US-Wahl: Diese Staatschefs hoffen auf Donald Trump als Präsident
Bangkok, Kiew, Tel Aviv, Salvador, Tokio, Düsseldorf. Mehrere Flaschen Champagner werde er öffnen, wenn Donald Trump die Präsidentschaftswahl gewinne, verkündete Ungarns Präsident Viktor Orban vor einigen Wochen auf einer Pressekonferenz. Fünf Tage vor der Präsidentschaftswahl wünschte er dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten am Telefon noch einmal alles Gute. Orban hatte sich schon bei der Wahl 2016 für Trump ausgesprochen – und seine Treue wurde in den Folgejahren mit Anerkennung belohnt.
Der Ungar ist nicht der einzige Staatschef, der auf Trump setzt. Während in vielen europäischen Hauptstädten der Demokratin Kamala Harris die Daumen gedrückt werden, hätte so manch andere Regierung kein Problem mit einer Präsidentschaft Trump 2.0 – oder favorisiert eine solche sogar.
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Da wäre zum Beispiel der argentinische Präsident Javier Milei, der keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass er den amerikanischen Ex-Präsidenten geradezu vergöttert: „Sie sind der Größte für mich!“, schwärmte Milei, als er Trump im Februar dieses Jahres auf dem größten rechtskonservativen Treffen der Welt, der amerikanischen Conservative Political Action Conference (CPAC), traf. Auch mit Trump-Unterstützer Elon Musk kann sich der libertäre Argentinier identifizieren und hat ihn mehrmals persönlich getroffen.
Ein Wahlsieg Trumps könnte sich für Milei als entscheidend erweisen: Für den Erfolg seines radikalen Sparprogramms und wegen der schweren Wirtschaftskrise im Land ist es wichtig, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) die 2025 fälligen Zins- und Tilgungszahlungen aussetzt. Denn Argentinien wird kaum in der Lage sein, die 15 Milliarden Dollar Schulden in Washington zu begleichen. Doch dass Trump Argentinien wirklich eine Sonderbehandlung zukommen lassen wird, ist alles andere als ausgemacht.
Während Trumps erster Amtszeit war der damalige brasilianische Präsident Jair Bolsonaro ebenfalls ein bekennender Fan. Es nützte ihm wenig. Trotz der ständigen Huldigungen der Bolsonaro-Familie zögerte Trump nicht, zum Beispiel einseitig die Zölle auf brasilianische Stahlimporte zu erhöhen.
Neu-Delhi setzt auf Modi-Fan im Weißen Haus
Indiens Regierungschef Narendra Modi hat bei einem Wahlsieg Trumps hingegen guten Grund, auf ein exzellentes Verhältnis zum nächsten US-Präsidenten zu hoffen. Denn Trump zeigt sich regelmäßig geradezu begeistert von dem Premierminister des bevölkerungsreichsten Landes der Welt.
Im Wahlkampf, in dem der Republikaner auch auf die Stimmen indischstämmiger Amerikaner schielt, lobte Trump Modi als „fantastischen Anführer“. In einem Interview bezeichnete er ihn als den „nettesten Menschen“, der aber auch „ein echter Killer“ sein könne, wenn es darum geht, Indiens Interessen zu verteidigen.
Die Bemerkung erinnert unweigerlich an die schwerste Belastung des indisch-amerikanischen Verhältnisses während der Präsidentschaft von Joe Biden: Das US-Justizministerium wirft einem indischen Geheimdienstmitarbeiter vor, die Tötung eines indischstämmigen Gegners von Modi in den USA beauftragt zu haben. In Kanada stehen ähnliche Vorwürfe im Raum – dort sehen Ermittler eine Verbindung, die direkt zu Indiens Innenminister führt. Die Biden-Regierung drängt in Neu-Delhi auf eine zügige Aufklärung der Anschuldigungen.
