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Thyssenkrupp SteelNeue Eskalation zwischen Thyssen-Krupp und Arbeitnehmern

Nachdem der Stahlhersteller drastische Einschnitte angekündigt hat, kündigt die Gewerkschaft starken Widerstand an. Der Konzern zeigt sich bislang unbeeindruckt.Isabelle Wermke 26.11.2024 - 15:24 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Thyssenkrupp Steel in Duisburg: Mitarbeiter stehen am Dienstag vor dem Werkstor bei einer Mahnwache. Foto: Christoph Reichwein/dpa

Düsseldorf. „Das ist kein Zukunftskonzept, sondern ein Rückzugskonzept”, warnt Thyssen-Krupps Konzernbetriebsratsvorsitzender Tekin Nasikkol in den „Stahlnachrichten“, einem Informationsmedium für die Beschäftigten von Thyssenkrupp Steel Europe.

Nasikkol spricht über das Eckpunktepapier, das der Stahlhersteller am Montag vorgestellt hat. Thyssen-Krupp Steel plant, künftig nur noch zwischen 8,7 und neun Millionen Tonnen Stahl zu produzieren. Bisher waren es 11,5 Millionen Tonnen. Damit einher geht auch eine Trennung von 11.000 Beschäftigten und die Schließung eines weiterverarbeitenden Standortes im siegerländischen Kreuztal-Eichen.

Mit den Arbeitnehmern muss das Konzept allerdings noch abgestimmt werden. Eine Bereitschaft, dem Eckpunktepapier zuzustimmen, zeichnet sich noch nicht ab – im Gegenteil: Die Gewerkschaft IG Metall kündigt an, das Konzept zu verweigern.

IG Metall NRW erteilt Plänen eine Absage

„Wir verhandeln das erst gar nicht. Punkt!“, erklärte Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp Steel, in einem am Dienstag veröffentlichten Flugblatt. Betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen seien rote Linien, die Gewerkschaft und Arbeitnehmer stets kommuniziert hätten: „Der Konzern überschreitet sie.“

Was der Vorstand vorgelegt habe, sei keine Verhandlungsgrundlage, sagte Jürgen Kerner, zweiter Vorsitzender der IG Metall und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Mutterkonzerns, am Montag. „Das ist eine Kampfansage an die Belegschaft.“ Die Gewerkschaft erwarte klare Aussagen zum Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und zum Erhalt aller Standorte.

Die kriselnde Stahltochter von Thyssen-Krupp will ihre Produktionskapazitäten um mindestens 20 Prozent senken. Damit geht auch Stellenabbau einher. Der Standort Kreuztal-Eichen soll komplett geschlossen werden.

Die IG Metall bemängelte auch, dass eine langfristige Finanzierungsstrategie fehle. Zwar sei die Finanzierung für die nächsten zwei Jahre gesichert, doch darüber hinaus gebe es keine Zusage. Auch die Betriebsratsvorsitzenden der Stahlsparte kritisierten das Konzept.

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz hatte sich am Dienstag persönlich eingeschaltet und mit dem Betriebsratsvorsitzenden von Thyssen-Krupp telefoniert. Konkrete Inhalte des Gesprächs wurden zunächst nicht bekannt.

Seit Monaten gibt es Spannungen zwischen Konzern und Arbeitnehmern

Die Stimmung zwischen der Arbeitnehmerseite und dem Industriekonzern ist bereits seit Monaten angespannt. IG Metall und Arbeitnehmer hatten den Verkaufsprozess der Stahlsparte von Beginn an als intransparent bezeichnet.

Die Mitarbeiter und die Gewerkschaft IG Metall brachte weiterhin auf, dass Aufsichtsratschef Siegfried Russwurm Personalentscheidungen und den Teilverkauf der Stahlsparte im Aufsichtsrat mit seinem Doppelstimmrecht gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter durchgedrückt hatte.

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Knut Giesler im Gespräch vor dem Werkstor bei Thyssenkrupp Steel: Betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen seien rote Linien, sagt der Bezirksleiter der IG Metall NRW. Foto: Christoph Reichwein/dpa

An den Plänen des Mutterkonzerns hat das allerdings bislang nichts geändert. Die Gewerkschaft hatte bereits im August vor einem Abbau von rund 10.000 Arbeitsplätzen gewarnt. Die am Montag verkündeten Planungen des Konzerns übersteigen das Szenario um weitere Tausend Arbeitsplätze, von denen Thyssen-Krupp Steel sich trennen könnte.

„Solange betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen nicht wieder vom Tisch sind und keine langfristige Finanzierung steht, solange setzen wir uns mit dem Vorstand nicht an einen Tisch“, kündigte Giesler an.

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