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Bahn-TochterBahn-Aufsichtsrat genehmigt Schenker-Verkauf an dänische DSV

Trotz des Vetos der Eisenbahnergewerkschaft EVG stimmt der DB-Aufsichtsrat dem Verkauf der Speditionstochter Schenker zu. Der dänische Wettbewerber zahlt gut 14 Milliarden Euro.Christoph Schlautmann 02.10.2024 - 14:26 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Der Aufsichtsrat der Bahn hat offenbar für den Verkauf von Schenker gestimmt. Foto: Christian Charisius/dpa

Düsseldorf. Dem geplanten Verkauf der Deutsche-Bahn-Tochter DB Schenker steht seit diesem Mittwoch nichts mehr im Wege. Wie das Berliner Staatsunternehmen erklärte, hat sowohl der Konzern-Aufsichtsrat wie auch der Bund als Eigentümer die Veräußerung an den dänischen Wettbewerber DSV in ihren Sitzungen genehmigt.

„Der Verkauf von DB Schenker ist ein wichtiger Meilenstein für die DB, um sich konsequent auf die Sanierung der Schieneninfrastruktur im Inland sowie den Betrieb eines klimafreundlichen Personen- und Güterverkehrs in Deutschland und Europa zu konzentrieren“, erläuterte der DB-Aufsichtsratsvorsitzende Werner Gatzer.

Der Verkaufserlös werde die Verschuldung der Deutschen Bahn, die sich aktuell auf 32 Milliarden Euro türmt, erheblich senken und einen wichtigen Beitrag zur finanziellen Stabilität des DB-Konzerns leisten.

Deal könnte der Bahn 14,8 Milliarden Euro bringen

Der Vorstand der DB AG hatte bereits am 13. September 2024 einen Vertrag zum Verkauf ihrer Logistiktochter an DSV für einen Unternehmenswert von 14,3 Milliarden Euro unterzeichnet. Durch die zu erwartenden Zinserträge bis zum Kaufvollzug in gut sechs Monaten erwartet der Konzern eine Zahlung über bis zu 14,8 Milliarden Euro.

Die Abstimmung im Aufsichtsrat war mit Spannung erwartet worden. Vor wenigen Tagen erst hatte die Eisenbahnergewerkschaft EVG mitgeteilt, sie werde mit ihren acht Vertretern in dem 20-köpfigen Gremium gegen die Veräußerung stimmen.

32
Milliarden Euro Schulden
hat die Deutsche Bahn aktuell.

Die EVG fürchtet einen erheblichen Stellenabbau, obwohl der dänischen Käufer für die Zeit von zwei Jahren nach dem Closing eine Beschäftigungsgarantie abgegeben hat. Dann aber will man die Mitarbeiterzahl um 1600 bis 1900 reduzieren. Zudem kritisierte die EVG, dass der Traditionsname „Schenker“ durch die Übernahme verschwindet.

Ein EVG-Sprecher erklärte außerdem, dem DB-Konzern fehle ein Plan, wie er künftig Gewinne erwirtschaften wolle. Derzeit ist DB Schenker der einzige nachhaltige Ertragsbringer im Konzern. Das restliche Schienengeschäft schreibt Verluste in Milliardenhöhe.

Die Konkurrenzgewerkschaft GDL hatte sich dagegen einen Tag vor der Aufsichtsratssitzung für einen Verkauf ausgesprochen. Der DB-Konzern sei ein schlechter Eigentümer der europaweit größten Lkw-Spedition, hieß es dort. Die Gewerkschaft der Lokführer ist allerdings mit nur einem Mandat im Kontrollgremium vertreten.

Agentur berichtet von neun Gegenstimmen

Neben den EVG-Vertretern stimmt offenbar noch ein weiteres Aufsichtsratsmitglied gegen den Deal mit den Dänen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, neben den insgesamt zehn Ja-Stimmen habe es neun Nein-Stimmen und eine Enthaltung gegeben.

Nach der Zustimmung von Bund und DB-Aufsichtsrat wäre eine Veräußerung an DSV nur noch auf juristischem Wege zu stoppen. Der unterlegene Bieter, der US-Finanzinvestor CVC, hatte bemängelt, bei den Verhandlungen benachteiligt worden zu sein. Anders als die Dänen habe man vom DB-Vorstand keine Chance mehr bekommen, das Angebot nachzubessern.

DSV-Tankwagen in Kopenhagen: Das Unternehmen würde durch den Deal zum weltweit viertgrößten Logistikkonzern aufsteigen. Foto: IMAGO/Dean Pictures

Auf einen gerichtlichen Streit will sich CVC jedoch nicht einlassen, wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfuhr. Der US-Finanzinvestor fürchtet, durch ein juristisches Vorgehen seinen Ruf in Deutschland zu beschädigen. Klagen könnte es dennoch geben, falls CVC eine Benachteiligung stichhaltig darlegen kann – etwa von der Europäischen Union oder dem Bund der Steuerzahler.

Durch die Übernahme von Schenker steigt DSV voraussichtlich zum weltweit viertgrößten Logistiker auf – nach DHL, UPS und Fedex. Der Zukauf von DB Schenker mit rund 72.700 Beschäftigten an über 1.850 Standorten in mehr als 130 Ländern verdoppelt das Geschäft der Dänen, die künftig fast 40 Milliarden Euro im Jahr umsetzen werden. Beide Konzerne sind neben dem Lkw-Geschäft auch in der Luft- und Seefracht tätig.

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Erst 2018 hatten die bis dahin in Deutschland weithin unbekannten Dänen den Schweizer Speditionskonzern Panalpina für mehrere Milliarden Euro von der Börse genommen. Nun plant DSV, auch mit Schenker zu wachsen. Investitionen von rund einer Milliarde Euro in den kommenden Jahren sind bereits zugesagt.

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