“
Bürgerbeteiligung ja, Referendum nein?
Nach dem politischen Rückhalt müsse nun die Bevölkerung mitgenommen werden, machte der DOSB-Vorstandsvorsitzende Torsten Burmester am Freitag deutlich. Dabei blieb er allerdings vage, wie eine Bürgerbeteiligung aussehen und ob diese wie bei den zuletzt gescheiterten Anläufen auch ein Referendum beinhalten soll.
„Die Partizipation, die wir meinen, ist Information, Konsultation und Mitbestimmung“, sagte er. Wichtig seien eine „dauerhafte Beteiligung“ und „innovative Beteiligungskonzepte“. Und Faeser ergänzte: „Moderne Partizipation heißt ja nicht, dass man nur einmal abstimmt.“
Die Hoffnungen ruhen auch darauf, dass sich in der Bevölkerung durch die aktuellen Sommerspiele ein positives Olympia-Bild festsetzt. Faeser sagt, sie nehme eine „große Begeisterung“ für das in Paris organisierte „Glanzstück“ wahr: „Da merkt man schon, dass der olympische Funke überspringt.“
Das Beispiel Paris zeige, dass nachhaltige Spiele möglich seien. Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) habe sich gewandelt und ihre Vergabekriterien auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. „Es macht für die Menschen was aus, wenn das IOC nicht mehr große Sportstätten bauen und abreißen lässt.“
Auch für die deutsche Olympia-Bewerbung gilt: Vorhandene Sportstätten sollen maximal genutzt werden, um Neubauten der sportlichen Infrastruktur zu vermeiden. Dabei soll es ein „Olympia der Regionen“ mit einer Metropole als Ankerstadt und weiteren Wettkämpfen an verschiedenen Orten im Land geben.
Das könnte beispielsweise bedeuten: Die Leichtathletik findet im Berliner Olympiastadion statt; die Kanuwettbewerbe werden auf der Wildwasserbahn in Augsburg ausgetragen; Aachen bringt sich als internationales Reitsportzentrum ein; und gesegelt wird auf der Ostsee.
Die Einzelheiten des Bewerbungskonzepts sollen nun bis 2025 ausgearbeitet werden. Interesse an der Ausrichtung hatten die Städte Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Leipzig und München sowie die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern bekundet. DOSB-Präsident Thomas Weikert sagte, man wolle sich eng mit dem IOC abstimmen „wie unsere Bewerbung aussehen soll und wie sie am erfolgreichsten sein kann“.
Wüst wirbt für Olympia an Rhein und Ruhr
Auch Vertreter der interessierten Regionen und Städte nutzten die Aufmerksamen rund um Olympia in Paris, um für sich zu werben. Am vergangenen Dienstag stieg der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) auf die Bühne des Deutschen Hauses: „Ich fände es großartig, wenn es gelingen würde, irgendwann in der Zukunft Olympia nach Deutschland zu holen – Olympia zu uns nach NRW zu holen“, sagte er. „Wir sind jedenfalls bereit.“
Das von einer Privatinitiative erarbeitete Konzept für die Spiele in der Metropolregion besteht bereits seit 2016, es wurde schon von Wüsts Amtsvorgänger Armin Laschet unterstützt.
Für Wüst nahm sich sogar IOC-Präsident Thomas Bach kurz Zeit. Beim NRW-Abend im Deutschen Haus lobte dieser die Olympia-Bemühungen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes „mit all dem, was in Rhein-Ruhr abgeht im sportlichen Bereich“. Grundsätzlich hält sich Bach aber bedeckt, was die Chancen einer deutschen Bewerbung angeht.
Nach den Spielen in Paris ist 2028 Los Angeles der nächste Sommer-Gastgeber. Für 2032 ist Olympia ins australische Brisbane vergeben. Die Bundesregierung hat eine klare Präferenz für 2040, der DOSB hält sich aber auch die Option 2036 offen. Burmester erinnerte daran, dass es „auch andere starke Bewerbungen anderswo“ gebe. Dem Vernehmen nach gilt Indien als ein großer Favorit für die nächsten Vergaben.
Nach Einschätzung von Weikert gelingt es, das Interesse an Olympia in Deutschland am Rande der aktuellen Spiele in Paris zu steigern. „Das wird auch im Ausland sehr genau registriert“, sagte der DOSB-Präsident. Mit der Unterzeichnung der gemeinsamen Absichtserklärung sei jetzt „der Anfang gemacht“.
