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Versteigerung bei Lempertz Bieter setzen beherzt auf Alte Kunst

Lempertz setzt in vier Auktionen 9,2 Millionen Euro um. Erstmals macht das Kölner Auktionshaus mehr Umsatz mit Antiquitäten als mit Gemälden.
21.11.2020 - 08:58 Uhr Kommentieren
Die um 1600 mit den Halbedelsteinen Achat und Jaspis sowie mit Quarzen eingelegte Platte wurde das teuerste Objekt der Kunstgewerbe-Auktion. Sie erzielte 287.500 Euro. Quelle: Lempertz
Cosimo Castrucci

Die um 1600 mit den Halbedelsteinen Achat und Jaspis sowie mit Quarzen eingelegte Platte wurde das teuerste Objekt der Kunstgewerbe-Auktion. Sie erzielte 287.500 Euro.

(Foto: Lempertz)

Köln Die Coronakrise scheint den Hunger nach Kunst aller Gattungen zu fördern. Dieser Eindruck stellte sich immer wieder beim Verlauf der breit sortierten Auktionen Alter Kunst bei Lempertz in Köln ein. Mit einem Gesamtumsatz von 9,2 Millionen Euro, zu denen noch die am 8. Dezember offerierte Gemälde-Sammlung Bischoff zu addieren sein wird, haben sie schon jetzt das Frühjahrsergebnis und das des Vorjahres übertroffen. Das liegt nicht nur an der Fülle des Angebots, sondern auch an starken Einlieferungen aus deutschen, belgischen und holländischen Sammlungen.

Eine satte Steigerung um 1671 Prozent hat ein stimmungsvolles Kleinformat des Moskauer Malers Konstantin Makowski hingelegt, bei dem nur russische Kunstfreunde im Einsatz waren. Geschätzt war das das Bild eines alt gewordenen Paars, das vierhändig Klavier spielt, auf 6000 Euro. Verkauft wurde es für 106.250 Euro.

Auch ein naturalistischer Kohlkopf in Fayence der Straßburger Hannong-Manufaktur aus der Mitte des 18. Jahrhunderts war heiß begehrt. Diese Keramik stieg durch Berliner Privatgebot von 6000 auf 23.750 Euro. Fayence ist ein Sammelgebiet, das in den letzten zehn Jahren stark unterbewertet war. Doch auch bei bei anderen Stücken engagierten sich Museen erfolgreich.

Das teuerste Objekt der Kunstgewebe-Auktion wurde mit 287.500 Euro eine um 1600 von dem Florentiner Steinschneider Cosimo Castrucci eingelegte Platte aus Halbedelsteinen. Sehr genau erkennt man die Bauten der Arno-Stadt, die sich ein ungenanntes ausländisches Museum sicherte.

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    Dieses Prachtexemplar einer Straßburger Fayence schnellte von 6000 auf 23.750 Euro. Entstanden ist es in der Hannong-Manufaktur Mitte des 18. Jahrhunderts. Quelle: Lempertz
    Einst war dieser Kohlkopf Tafelzier

    Dieses Prachtexemplar einer Straßburger Fayence schnellte von 6000 auf 23.750 Euro. Entstanden ist es in der Hannong-Manufaktur Mitte des 18. Jahrhunderts.

    (Foto: Lempertz)

    In einer Separatauktion, die mit wissenschaftlich anspruchsvollem Katalog auftrumpfte, wurden 16 Möbel und Schatullen aus der Werkstatt Abraham und David Roentgens versteigert. Dieser Versuch, das Werk der wichtigsten deutschen Ebenisten nach Jahren der Möbelbaisse wieder in den Focus der Sammler zu rücken, war fällig. Zwar sind die Preise heute nicht annähernd so hoch wie in den 1980er-Jahren. Aber es gibt wieder Käufer, die bereit sind, markante sechsstellige Summen einzusetzen – auch wenn die Zuschläge meist im Rahmen der Schätzungen lagen.

