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Nahost-KonfliktIsrael und der Iran steuern auf weitere Eskalation zu

Der israelische Vergeltungsschlag gegen den Iran fiel nicht so hart aus wie befürchtet. Der Iran hat keine echten Optionen, darauf zu reagieren. Trotzdem ist es zu früh für eine Entwarnung.Inga Rogg 27.10.2024 - 16:20 Uhr Artikel anhören
Israelischer Kampfjet: Kurz vor dem Angriff auf den Iran am 26. Oktober. Foto: AP

Istanbul. Nach dem israelischen Angriff in der Nacht zu Samstag machte sich unter den Iranerinnen und Iranern erst mal eine gewisse Erleichterung über den Ausgang breit. Der seit Wochen erwartete Vergeltungsschlag für die iranischen Raketenangriffe am 1. Oktober fiel weniger schlimm aus, als von vielen befürchtet worden war. Weder griff Israel die Atomanlagen noch die Öleinrichtungen des Landes an.

Iranische Vertreter verurteilten den Angriff, von Rache war zunächst aber keine Rede – und das, obwohl erstmals seit dem Krieg mit dem Irak (1980–1988) ein fremdes Land den Iran offen attackierte und dabei vier Soldaten tötete. Zwar erklärten Armee und politische Vertreter, dass der Iran das Recht und die Pflicht habe, sich zu verteidigen, vor allem betonten sie aber die angeblich erfolgreiche Abwehr.

Die iranische Armee bestätigte, dass sich die israelischen Schläge gegen die Luftabwehr um Teheran sowie die Grenzprovinzen Ilam im Westen und Khuzestan im Süden richteten. Der Angriff sei von irakischem Gebiet erfolgt, den „feindlichen Flugzeugen“ sei es aufgrund der Abwehr aber nicht gelungen, in den iranischen Luftraum einzudringen, erklärte der Generalstab. Ballistische Raketen hätten „minimalen Schaden an einigen Radaranlagen“ angerichtet, die Reparaturen seien bereits im Gange.

Der Iran befindet sich in einem Dilemma

Dabei kündigte die Armee keinen sofortigen Vergeltungsschlag an, sondern forderte einen Waffenstillstand in Gaza und im Libanon. Das Außenministerium unterstrich das Recht auf Selbstverteidigung, erklärte gleichzeitig, der Iran erkenne seine Verantwortung für „Frieden und Sicherheit in der Region“ an.

Dass der Iran derzeit keine weitere Eskalation will, deutete am Sonntag auch Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei an. Er gab keinen Befehl zu einem Gegenangriff. Der israelische Angriff dürfe weder „übertrieben noch heruntergespielt“ werden, sagte Khamenei. Israel müsse die „Kraft, Entschlossenheit und Innovation“ des Irans verstehen. Die Entscheidung darüber, was zum Wohl der Nation und des Landes sei, liege jedoch bei den Verantwortlichen.

Khameini hat in allen Fragen das letzte Wort, insbesondere der Sicherheit des Landes. Dass er diese auf die „Verantwortlichen“ abschiebt, ist ein Hinweis, dass der Iran im Grunde genommen keine wirklichen Optionen hat. In den letzten Monaten hat Israel die mit dem Iran verbündeten Gruppierungen in der Region massiv geschwächt. Die Anführer der Hamas und der libanesischen Hisbollah, Jahja Sinwar und Hassan Nasrallah, sind tot. Dennoch weiteten die israelischen Streitkräfte sowohl im Gazastreifen als auch im Libanon ihre Angriffe aus und fügten sowohl der Hamas als auch der Hisbollah schwere Schläge zu.

Insbesondere die Hisbollah diente dem Iran auch als Vorwärtsverteidigung. Teheran steht nun vor der Wahl, die Verluste zu minimieren oder den Krieg mit Israel zu intensivieren. Je nach Umfang der Schäden an den iranischen Radaranlagen, der Luftabwehr und den Raketenanlagen könnte der israelische Angriff Irans Fähigkeit, sich gegen künftige Luftangriffe zu verteidigen und Gegenschläge zu verüben, schwächen, sagte der Iranexperte Hamidreza Azizi dem Handelsblatt. Es bleibe abzuwarten, ob die jetzige Runde vorbei sei oder ob es weitere israelische Angriffe gebe.

Bereitet sich Israel auf weitere Angriffe vor?

Aus israelischer Sicht war der Angriff ein Erfolg. „Es war sogar ein sehr beeindruckender Erfolg“, sagte der Sicherheitsexperte Kobi Michael dem Handelsblatt. Zwar habe Israel unter dem Druck der USA einige Zugeständnisse machen müssen. Aber Israel habe den Boden für die nächste Phase bereitet, für die es auf die USA angewiesen sei.

Laut israelischen Medienberichten erfolgte der Angriff mit bis zu hundert Kampfjets und unbemannten Drohnen in drei Wellen. In einem ungewöhnlichen Schritt bestätigte die Armee den Einsatz. „Wir haben gezielte und präzise Schläge auf militärische Ziele im Iran verübt und damit unmittelbare Bedrohungen auf Israel abgewehrt“, sagte der Sprecher der Streitkräfte, Konteradmiral Daniel Hagari.

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Michael, Forscher am Institute for National Security Studies (INSS), dem führenden israelischen Thinktank in Sicherheitsfragen, geht davon aus, dass der Iran zum Gegenschlag ausholen wird. Aber er sei geschwächt.

Laut Michael stehen dem Iran nach dem israelischen Angriff noch drei seiner vier russischen S-300-Batterien zur Verfügung. „Ihre Luftabwehrsysteme sind nur noch minimal und ineffizient. Israel kann sie leicht ausschalten.“ Zudem habe der Iran viele seiner Lager und Produktionsstätten für ballistische Raketen verloren. Sollte der Iran zum Gegenangriff ausholen, werde Israel zurückschlagen. „Der nächste Angriff wird bedeutender sein. Israel wird die Atom- und Nuklearanlagen angreifen. Meiner Meinung nach wird dies die Voraussetzungen für einen Regimewechsel schaffen.“

Was immer als Nächstes passiert, die Lage im Nahen Osten bleibt aus Sicht des Iranexperten Azizi angespannt. „Der sogenannte Schattenkrieg zwischen Israel und dem Iran ist längst aus dem Schatten getreten“, sagt Azizi. „Damit bleibt die Lage in der Region instabil.“

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