Auktionsvorbericht: Prunkvolle Objekte aus Renaissance und Barock
New York. Nachdem Kunstkammerobjekte aus dem Besitz der Familie Rothschild im Oktober 2023 bei Christie’s in New York auf überaus große internationale Resonanz stießen, bietet das Haus am 6. Februar eine weitere Sammlung im „Goût Rothschild” an. Jetzt glänzen vor allem prunkvolle Objekte der Goldschmiedekunst aus Renaissance und Barock, die Selim und Mary Zilkha seit den 1980er-Jahren zusammentrugen.
Der in Bagdad geborene Spross einer prominenten, international aufgestellten Bankiersfamilie und selbst erfolgreicher Unternehmer lebte zuletzt in Los Angeles. Er verstarb dort im September 2022 im Alter von 95 Jahren. Wie sich auf ihrer Speisetafel die Silberobjekte prächtig türmten, daran erinnert sich sein Sohn Michael Zilkha in Christie’s Promo-Video: „Es war unglaublich fröhlich und festlich.”
Unter den angebotenen 173 Losen finden sich zwei große silberne Prunkbecher mit reich dekoriertem Fuß, bei denen eine im 16. Jahrhundert seltene Nautilusmuschel aus dem Indischen Ozean als Schale dient. Für den Pokal mit Meistermarke Hans I Clauss, auf dem Neptun mit seinem Dreizack einen Seelöwen abwehrt, werden bis zu eine Million Dollar erwartet.
Highlight der Sammlung ist die exquisite „Nero und Augustus Aldobrandini Tazza”, eine reich mit Reliefs verzierte Silberschale auf hohem Fuß, die zwischen 1587 und 1599 wahrscheinlich in den Niederlanden gefertigt wurde. Sie war 2017 Teil einer kleinen, aber wichtigen Ausstellung im Metropolitan Museum of Art, die erstmals wieder den kompletten Satz der zwölf Tazze vereinte, die 1638 im Besitz des Kardinals Aldobrandini in Rom dokumentiert sind. Christie’s Schätzung beläuft sich auf zwei bis drei Millionen Dollar.
Ältestes Objekt ist ein kleiner Silberbecher von circa 1350 aus dem 1969 entdeckten „Silberschatz von Lingenfeld”. Das Historische Museum der Pfalz Speyer erwarb damals Teile des Fundes, manche Objekte gelangten jedoch in den Kunsthandel. Christie’s ruft den zehneckigen Becher nun zu 30.000 bis 50.000 Dollar auf.
Selim Zilkha interessierte sich aber auch für süddeutsches Rubinglas aus dem 17. Jahrhundert, chinesisches Exportporzellan und englische und französische Möbel. Die Auktion soll insgesamt 8,8 bis 13,6 Millionen Dollar einspielen.