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US-WahlTrump sorgt für vier große Inflationsrisiken

Der künftige US-Präsident treibt jetzt schon Märkte und Wirtschaft an. Vielleicht führt gerade das für ihn am Ende zu einer schwachen Börsenbilanz. Ein Kommentar.Frank Wiebe 13.11.2024 - 16:05 Uhr
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Donald Trump ist am Mittwoch auf der Andrews Air Base in der Nähe von Washington angekommen. Foto: AP

Mit 2,6 Prozent ist die US-Inflation im Oktober im Rahmen der Erwartungen geblieben: nicht schön, aber auch nicht dramatisch. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten haben sich schon vor dessen Amtsantritt die Koordinaten der US-Wirtschaft verschoben.

Und das hat Auswirkungen auf das meistdiskutierte Problem der letzten Jahre: die Inflation. Mit Trump wächst das kurzfristige Risiko, dass die Preise wieder ansteigen, und zugleich nehmen die mittel- und eine langfristige Bedrohung zu.

Trump verdankt seinen Wahlsieg zu einem guten Teil der Inflation. Für sie ist zwar primär die US-Notenbank Fed zuständig, aber viele Wähler haben sie doch der Regierung unter Joe Biden angelastet. Und das nicht einmal zu Unrecht. Denn die großzügigen schuldenfinanzierten Staatsgaben, auch zur Abmilderung der wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie, waren ein starker Preistreiber.

Die Inflation war letztlich eine Form der Finanzierung der Coronafolgen und dabei fast alternativlos, weil andere Formen kaum realistisch zur Verfügung standen. Weil selbst nach dem Abflauen der Inflation viele Wähler wirtschaftlich immer noch schlechter dastehen als vorher, hatte Trump mit dem Thema Wirtschaft gute Chancen. Dabei, das ist die Ironie, sind mit ihm besondere Inflationsrisiken verbunden.

Die Rally treibt die Konjunktur

So treibt viele Investoren die Sorge um, dass der neue Trump-Boom und eine Fed, die immer weiter die Zinsen senkt, zu neuem Preisdruck führen könnten. Das ist die kurzfristige Sorge. Und Fed-Chef Jerome Powell hat nach der Fed-Sitzung, die am Donnerstag auf die US-Wahl folgte, diese Sorgen auch nicht beruhigt. Die US-Notenbank ist weiterhin der Meinung, dass ihre Geldpolitik sehr restriktiv sei, und will daher die Leitzinsen weiter senken.

Dabei ist die Frage, bis zu welchem Zinssatz die Fed noch restriktiv wirkt, höchst umstritten. Nicht umstritten ist dagegen, dass ein Boom an den Kapitalmärkten mit steigenden Aktienkursen und niedrigen Risikoaufschlägen für Unternehmensanleihen einer Lockerung der Finanzierungsbedingungen gleichkommt und damit die Konjunktur und potenziell auch die Inflation noch weiter anheizt.

Hinzu kommt die Sorge um die Unabhängigkeit der Notenbank. Powell hat schon darauf hingewiesen, dass er seine Amtszeit wie geplant bis 2026 fortführen will und dabei auch gesetzlich geschützt ist. Aber Trump und einige seiner Anhänger sind unberechenbar.

US-Wahl

Wie Trump trotz Powells Weigerung Einfluss auf die Fed nehmen kann

In den USA gibt es vor allem bei Ultraliberalen und Konservativen eine Tendenz, gegen die Fed zu agitieren. Zuletzt brachte im Mai der republikanische Abgeordnete Thomas Massie eine Gesetzesvorlage zur Abschaffung der Fed ein. Der für seine radikalen Positionen bekannte Ökonom Thomas Sowell hatte schon 2010 in einem Interview die Abschaffung der Notenbank gefordert.

Auf die Frage, was sie denn ersetzen sollte, erwiderte er: „Wenn man ein Krebsgeschwür entfernt, überlegt man auch nicht, womit man es ersetzt.“ Eine Äußerung, die in ihrer Polemik auch von Trump stammen könnte, falls er mit der Notenbank in einen ernsthaften Konflikt geraten sollte. Eine Schwächung der Fed aber wäre gefährlich für die Stabilität des Dollars, das ist das langfristige Inflationsrisiko.

Hinzu kommen zwei Risiken, die auf mittlere Sicht wirksam sind. Die geplanten Zölle Trumps könnten den Preisdruck wieder erhöhen. Und der Plan, Migration in die USA zu unterbinden und illegale Migranten sogar zu deportieren, birgt die Gefahr, dass in bestimmten Bereichen dann wiederum Arbeitskräfte fehlen und der Lohndruck die Inflation treibt.

Jerome Powell vor einer Woche nach einer Fed-Pressekonferenz: Es drohen Konflikte mit Donald Trump. Foto: REUTERS

Am Ende, auch das ist eine Ironie, ist die Fed vielleicht gezwungen gegenzusteuern – und würgt damit die Konjunktur dann doch noch ab und zerstört die Aktienrally, vielleicht gerade mitten in Trumps Amtszeit.

Die Sünden der „Boomer“

Das große Thema im Hintergrund bleibt die rasch steigende Staatsverschuldung, die Trump vielleicht noch etwas sorgloser weiter treibt, als seine Kontrahentin Kamala Harris es getan hätte. Langfristig haben die USA damit ein Generationenproblem.

Während wir in Deutschland zu wenig investieren und so der nächsten Generation eine große Last überlassen, kommt in den USA auf die jungen Menschen ein gewaltiger Überhang an Staatsschulden zu. Die Parallele ist, dass in beiden Fällen die „Boomer“ ein gutes Leben auf Kosten ihrer Kinder führen, von denen es in Deutschland dazu noch viel zu wenige gibt.

Dabei sollten in den USA die traditionellen Konservativen eher für eine solide Finanzpolitik stehen. Aber die Frage ist offen, wie viel Einfluss sie in Senat und Abgeordnetenhaus noch haben werden.

Das US-Geschäftsmodell lebt davon, mit schuldenfinanzierten Staatsausgaben die Konjunktur anzutreiben. Zum Teil finanziert es sich selbst über stärkeres Wachstum, vor allem im Vergleich zum fiskalisch frugalen Deutschland.

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Aber immer wieder wird auch die Versuchung entstehen, die Schuldenlast mit einer etwas erhöhten Inflation zu dämpfen, was aber ein gutes Zusammenspiel von Finanz- und Geldpolitik erfordert. Das wiederum erhöht für Trump den Anreiz, sich bei der Fed einzumischen; was ein riskantes Spiel wäre.

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