Modi dürfte im Fall eines Trump-Siegs darauf setzen, dass der Druck aus Washington nachlässt – auch mit Blick auf US-Kritik, wonach die hindunationalistische Modi-Regierung gegen die Rechte religiöser Minderheiten verstoße, insbesondere jene von Muslimen.
Trotz der öffentlich zelebrierten engen Partnerschaft zwischen den beiden Politikern gibt es aber auch Meinungsverschiedenheiten. Trump kritisierte in seiner Zeit als US-Präsident mehrmals Indiens hohe Importzölle, die US-Herstellern den Marktzugang erschweren. Er strich Indien daraufhin Zollvergünstigungen. Auch im aktuellen Wahlkampf nannte er Indien bei handelspolitischen Fragen einen „sehr großen Übeltäter“.
Ein komplett reibungsloses Verhältnis mit dem Weißen Haus erwartet man in Neu-Delhi im Fall einer Trump-Wiederwahl daher nicht. Beobachter sehen aber die Chance, dass Indien trotz möglicher Zollstreitigkeiten von einer Trump-Präsidentschaft profitiert. Das könnte der Fall sein, sollte Amerikas wirtschaftliche Abgrenzung von China weiter zunehmen und sich US-Unternehmen verstärkt nach Alternativstandorten umsehen.
Doch die Führung in Delhi würde sich auch mit einer Präsidentin Kamala Harris arrangieren, glaubt Vivek Mishra, Amerika-Experte der indischen Denkfabrik Observer Research Foundation. „Unabhängig davon, wer das Oval Office übernimmt, scheint es einen Konsens darüber zu geben, dass die bilateralen Beziehungen zwischen Indien und den USA ohne größere Probleme fortgesetzt werden“, kommentiert Mishra.
Israel: „Netanjahu träumt von einem Sieg Trumps“
Auch in Israel hat die Regierung mehr Sympathien für Trump als für Harris. Trump hat in seiner Amtszeit Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt. Zudem unterstützt Trump die israelische Haltung gegenüber dem Iran.
Öffentlich für einen Kandidaten ausgesprochen hat sich der israelische Premier Benjamin Netanjahu nicht. Doch zitierte der israelische Journalist Ben Caspit eine dem Premierminister nahestehende Quelle vor wenigen Tagen mit den Worten: „Netanjahu träumt von einem Sieg Trumps.“
Netanjahus Kalkül könnte sich allerdings als zu optimistisch erweisen. Trump forderte Netanjahu öffentlich auf, den Gaza-Krieg schnell zu gewinnen – und zwar, wie neulich bekannt wurde, bis zum Zeitpunkt seiner Amtseinführung.
Sympathien für Trump in den Golf-Staaten und Italien
Auch am Persischen Golf würde man Trump gern als Sieger sehen. Führende Politiker in den Golfstaaten begrüßten Trumps harte Haltung gegenüber Teheran und die Bemühungen seiner Regierung, das iranische Atomprojekt zu stoppen. Zudem wird ihm zugutegehalten, dass er sich um eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und arabischen Staaten bemüht habe. Die Vereinigten Arabischen Emirate, aber auch Saudi Arabien betrachten Trumps Rückkehr ins Weiße Haus als Chance, ihre regionalen Ambitionen weiter zu stärken.
In Italien werden der rechtspopulistischen Premierministerin Giorgia Meloni ebenfalls Sympathien für Trump nachgesagt. Ihre Laudatio bei einem Preis des Atlantic Council ließ sie vor einigen Wochen von Trump-Wahlkampfhelfer Elon Musk halten.
Doch offen positioniert sich Meloni nicht. Zum einen hat sie gezeigt, dass sie sich auch gut mit einer demokratischen US-Regierung arrangiert. Zum anderen dürfte ein Präsident Trump Italien zu höheren Verteidigungsausgaben drängen. Hinzu kommt: Die von ihm geplanten Einfuhrzölle dürften italienischen Unternehmen nicht gefallen.
