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Arbeitsmarkt30.000 Betriebe finden keine passenden Azubis

Interessenten und Betriebe finden nur schwer zusammen, zeigt eine DIHK-Umfrage. Fast jedes zweite Unternehmen kann Stellen nicht besetzen. Besonders groß ist der Mangel in einem Bundesland.Frank Specht, Laura Thalmeyer 09.08.2024 - 16:53 Uhr Artikel anhören
Ausbildung zur Friseurin: Oft passen Berufswunsch und Lehrstellenangebot nicht zusammen. Foto: picture alliance / Caro

Berlin. „Wir können derzeit in Bayern ungefähr ein Drittel der angebotenen Ausbildungsstellen nicht besetzen“, stellt Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer München und Oberbayern, im Gespräch mit dem Handelsblatt fest.

Was das bedeutet, zeigt sich zum Beispiel bei Gepe Geimuplast: Der Hersteller von Kunststoffteilen aus dem oberbayrischen Farchant bietet drei Ausbildungsstellen an und hatte Interessierte auch zu Schnupperpraktika eingeladen.

„Der Bildungsstand ist für uns nicht ausschlaggebend. Wenn jemand fachlich geeignet erscheint, dann geben wir jedem eine Chance“, sagt Personalleiterin Verena Hanglberger. Doch kein Bewerber passte – oder sie merkten, dass die Arbeit bei dem mittelständischen Familienbetrieb nichts für sie wäre. So blieben die Stellen unbesetzt.

Das ist laut DIHK das größte Problem der Betriebe

Auch anderen Unternehmen in Deutschland fällt es zunehmend schwerer, Ausbildungsplätze zu besetzen. 49 Prozent der Betriebe ist das im zurückliegenden Ausbildungsjahr nicht gelungen. Das zeigt die neue Ausbildungsumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).

Es ist ein Negativrekord. 2018 traf dies nur auf jedes dritte Unternehmen zu. Hauptgrund laut Auskunft der Unternehmen: zu wenig Bewerbungen von geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern.

Von den Betrieben mit Besetzungsschwierigkeiten gab mehr als jeder dritte an, keine einzige Bewerbung erhalten zu haben. Rechnet man die Umfrageergebnisse hoch, sind im vergangenen Jahr über alle Branchen hinweg 30.000 Betriebe bei der Suche nach Auszubildenden leer ausgegangen.

492.000
Ausbildungsstellen
haben Unternehmen für das neue Ausbildungsjahr gemeldet

„Die Zahlen unterstreichen die wachsenden Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Kleine Betriebe hätten am meisten zu kämpfen. An der diesjährigen DIHK-Umfrage haben sich mehr als 13.000 Unternehmen beteiligt.

Auch im gerade begonnenen neuen Ausbildungsjahr könnten die Besetzungsschwierigkeiten anhalten. Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat sich die Zahl der bis zum Juli gemeldeten Ausbildungsinteressenten gegenüber dem Vorjahr zwar leicht um drei Prozent auf rund 402.000 erhöht. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen liegt trotz eines Rückgangs um vier Prozent mit 492.000 aber deutlich höher.

Besonders deutlich zeigt sich der Azubimangel in Bayern. Dort stehen rechnerisch jedem Bewerber 1,6 Ausbildungsstellen zur Verfügung. Im bundesweiten Durchschnitt sind es nur rund 1,2. Für die Jugendlichen sei die Ausbildungssituation trotz der angespannten Wirtschaftslage „weiterhin sehr gut“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands der bayerischen Metallarbeitgeber (VBM), Bertram Brossardt, diese Woche bei der Präsentation einer eigenen Umfrage.

Nicht aber für die Unternehmen. So gaben gut 37 Prozent der bayerischen Metallbetriebe an, im zurückliegenden Ausbildungsjahr weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen zu haben als im Vorjahr. Auch hier wird der Mangel an geeigneten Bewerbern als Hauptgrund genannt.

Ein Grund für den Mangel an Bewerberinnen und Bewerbern ist der demografische Wandel, der die Zahl der Schulabgänger seit Jahren sinken lässt – auch wenn es zuletzt eine kleine Trendwende gab. Oft passt aber auch der Ausbildungswunsch einfach nicht zu den angebotenen Ausbildungsplätzen. Oder die Interessentinnen und Interessenten wohnen nicht da, wo es Lehrstellen gibt.

So waren im Juli 204.000 oder 41 Prozent der bei der Bundesagentur gemeldeten Ausbildungsstellen noch unbesetzt. Von den Bewerbern haben bereits 35 Prozent eine Ausbildungsstelle gefunden.  Als noch unversorgt gelten 121.000 oder 30 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber. Die übrigen haben vorübergehend eine Alternative gefunden, besuchen beispielsweise weiter die Schule.

Um die Diskrepanz zwischen Ausbildungsnachfrage und -angebot zu beheben, sollte die Berufsorientierung in den Schulen verbessert werden, forderte Dercks. Und: „Wir müssen gemeinsam die Anstrengungen ausbauen und die potenziellen Auszubildenden und die Betriebe besser zusammenbringen.“ Das gelinge etwa durch Bustouren in die Unternehmen, virtuelle Betriebseinblicke, Ausbildungspartys oder Kooperationen mit Schulen.

Für Betriebe lohnt sich ein Social-Media-Account

Wie die DIHK-Umfrage zeigt, nutzen die Unternehmen die unterschiedlichsten Möglichkeiten, um Berufsnachwuchs anzusprechen. Wichtigste Plattform ist die eigene Website. Mehr als sieben von zehn Betrieben lernen künftige Azubis durch Initiativen wie Schnuppertage, Jobmessen oder Praktika kennen. Und es lohne sich für Betriebe, auch auf Social-Media-Kanälen präsent zu sein, betonte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer.

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Dabei konzentriert sich die Suche nach Auszubildenden längst nicht mehr allein auf das Inland. Nach der Umfrage hat bereits jeder zweite Betrieb junge Menschen aus anderen Herkunftsländern ausgebildet oder versucht, diese zu gewinnen. Gut jeder dritte hatte im zurückliegenden Ausbildungsjahr Auszubildende aus Ländern außerhalb der EU.

Erstpublikation: 08.08.2024, 10:00 Uhr

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