Immobilien: „Talsohle durchschritten“ – Baufinanzierung legt 2024 zu
Frankfurt. Das Neugeschäft in der Baufinanzierung hat sich im ersten Halbjahr 2024 deutlich erholt. Es stieg auf 93 Milliarden Euro, das ist ein Plus von rund 15 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2023. Das hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma PwC auf Basis von Daten der Bundesbank sowie der Europäischen Zentralbank (EZB) ermittelt.
Besonders stark war der Zuwachs im zweiten Quartal. Das Neugeschäft erreichte PwC zufolge 48 Milliarden Euro und lag somit 19 Prozent über dem Vorjahresniveau. Sowohl Banken als auch Kreditnehmer würden sich zunehmend an das aktuelle Finanzierungsumfeld anpassen, sagte PwC-Partner Tomas Rederer. Durch die Stabilisierung der Zinssätze werde die Nachfrage merklich getrieben.
Nach der Zinswende im Sommer 2022 war die Nachfrage nach privaten Immobilienkrediten eingebrochen. Nun gibt es vermehrt Hinweise darauf, dass sich das Geschäft nachhaltig erholt. Das Analysehaus Barkow Consulting erklärte, die jüngsten Zahlen stützten die „These eines moderaten Aufschwungs“. So betrug das Neugeschäft im Juni 16,3 Milliarden Euro, der zweithöchste Monatswert seit Sommer 2022. Im April 2024 waren es 16,8 Milliarden Euro gewesen.
Auch die Sparkassen, Marktführer im Geschäft mit der Baufinanzierung, gehen davon aus, dass die „Talsohle bei privaten Immobilienfinanzierungen durchschritten“ ist. Sie sagten nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr gut 19 Prozent mehr private Immobilienfinanzierungen zu als vor einem Jahr.
„Es zeigt sich, dass die Anziehungskraft der eigenen vier Wände ungebrochen ist“, erklärte Sparkassenpräsident Ulrich Reuter. Er verwies darauf, dass das Zinsniveau zuletzt wieder leicht gesunken und die Löhne teils kräftig gestiegen seien. „Das macht die Entscheidung für die eigene Wohnung oder das eigene Haus grundsätzlich leichter.“
Bis vor gut zwei Jahren hatte das Geschäft mit Baufinanzierungen geboomt. Allein im Rekordmonat März 2022 betrug es rund 32 Milliarden Euro. Nach der Zinsanhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juli brach es jedoch ein. Im August desselben Jahres betrug es noch 18,5 Milliarden Euro, im September 16,1 Milliarden Euro. Der schwächste Monat war der Februar 2023 mit 12,1 Milliarden Euro.
Bauzinsen sinken leicht
Die EZB erhöhte den Einlagensatz zwischen Mitte 2022 und September 2023 zehnmal nacheinander. Anfang Juni dieses Jahres minderte sie den wichtigen Zins, den Geschäftsbanken für ihre Einlagen bei der Notenbank erhalten, dann von 4,0 auf 3,75 Prozent.
Das Neugeschäft der privaten Immobilienfinanzierung hat sich zwar schon im Laufe des vergangenen Jahres etwas erholt. Allerdings gab es immer wieder Schwankungen. Inzwischen scheint die Entwicklung beständiger.
Die Bauzinsen für Kredite mit zehnjähriger Zinsbindung betragen derzeit laut FMH-Finanzberatung im Mittel 3,6 Prozent. Sie waren im ersten Halbjahr leicht gestiegen. Zuletzt gab der Durchschnittszins aber etwas nach, was die Nachfrage weiter ankurbeln könnte. Zumal der Zins seit Sommer 2022 bereits deutlich höher gestiegen war, den FMH-Daten zufolge schon mehrfach auf rund vier Prozent.
Gleichwohl liegt das Neugeschäft noch weit unter dem Niveau der Boomjahre. So hatte es im ersten Halbjahr 2022 rund 160 Milliarden Euro betragen, im ersten Halbjahr 2021 hatte es 145 Milliarden Euro erreicht. 2024 kommt es etwa auf den Wert von 2014.
Die Entwicklung bei frischen Baukrediten wird genau verfolgt, da das Geschäft für die deutschen Banken von großer Bedeutung ist. So entfällt auf die privaten Immobiliendarlehen mit aktuell 43 Prozent ein großer Anteil im Kreditbuch der Banken. Die Baufinanzierung gilt als wenig riskant, wirft dafür aber auch nur relativ geringe Margen ab.