Fed-Geldpolitik: US-Notenbanker öffnen sich für baldige Zinssenkung
Frankfurt. In den Vereinigten Staaten zeichnet sich immer deutlicher ab, dass eine Zinssenkung bevorsteht. Zwei eher zurückhaltende Notenbanker der Federal Reserve (Fed) haben angedeutet, dass sie den Auftakt zur Zinswende im September befürworten. Es ist der letzte Zinsentscheid vor der US-Präsidentschaftswahl.
Raphael Bostic, der stimmberechtigte Vorsitzende des Fed-Ablegers von Atlanta, sagte der „Financial Times“, er sei „offen“ für eine Zinssenkung in einem Monat. „Wir können es uns nicht wirklich leisten, zu spät dran zu sein“, sagte Bostic. „Wir müssen so bald wie möglich handeln.“
Bostic begründete dies damit, dass Zinsentscheide verzögert auf die US-Wirtschaft einwirken. Ökonomen und Finanzmarktteilnehmer versprechen sich von der Zinswende nach unten frischen Schwung für die amerikanische Wirtschaft. Die US-Notenbank zögert, weil der Rückgang der Inflation seit einem Jahr stockt.
US-Inflation im Juli gesunken
„Jetzt, da wir die Inflation in den Griff bekommen können, müssen wir uns die andere Seite des Mandats ansehen“, sagte Bostic. Die Inflation ist im Juli auf 2,9 Prozent gesunken. Die Fed ist, anders als die Europäische Zentralbank, auch für Vollbeschäftigung zuständig. Die Arbeitslosenquote ist auf 4,3 Prozent gestiegen. Auf dem Tiefpunkt im Januar betrug sie 3,7 Prozent. Den jetzigen Anstieg nannte Bostic „erheblich“.
Sein Kollege Alberto Musalem aus St. Louis sieht die Inflation ebenfalls zurück auf dem Kurs zum Zwei-Prozent-Ziel. Der angemessene Zeitpunkt für eine Zinssenkung rücke näher. Für die Analysten der Deutschen Bank sind die Kommentare besonders aussagekräftig, weil es sich bei Bostic und Musalem um Vertreter einer eher straffen Geldpolitik handele.
Die Erwartungen an den Umfang von Zinssenkungen sind gleichwohl rückläufig. Das zeigt sich daran, dass die Renditen für US-Staatsanleihen zuletzt merklich gestiegen sind. Das gilt sowohl für kurze Laufzeiten von zwei Jahren als auch für US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit.
Im Zuge eines Abverkaufs an den Aktienmärkten waren Anleger Anfang August in sichere Anlageklassen wie US-Staatsanleihen geflüchtet. Daraufhin rauschten deren Renditen abwärts, spiegelbildlich stiegen die Kurse der Anleihen. Marktteilnehmer spekulierten über eine Notfallzinssenkung der Fed.
Inzwischen hat sich die Panik gelegt. Laut der Terminbörse CME, die täglich Bewegungen an den Terminmärkten analysiert, ist eine kleine Zinssenkung am 18. September inzwischen deutlich wahrscheinlicher als ein großer Schritt um einen halben Prozentpunkt. Sinkt der Leitzins langsam, stützt das die Renditen festverzinslicher Anlagen wie US-Staatsanleihen.
Für zusätzliche Entspannung sorgt, dass sich Sorgen vor einer Rezession verflüchtigt haben. Amerikas Einzelhändler steigerten ihre Umsätze auf Monatssicht um 1,0 Prozent, das stärkste Plus seit anderthalb Jahren. Zugleich waren die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zwei Wochen in Folge niedriger als befürchtet. Das Sommerhoch der Einzelhändler spreche „recht klar gegen sehr offensive Zinssenkungen durch die Fed“, sagte Tobias Basse, US-Experte der Landesbank NordLB.