USA: Wieso deutsche Firmen vor Ort entspannt auf Trumps Pläne schauen
New York. Höhere Einfuhrzölle, eine neue Chinapolitik, Klimawandelzweifel und weniger Immigration: In Deutschland herrscht angesichts der Pläne des neuen US-Präsidenten Donald Trump Panik. Die Chefs vieler US-Töchter deutscher Unternehmen sind hingegen gelassen. Sie rechnen mit niedrigeren Steuern, weniger Regulierung und einer Wirtschaft im Aufschwung.
Martin Daum, der langjährige Chef von Daimler Truck, der noch bis Jahresende im Vorstand sitzt, gibt sich entspannt. „Wir werden die Zölle einfach an unsere Kunden weitergeben“, sagt er.
„Unsere Kunden kaufen die Produkte, weil sie sie brauchen. Keiner kauft einen Sattelschlepper, um seine Nachbarn zu beeindrucken“, sagt er in New York auf einer gemeinsamen Veranstaltung der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer und zweier renommierter transatlantischer Organisationen: des American German Institute (AGI) und des American Council on Germany (ACG).
Steve Sokol, Präsident der ACG, hat dazu beobachtet: „Trotz aller Herausforderungen sehen viele deutsche Unternehmen auch viele Wachstumsmöglichkeiten in den USA.“
Dazu gehört etwa der Spezialchemiehersteller Evonik, der mehr als 80 Prozent der Produkte für den US-Markt vor Ort produziert. „Die neue Regierung wird die Wirtschaft nicht killen wollen. Das ist meine Hoffnung“, sagt US-Chef Guido Skudlarek.
Evonik-US-Chef setzt auf Wachstum
Deshalb werde Trump auch nicht alles so durchsetzen, wie er es im Wahlkampf angekündigt hat – von den hohen Einfuhrzöllen über neue Einschränkungen für den Handel mit China bis zur Immigration. Denn das alles würde das Wachstum abwürgen.
Das sieht Michael Heinz, Chef des Chemiekonzerns BASF in den USA, ganz ähnlich. „Es wird kurzfristig sicher einige Disruption geben“, sagt er. „Aber wir waren schon auf vielen Rodeos.“ Auch dieses werde das Unternehmen überleben.
Heinz weist darauf hin, dass BASF schon heute 80 Prozent seiner Chemikalien für den US-Markt vor Ort produziert. Was die restlichen zwanzig Prozent angehe, werde auch BASF die Zölle an die Kunden weitergeben: „Letztlich zahlen die Kunden den Preis.“
Weitere deutsche Konzerne, beispielsweise die Autobauer VW, BMW und Mercedes, sind schon lange in den USA und bedienen von hier den amerikanischen Markt. Mit ihnen sind auch die Zulieferer gekommen. Aber auch Unternehmen aus anderen Branchen wie Miele, Haribo und Stihl haben große Fabriken in den Vereinigten Staaten gebaut, um vom reichen Markt mit 340 Millionen Einwohnern zu profitieren. Deutsche Unternehmen beschäftigen in den USA fast eine Million Mitarbeiter, Tendenz steigend.
Ein US-Geschäftsführer eines großen deutschen Mittelständlers, der anonym bleiben will, freut sich derweil auf ein Geschäft, das „boomen“ werde. Wie andere erwägt er, vielleicht sogar die Produktion in den USA weiter auszubauen.
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Das gilt auch für Constantin Eis: Der Chef des deutschen Unternehmens CMBluEnergy will seine organischen Großbatterien ab 2026 auch in den USA herstellen. Grund dafür seien nicht nur die Steuervorteile durch den IRA, den („Inflation Reduction Act“). Das ist ein Klimaschutzpaket, das Subventionen enthält, das Trumps Vorgänger Joe Biden aufgesetzt hat. Eis sagt zudem: „Die lokale Produktion ist grundsätzlich immer besser für den CO2-Fußabdruck.“
„Viele deutsche Firmen schauen mit Bewunderung auf das Wachstum hier“, bemerkt auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei der Preisverleihung des American Council of Germany (ACG). Die Lufthansa, die schon heute 2500 Mitarbeiter in den USA beschäftige, werde ihr Geschäft in den USA ebenfalls weiter ausbauen, sagt er.
Deutsche Unternehmen füllen ihre US-Lager im Vorfeld der Zölle
Unternehmen, die keine Produktionsstätten in den USA betreiben, sondern in Europa herstellen, bereiten sich hingegen anders auf die Trump-Regierung vor. Ein Banker berichtet, dass diese Firmen gerade dabei seien, Lager in den USA zu füllen, um so viel Ware und Einzelteile wie möglich schon in den USA vorrätig zu haben, bevor die Zölle greifen.
Andere Unternehmen überlegen, Produktionsstätten in den USA zu kaufen, um somit mögliche Zölle zu umgehen, sagt ein Berater. Damit würde sich ein Trend fortsetzen, der bereits unter Joe Biden eingesetzt hat.
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Unter diesem hat die US-Regierung mit verschiedenen Gesetzespaketen wie dem IRA, dem Chips Act und dem Infrastrukturpaket Investitionen in Fertigungsstätten vor Ort mit Steuervorteilen in Milliardenhöhe unterstützt. Bedingung war stets, dass ein Großteil der Produktion vor Ort in den USA stattfindet. Deshalb haben viele deutsche Unternehmen neue Fabriken gebaut oder bestehende ausgebaut.
Der IRA war dabei das größte Klimaschutzpaket in der Geschichte der USA und hat erneuerbare Energien und die Elektrifizierung massiv unterstützt. Trump hingegen dürfte wenig für den Klimaschutz tun, will etwa aus dem Pariser Klimaabkommen austreten. Theoretisch könnte er den IRA zwar zumindest in Teilen wieder zurückfahren, allerdings sind viele der Investitionen in republikanische Staaten getätigt worden. Deshalb halten es viele Beobachter für unwahrscheinlich, dass Trump den IRA komplett zurückdreht.
„Vielleicht wird Trump den IRA einfach umbenennen“, scherzt der Daimler-Truck-Vorstand Daum. Es wäre nicht das erste Mal: Trump hat auch die Nafta in United States-Mexico-Canada Agreement (USMCA) umbenannt, aber grundsätzlich beibehalten.