Krankmeldung: Warum die Zahl der Krankschreibungen auf ein Rekordhoch steigt
- Die Krankenstände in Deutschland sind auf Rekordniveau und dürften Deutschland 2024 erneut in die Rezession ziehen.
- Auffällig: Die eine Art von Erkrankungen ist besonders stark gestiegen. Und auch ein verändertes Meldesystem scheint einen Einfluss zu haben.
- Eine Handelsblatt-Umfrage zeigt: Innerhalb der Dax-Konzerne unterscheiden sich die Krankenstände deutlich. Was das Management zu einer gesunden Belegschaft beitragen kann, lesen Sie hier.
Düsseldorf. Deutschland kränkelt, andere schuften. Das ist zumindest das Bild in vielen weltweit tätigen deutschen Konzernen. So waren die Beschäftigten bei der Allianz global gesehen 2023 an durchschnittlich 7,8 Tagen krank. In Zentraleuropa, wozu die Bundesrepublik gehört, lag der Durchschnitt mit 12,3 Tagen fast 60 Prozent höher. Im Heimatmarkt Deutschland ist der Wert sogar noch höher, konkrete Zahlen wollte der Versicherer hier nicht nennen.
Nicht ohne Grund beklagte sich Allianz-Chef Oliver Bäte vor einigen Wochen in der „Zukunftsausgabe“ des Handelsblatts: „Ohne den enorm hohen Krankenstand wäre die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr nicht um 0,3 Prozent geschrumpft, sondern um knapp 0,5 Prozent gewachsen.“ Es waren die renommierten Konjunkturexperten vom Verband forschender Arzneimittelhersteller (VfA), die diese Zahl errechnet hatten.
Auch Andreas Tautz, leitender Arzt der DHL Group, sieht in seinem Konzern einen grundlegenden Trend: Deutschland habe die höchsten Krankenstände, gefolgt von EU-Ländern, gefolgt vom Rest der Welt. Und Mercedes-Chef Ola Källenius beklagt auf Handelsblatt-Anfrage: „Der hohe Krankenstand in Deutschland ist ein Problem für die Unternehmen.“ Wenn unter gleichen Produktionsbedingungen der Krankenstand in Deutschland teils doppelt so hoch sei wie im europäischen Ausland, habe das wirtschaftliche Folgen. Ähnlich hatte er sich zuvor bereits im „Spiegel“ geäußert.
Eine Handelsblatt-Umfrage unter den 40 Dax-Konzernen bestätigt den Trend zur kranken Republik.