Trump und Putin: Das besondere Verhältnis
Unklar ist, wen Russlands Präsident Wladimir Putin lieber im Weißen Haus sähe. Anfang September sagte der Kremlchef, er wünsche sich einen Wahlsieg von Kamala Harris. Als Grund nannte er ihr ansteckendes Lachen. Außerdem deutete Putin lächelnd an, dass sie von weiteren Sanktionen gegen Russland absehen könnte. Zuvor hatte sich Putin auch für eine Wiederwahl des Noch-Präsidenten Joe Biden ausgesprochen, weil dieser vorhersehbarer sei als Trump. Trump hingegen hatte zuletzt noch mit einer „sehr guten Beziehung“ zu Putin geprahlt.
Russlandexperte Brian Whitmore vom Thinktank Atlantic Council sagte jedoch vergangenen Freitag bei einer Veranstaltung in Kiew, Putins Taten zeigten besser als seine Worte, was er wirklich wolle: „Russland will Chaos anrichten in westlichen Ländern“, ist Whitmore überzeugt und verweist auf verschiedene russische Desinformationskampagnen im Laufe des Wahlkampfs, die offenbar der Demokratischen Partei schaden sollten.
In Moskau herrsche das Bild, mit Republikanern könne man „wie zwei harte Männer zusammensitzen und einen Deal aushandeln“, so Whitmore. „Harris wollen sie nicht“, sagt er mit Blick auf die Führung in Moskau.
Andere Beobachter betonen hingegen, dass der Kreml Harris tatsächlich bevorzugen könne, weil man sie als schwächer empfinde. Russische staatliche Medien zeigen Trump jedenfalls überwiegend in einem positiven Licht, während Harris in der Berichterstattung eher schlecht wegkommt.
Japan will an gute Beziehung zu Trump während der ersten Amtszeit anknüpfen
Während Trumps erster Präsidentschaft kam Japan trotz seiner Exportüberschüsse im Handel mit den USA erstaunlich gut mit dem Republikaner zurecht. Ebenso wie Südkorea könnten die ostasiatischen Alliierten davon profitieren, dass Trump den eigentlichen Gegner in China sieht. „Die gute Nachricht für Tokio ist, dass Japan als Verbündeter geopolitisch noch wichtiger ist als jemals zuvor“, sagt Tsuneo Watanabe von der Sasakawa Peace Foundation.
Dennoch dürfte Trump auch von Südkorea und Japan fordern, weniger zu exportieren und mehr für die eigene Verteidigung zu tun sowie die Stationierung von US-Truppen deutlich stärker zu finanzieren. Von Südkorea hat Trump im Wahlkampf bereits zehn Milliarden Dollar für die Stationierung von 28.000 US-Soldaten gefordert.
Japans Regierung würde bei einer Wahl Trumps wohl versuchen, an die erste Amtszeit des Republikaners anzuknüpfen. Damals hatte die gute persönliche Beziehung zwischen Trump und dem damaligen Premierminister Shinzo Abe für eine Stabilisierung der bilateralen Beziehungen gesorgt, auch wenn Trump Strafzölle gegen Japan verhängte.
Japan hat bereits Abes ehemaligen Übersetzer, einen Diplomaten, als Kontaktperson zum Trump-Lager designiert. Er ist bereits mit dem Republikaner vertraut. So hofft Japans Ministerpräsident Shigeru Ishiba auf eine ähnlich gute Beziehung. Doch Trumps Forderungen könnten diesmal extremer sein.
Er könnte nicht nur auf weiter steigende Verteidigungsausgaben drängen, sondern auch, wie es Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton für möglich hält, auf eine Neuverhandlung des amerikanisch-japanischen Sicherheitsvertrags, um Japan zu verpflichten, die Vereinigten Staaten zu verteidigen. Dazu müsste Japan aber seine Verfassung ändern, die das Land nach bisheriger Interpretation auf die reine Selbstverteidigung festlegt.