Morning Briefing: Wie Sie sich in der Verwaltung totarbeiten können
Der Staatsdienst wird für junge Menschen attraktiver / Die amerikanische Dominanz am Aktienmarkt
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
kennen Sie den schon? „Wie viele Beamte arbeiten denn hier?“, wird der Bürgermeister gefragt. Der überlegt kurz und antwortet dann: „Knapp die Hälfte...“ Beamtenwitze wie dieser bedienen alle dasselbe Klischee: Staatsdiener sind faul und arbeitsscheu. Aber stimmt das? Schließlich wird der Staat vor allem bei jungen Leuten als Arbeitgeber immer attraktiver. Sind sie alle nur auf der Suche nach der großen Sicherheit bei möglichst wenig Aufwand?
Eine Frage, wie gemacht für Handelsblatt-Karriereexpertin Julia Beil. Sie hat sich mit dem Arbeitgeber Staat und seinen ganz eigenen Dynamiken und Herausforderungen auseinandergesetzt. Während die Konjunktur schwächelt und Unternehmen Stellen abbauen, wirkt ein quasi unkündbares Beamtenverhältnis immer attraktiver. Doch das ist nicht der einzige Grund, wieso auch viele Menschen aus der Privatwirtschaft in den Staatsdienst wechseln. Viele suchen eine sinnstiftende Arbeit, wollen etwas für das Gemeinwohl tun. Doch dabei droht etwas, das traditionell eher nicht mit dem Staatsdienst verbunden wird: Überarbeitung.
Isabell Nehmeyer-Srocke, Gründerin des „Querwechsler-Netzwerks“, das sich für eine stärkere Verzahnung von Privatwirtschaft und öffentlichem Dienst einsetzt, warnt:
Eigentlich gilt der Deutsche Aktienindex als Frühindikator für die Konjunktur. Schließlich sind Aktienkäufe der monetarisierte Glaube an eine positive Zukunft. Wenn es nach dem Dax geht, müsste die deutsche Wirtschaft also auf einer Welle der Euphorie reiten. Mehr als 40 Rekordhochs hat das wichtigste deutsche Aktienbarometer in diesem Jahr erreicht. Doch die Euphorie der Anleger spiegelt nicht den Gemütszustand wider, der in vielen deutschen Unternehmen herrscht. 31 von 49 Wirtschaftsverbänden, die das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in den vergangenen fünf Wochen befragt hat, beschreiben ihre aktuelle Lage zum Jahreswechsel als noch schlechter als vor einem Jahr.
Hinter dem Pessimismus der Verbände stecken vielfältige Probleme: hohe Kosten für Energie, Arbeit und Material oder immer mehr Bürokratie. IW-Direktor Michael Hüther erklärt:
Vor allem die krisengeplagte Industrie rechnet mit einer sinkenden Produktion. Außerdem wollen vier von zehn Unternehmen im nächsten Jahr Stellen abbauen. Doch in verschiedenen Branchen finden sich auch Optimisten. Welche das sind und wieso sie deutlich positiver in die Zukunft blicken, hat mein Kollege Ulf Sommer aufgeschrieben.
Seit Jahren prophezeien Analysten das Ende amerikanischer Dominanz auf dem Weltmarkt. Doch zumindest an den Finanzmärkten deutet nichts darauf hin, dass sich dieses Ende bald vollziehen wird – im Gegenteil. In der Liste der nach Börsenwert 100 größten Konzerne der Welt kommen 63 Unternehmen aus den USA. Das ist ein neuer Rekord. Grund dafür sind Aktienkurse, die in den USA seit Jahren stärker zulegen als im Rest der Welt.
