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Asia TechonomicsChina ist spitze bei Innovationen – und noch besser in deren Vermarktung

Die Volksrepublik ist gut darin, ihre technologischen Erfolge auch zu zeigen. Europa stellt sein Licht hingegen oft unter den Scheffel. Ein Erfahrungsbericht.Dana Heide 08.08.2024 - 15:05 Uhr Artikel anhören
Containerumschlag im Hamburger Hafen: Schon seit zwölf Jahren komplett automatisiert. Foto: Thies Raetzke/laif

Gleich in den ersten Monaten meiner Zeit als Korrespondentin in China vor ein paar Jahren hatte ich ein bizarres Erlebnis, das mir bis heute in Erinnerung geblieben ist – und zwar in einer Bücherei. Ich hatte Videoaufnahmen von einer Bibliothek in Tianjin, einer Millionenstadt nahe Peking, gesehen, die interessant wirkten. Viele Meter hohe weiße, futuristisch geschwungene Regale voller Bücher waren da zu sehen – „der wahr gewordene Traum eines Buchliebhabers“, wie ein Portal schrieb.

Weil ich in der Nähe ohnehin einen Termin hatte, fuhr ich hin. Der Taxifahrer brachte mich zu einer Shoppingmall in einem der riesigen gesichtslosen Wohngebiete mit ihren Dutzenden Hochhäusern, die in chinesischen Megastädten so üblich sind. Wegen der hohen Temperaturen war kaum jemand auf der Straße. Die Bücherei lag im ersten Stock des Einkaufszentrums, neben Fast-Food-Restaurants und Kosmetikläden.

Tatsächlich beeindruckten mich die hohen und eleganten Regale zunächst. Doch bei näherem Hinsehen zeigte sich: Der größte Teil der Bücher war nur aufgemalt. Zur Bücherei gelangte man durch eine Tür unterhalb der Regale – und dort sah es dann aus wie in jeder anderen Bücherei in Deutschland auch: funktionelle zwei bis drei Meter hohe Regale, Tische und Stühle zum Lesen.

Die Szene steht sinnbildlich für das, was ich in China im Laufe der Jahre mehrfach erleben sollte.

Keine Frage: China ist führend bei der Modernisierung seiner Städte.  Studien zeigen immer wieder, dass die Volksrepublik an der Spitze bei wichtigen Zukunftstechnologien ist.

Futuristische Fassaden

Aber noch besser ist das Land in der Vermarktung seiner technologischen Erfolge.

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Einmal führte mich eine Recherche nach Shenzhen, in die „Stadt der Zukunft“, wie viele China-Fans sie nennen. In Büchern schwärmen Autoren von der südchinesischen Metropole. Wer sie nur kurz besucht, zeigt sich oft beeindruckt von den futuristischen Hochhäusern.

Ich verbrachte mehrere Tage in der Stadt, sprach mit Experten und Einwohnern, um hinter die Fassade zu schauen. Ich machte mich auf die Suche nach Dingen, die zeigen, wie sich der Alltag in der Stadt unterscheidet.

Doch selbst langjährigen Bewohnern Shenzhens, mit denen ich sprach, mochte trotz langem Nachdenken gar nicht so viel dazu einfallen, warum ausgerechnet ihre Stadt so ein Vorbild sein sollte. Apps für die U-Bahn gebe es ja auch in anderen Städten.

Dennoch hält sich das Bild von der Zukunftsstadt Shenzhen.

Europa hingegen gilt vielen als unmodern, veraltet, von gestern. Dabei ist es in vielen Bereichen moderner als die Volksrepublik. Beweise gefällig?

Altes, modernes Europa

Beispiel London: Vor Kurzem war ich für ein Interview mit einem ehemaligen chinesischen Immobilienmogul und Regimekritiker in der britischen Hauptstadt. Wussten Sie, dass man dort bereits seit Jahren nicht einmal mehr eine App herunterladen muss, wenn man mit der U-Bahn fahren will? Einfach die Kreditkarte an das Eingangstor zur Metro halten, fertig.

Und in Berlin gilt: Autos, Roller, Fahrräder – alles kann man spontan für Stunden oder Tage per App mieten. Ein Ticket für das Flugzeug braucht es nicht mehr, die Fahrkartenkontrolle in der Bahn läuft per Fingertippen auf dem Handy. Im Supermarkt scannt man seine Lebensmittel selbst an der Kasse. In der Apotheke gibt man schon seit einiger Zeit kein Blatt Papier mehr ab, das Rezept ist auf der Gesundheitskarte digital hinterlegt.

Auch die deutschen Unternehmen müssen sich nicht verstecken, wenn es um Innovationen geht. Vor zwei Wochen begleitete ich Außenministerin Annalena Baerbock auf ihrer Sommerreise, die sie unter anderem zum Hamburger Hafen führte. Bei der Verladung der riesigen Container auf die Schiffe sind kaum noch Menschen im Einsatz. Nicht einmal die Fahrzeuge, die die Container von einem Kran zum nächsten transportieren, haben noch Fahrer.

Ich erinnerte mich an ein Warenlager des chinesischen E-Commerce-Riesen JD.com, das ich mal besucht hatte. Dort überschlugen sich die Unternehmensvertreter fast vor Stolz, weil kleine Roboter autonom Kisten von A nach B transportierten.

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Und in Hamburg? Erklärte mir ein Hafenmitarbeiter erst auf Nachfrage, dass bereits seit zwölf Jahren alles komplett automatisiert laufe. 60.000 Sensoren im Boden zeigen den Fahrzeugen den Weg, auch die Kräne arbeiten eigenständig.

Mein Fazit: Europa muss bei Innovationen besser werden, am Ball bleiben. Aber manchmal ist es auch gut, Erfolge hervorzuheben.

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