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GroßbankKreditkarten-Deal mit Apple drückt Gewinn von JP Morgan

Die größte US-Bank hat im vierten Quartal aufgrund einer Sonderbelastung eine Milliarde Dollar weniger verdient als im Vorjahr. Bankchef Dimon lobte die Deregulierung, warnte aber vor Risiken.Hannah Krolle, Antonia Mannweiler 13.01.2026 - 16:58 Uhr aktualisiert Artikel anhören
JP-Morgan-Chef Jamie Dimon: Das starke Handelsgeschäft treibt den Gewinn. Foto: Bloomberg

Frankfurt, New York. JP Morgan Chase eröffnet die Bilanzsaison der US-Banken mit Einbußen. Im vierten Quartal verbuchte die Großbank einen geringeren Gewinn als ein Jahr zuvor. Der Überschuss fiel um eine Milliarde auf 13 Milliarden Dollar oder auf 4,6 Dollar je Aktie, wie das Institut am Dienstag mitteilte.

Das liegt im Wesentlichen an einer milliardenschweren Sonderbelastung durch die Übernahme des Apple-Kreditkartengeschäfts. Die Bank hatte für das von Goldman Sachs übernommene Portfolio eine Rückstellung für Kreditverluste in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar gebucht.

Ohne diese einmalige Belastung stieg der Gewinn dank eines starken Handelsgeschäfts auf 14,7 Milliarden Dollar und übertraf die Erwartungen der Analysten. Die Gebühren aus dem Investmentbanking beliefen sich im vierten Quartal auf 2,3 Milliarden Dollar, nach 2,4 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal.

Für das gesamte Jahr 2025 fiel der Gewinn um 2,6 Prozent auf 57 Milliarden Dollar. Die Aktie der Bank verlor im frühen Handel an der Wall Street gut drei Prozent.

JP-Morgan-Chef verweist auf „potenzielle Risiken“

JP-Morgan-CEO Jamie Dimon schlug bei der Veröffentlichung der Ergebnisse vorsichtige Töne an: „Die Verbraucher geben weiterhin Geld aus, und die Unternehmen bleiben insgesamt gesund“, sagte Dimon.

„Diese Bedingungen könnten noch einige Zeit anhalten, insbesondere dank laufender fiskalischer Stimuli, der Vorteile von Deregulierung und der jüngsten Geldpolitik der Fed“, sagte der Banker weiter.

„Wie immer bleiben wir jedoch wachsam, und die Märkte unterschätzen offenbar die potenziellen Risiken – darunter komplexe geopolitische Entwicklungen, das Risiko hartnäckiger Inflation und erhöhte Vermögenspreise.“

Im dritten Quartal hatte das Geldhaus starke Zahlen vermeldet und die Erwartungen deutlich übertroffen. Der Gewinn war im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent auf 14,4 Milliarden Dollar beziehungsweise 5,1 Dollar je Aktie gestiegen.

Kreditkartenbranche unter Druck

Dass der Apple-Deal zu einer ungünstigen Zeit kam, zeigte der Post von US-Präsident Donald Trump vom vergangenen Freitag auf der Plattform Truth Social: Ab dem 20. Januar solle per Dekret eine einjährige Obergrenze von zehn Prozent für Kreditkartenzinsen eingeführt werden. Einzelheiten nannte er nicht. Die Bankaktien reagierten mit Kursabschlägen.

Nach Daten der Notenbank Federal Reserve (Fed) lagen die durchschnittlichen Kreditkartenzinsen im November bei 22,3 Prozent, während sie 2015 noch 13,7 Prozent betragen hatten. Die Einführung einer Zinsobergrenze war eines der Wahlkampfthemen Trumps im Jahr 2024.

„Wir möchten Sie darüber informieren, dass wir nicht länger zulassen werden, dass die amerikanische Öffentlichkeit von Kreditkartenunternehmen abgezockt wird“, schrieb Trump in seinem Beitrag. Experten halten eine Umsetzung jedoch für unwahrscheinlich, da sie vermutlich eine Gesetzesänderung erfordern würde.