Vor allem an der Spitze ist die Dominanz frappierend. Neun der zehn weltweit wertvollsten Konzerne sind US-Amerikaner. Mit 3,7 Billionen Euro ist Apple die Nummer eins, gefolgt von Nvidia. Der Entwickler von Halbleitern hat seinen Börsenwert in nur einem Jahr um zwei Billionen Euro auf 3,2 Billionen Euro erhöht. Zum Vergleich: Alle 40 Dax-Konzerne zusammen sind nur 1,9 Billionen Euro wert. Immerhin drei deutsche Unternehmen haben es in die Liste der Top 100 geschafft. Welche das sind und woher die Amerikaner ihre Stärke nehmen, können Sie im großen Report des Handelsblatt Research Instituts nachlesen.
Nach dem Absturz einer aserbaidschanischen Passagiermaschine mehren sich die Hinweise, dass das Flugzeug von der russischen Flugabwehr beschossen wurde. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mit den Ermittlungen vertraute Personen. 38 Menschen waren bei dem Absturz am Mittwoch in Kasachstan ums Leben gekommen.
„Niemand behauptet, dass es absichtlich passiert ist“, sagte einer der Insider. Angesichts der festgestellten Fakten erwarte die Regierung aber, „dass die russische Seite den Abschuss des aserbaidschanischen Flugzeugs zugibt“. In mehreren Regionen des russischen Nordkaukasus seien um diese Zeit ukrainische Drohnen in der Luft bekämpft worden, berichtet ein Nachrichtenportal aus Aserbaidschan. Gestern Abend teilte die israelische Fluggesellschaft El Al mit, dass sie wegen der „Entwicklungen im russischen Luftraum“ alle Flugverbindungen zwischen Tel Aviv und Moskau für diese Woche einstellen werde.
Zwischen Utopie und Dystopie liegt die Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt. Denn eine idealtypische, utopische Zukunftsvision scheitert in den allermeisten Fällen ziemlich schnell an der nervenden Realität. Wenn der schöne Schein dann mit allen Mitteln bewahrt werden soll, landet man, ehe man sich versieht, in einer totalitären Dystopie.
Diese Feuerprobe steht in der kalifornischen Peripherie noch aus. Bisher gibt es in Solano County nicht viel mehr als schnurgerade Straßen, Masten mit Stromleitungen, einen schmalen Wasserlauf und viel braune Erde. Doch es gibt auch einen Traum, den einige reiche „Techies“ träumen und für den sie bereits fast eine Milliarde Dollar investiert haben. In Solano County soll eine Kommune entstehen mit Parks, einer künstlichen Lagune und Zehntausenden Arbeitsplätzen. 400.000 Menschen könnten dort einmal wohnen. Das Projekt verspricht, eine Modellgemeinschaft für Kaliforniens Zukunft zu werden. Der verheißungsvolle Name der kalifornischen Wüstenutopie, die mein Kollege Philipp Alvares de Souza Soares besucht hat, lautet passenderweise „California Forever“.
Zum Abschluss möchte ich noch eine weitere Ihrer Fragen beantworten.
Spitzt Journalismus manchmal aufgrund der „lauten Ränder“ zu sehr zu?
Ich wünschte, ich könnte mit voller Inbrunst sagen, dass wir Journalistinnen und Journalisten uns nie von lauten Stimmen, Zuspitzungen und Skandalen leiten lassen. Ich und meine Kolleginnen und Kollegen beim Handelsblatt geben uns alle Mühe, verantwortungsbewussten Journalismus vor laute Skandalisierung zu stellen. Oft gelingt uns das, manchmal nicht. Dann werden auch wir von Empörungswellen mitgerissen, bevor wir einen Moment innehalten und uns fragen, was die Hintergründe bestimmter Nachrichten sind.
Ich halte das für essenziell, wenn wir unserer wichtigen Rolle in einer Demokratie gerecht werden wollen. Journalismus ist ein toller Beruf, er gibt uns Reporterinnen und Reportern viel Macht. Für mich gilt, was im Marvel-Comic „Spiderman“ steht: „Aus großer Macht folgt große Verantwortung“.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Sie Ihre Stadt gegen das Böse verteidigen.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt