Forschung: Bei welchen Technologien China innovativ ist – und wo nicht
Berlin. Lange Zeit galt die Annahme, dass Autokratien nicht innovativ sein können. Noch vor zehn Jahren titelte das renommierte Magazin „Harvard Business Review“: „Why China Can’t Innovate“ – Warum China keine Innovation kann. Diese Annahme ist inzwischen überholt und es stellt sich eher die konkrete Frage: In welchen Bereichen ist die Volksrepublik innovativer als andere Wirtschaftsnationen wie Deutschland?
Ein neues Portal des China-Thinktanks Merics hat sich vorgenommen, diese Wissenslücke zu schließen. Laut Informationen des Handelsblatts startet am Donnerstag ein neues Portal, das Chinas Fortschritte in sechs Bereichen trackt: Künstliche Intelligenz (KI), Halbleiter, grüne Technologien, Internet- und Kommunikationstechnologien, Biotechnologie und Quantentechnologie. Finanziert wird das Projekt mit dem Namen „China Tech Observatory“ mit 460.000 Euro vom Bundesforschungsministerium, es ist bislang auf drei Jahre angelegt.
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„Es gibt eine Informationsasymmetrie zwischen China und Deutschland“, sagt Merics-Forscherin Antonia Hmaidi, die das Projekt leitet. „China investiert sehr viel Zeit und Geld darin, immer zu wissen, welche europäischen Forscher oder Unis in welchem Feld Weltklasse sind.“ Diese Forscher würden dann gezielt angesprochen: „Deutschland hat da Nachholbedarf.“
Der Zugang zu dem Portal ist kostenlos. Es bietet regelmäßig aktualisierte Daten zum chinesischen Innovationssystem. So ist beispielsweise sichtbar, in welche Bereiche chinesisches Wagniskapital fließt: Früher konzentrierte es sich auf Software, heute geht das Geld in Halbleiter und grüne Technologie. Ein anderes Feld, in das in den vergangenen Jahren massiv investiert wurde, ist Chinas Medizintechnik. Die Investitionen in diesen Bereich sind seit 2021 im zweistelligen Prozentbereich gestiegen.
Fünf Forscherinnen und Forscher des Projekts analysieren jedoch nicht nur Zahlen, sondern auch politische Dokumente der chinesischen Führung, etwa daraufhin, wie oft bestimmte Schlüsselwörter vorkommen. Daraus kann abgeleitet werden, als wie wichtig Peking ein Feld betrachtet.
Stark-Watzinger warnt vor Naivität
So zeige sich laut den Forschern, dass China KI „als Schlüssel zum Erreichen von Regierungszielen wie Informatisierung und Konzentration auf Anwendungen für die Realwirtschaft“ betrachte. Auch Regulierung sei ein Thema, denn in den politischen Dokumenten zur KI würden Begriffe wie Sicherheit, Erklärung, Standard und Überwachung erwähnt.
Für das Forschungsministerium ist die Plattform auch ein Instrument im Wettkampf mit China um Innovationen. „China wird in Wissenschaft und Forschung immer mehr zum Wettbewerber und systemischen Rivalen“, sagt Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP). „Wir dürfen im Umgang mit dem Land nicht naiv sein“, mahnt sie.
Mit dem China Tech Observatory wolle man der Wissenschaft ein Instrument an die Hand geben, um Chinas Fortschritte in zentralen Schlüsseltechnologien besser zu verstehen. „Das China Tech Observatory ermöglicht es uns, die Risiken von China-Kooperationen in denjenigen Feldern besser einschätzen zu können, in denen wir deutsche und europäische Interessen ganz besonders schützen müssen.“