Die Citibank warnte, dass dies „schwerwiegende Auswirkungen auf das Kreditkartengeschäft hätte, da wir nicht glauben, dass zehn Prozent eine zufriedenstellende Rendite sind, um eine gute risikobereinigte Rendite für unbesicherte Kredite zu erzielen“.

Auch der US-Bankenverband hatte vergangene Woche gewarnt, dass ein solcher Schritt den Zugang zu Krediten für Verbraucher und kleine Unternehmen erschweren könnte.

JP-Morgan-Chef lobt Deregulierung

Trotz der Debatte über eine Deckelung der Kreditkartenzinsen erleben Banken unter der Trump-Regierung insgesamt ein freundlicheres regulatorisches Umfeld. Die US-Regulierungsbehörden arbeiten daran, Kapitalanforderungen zu senken, um die Kreditvergabe und Wettbewerbsfähigkeit der Institute zu stärken. Dimon lobte die Deregulierung im Rahmen der Präsentation der Quartalszahlen als „ein Plus, nicht nur für Banken“.

Analysten von Morgan Stanley schätzen, dass die möglichen Änderungen den US-Banken zusätzliche Kreditkapazitäten in Höhe von einer Billion Dollar verschaffen könnten. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die von Trump ernannte Fed-Gouverneurin Michelle Bowman, die als treibende Kraft hinter den Lockerungen gilt.

„In den Jahren nach der Finanzkrise haben wir uns mit vielen Dingen beschäftigt, die nicht wesentlich sind für die finanzielle Lage von Banken“, kritisierte Bowman beim Treffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington im vergangenen Oktober.

Das soll sich unter ihrer Führung nun ändern. Künftig werde sich die Fed wieder auf die Aspekte fokussieren, „die tatsächlich zu einem Zusammenbruch von Banken führen – also auf die wesentlichen finanziellen Risikofaktoren“, sagte Bowman.

Kritiker warnen jedoch, dass solche Lockerungen die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems schwächen und die Risiken erhöhen könnten.

Europäische Bankaufseher schlagen bei der Kontrolle von Banken einen anderen Weg ein. Sie wollen im Grundsatz an dem strikten Regelwerk festhalten, auf das sich die führenden Industrie- und Schwellenländer nach der Finanzkrise 2008 verständigt hatten.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hatte beim IWF-Treffen betont, europäische Banken seien dank der Regulierung der vergangenen Jahre „robuster aufgestellt. Es wäre geradezu aberwitzig, wenn wir das aufgeben würden.“ Das Thema Deregulierung müsse „mit großem Augenmaß angegangen werden“, sagte er.

Erfolgsfaktor Jamie Dimon

Wie es für JP Morgan künftig weitergeht, dürfte auch von der potenziellen Nachfolge des amtierenden Chefs abhängen. Jahrelang hatte Dimon, der in diesem Jahr 70 wird, auf die Frage nach seinem Austritt aus dem Unternehmen geantwortet, dass er noch fünf Jahre im Amt bleibe. 2024 äußerte er jedoch erstmals: „Nicht mehr fünf Jahre.“

In diesem Monat feiert Dimon sein 20-jähriges Jubiläum als Chef der US-Bank. Unter seiner Führung ist das Finanzinstitut zur größten Bank der Welt nach Marktkapitalisierung herangewachsen, die von 139 Milliarden Dollar auf derzeit rund 890 Milliarden Dollar gestiegen ist.

Im Jahr 2006, als Dimon zum Chef ernannt wurde, war noch die Citigroup nach Börsenwert die größte Bank. Nach Zahlen von CNBC erhöhte sich der jährliche Nettogewinn der Bank in den vergangenen zwei Jahrzehnten um mehr als 500 Prozent auf 58,5 Milliarden Dollar im Jahr 2024.

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