    Für den exzeptionellen, mit Blumenmarketerie geschmückten Schreibschrank von Abraham Roentgen aus westfälischem Privatbesitz bot ein norddeutscher Sammler mit Aufschlag 375.000 Euro. Er hatte 1984 bei Phillips in London 110.000 Pfund, damals 428.000 D-Mark, eingespielt und wurde von Otto von Mitzlaff auf der Münchner Kunst- und Antiquitätenmesse desselben Jahres für 880.000 D-Mark angeboten.

    Mehr Umsatz mit Antiquitäten als mit Gemälden

    Der klassizistische Schreibtisch David Roentgens aus dem Besitz von Kaiser Wilhelm II. ging für 262.500 Euro inklusive Aufgeld an einen amerikanischen Sammler. Eine Poudreuse, ein Frisiertischchen von David Roentgen mit Blumen-Marketerie, wurde einem amerikanischen Bieter für 131.500 Euro unter Vorbehalt zugeschlagen.

    Ein Zylinderbureau mit Chinoiserie-Dekor, das 1985 bei Koller 220.000 Schweizer Franken erlöst hatte, ging zurück. Die klassizistische Kommode aus dem persönlichen Besitz von David Roentgen, die 2015 in einer Düsseldorfer Auktion hohe 233.000 Euro erlöst hatte, scheiterte ebenso. Nur neun der 16 Lose wurden definitiv abgesetzt.

    Trotzdem freut sich Lempertz-Chef Henrik Hanstein über das Ergebnis: „Zum ersten Mal haben wir mit Antiquitäten mehr Umsatz gemacht als mit Gemälden. Die Leute picken sich die Rosinen heraus und sind bereit, für diese viel Geld auszugeben.“

    Auf 6000 Euro geschätzt, erlöste das Kleinformat 106.250 Euro. Das entspricht einer satten Steigerung um 1671 Prozent. Quelle: Lempertz
    Konstantin Makowski „Vierhändiges Klavierspiel“

    Auf 6000 Euro geschätzt, erlöste das Kleinformat 106.250 Euro. Das entspricht einer satten Steigerung um 1671 Prozent.

    (Foto: Lempertz)

    Belgische und holländische Käufer waren stark im Einsatz, aber die meisten Gebote kamen von deutschen Sammlern, öfter telefonisch als online. Der Handel war nur marginal vertreten. Das Kölner Schnütgen Museum konnte für 87.500 Euro eine im 13. Jahrhundert in Limoges entstandene Hostiendose erwerben und für 37.500 eine knapp 300 Jahre später ebenfalls in sogenanntem Limousiner Email ausgearbeitete „Kusstafel“. Solche kleinen Metalltafeln führte der Priester bei dem vor der Kommunion üblichen Friedenskuss an seine Lippen.

    Während Humpen Nürnberger und Augsburger Goldschmiede aus Renaissance und Barock keine Bieter lockten, wurden vergoldete Nürnberger Silberpokale deutlich über den Taxen an deutsche Privatsammler zugeschlagen. Ein 63 cm hoher Augsburger „Akeleipokal“ von 1651 ging für 65.000 Euro in britischen Handel.

    Die Preise der Meissen-Sammlung von Tono und Renate Dreßen blieben im Rahmen der Schätzung. Der höchste Zuschlag galt mit 47.500 Euro einem Bauernhaus von 1754 in Bronzemontierung. Die Schmuck-Auktion entsprach mit einem Absatz von nahezu 100 Prozent der Vorausschätzung von 860.000 Euro.

    Im Altmeistersektor erfüllten sich nicht alle Hoffnungen. Das Wouwerman-Gemälde einer Gesellschaft am Fluss, das 2001 bei Lempertz noch 720.000 D-Mark eingespielt hatte, ging bei 280.000 Euro zurück. Das gleiche Schicksal traf zwei Dresden-Ansichten des Bernardo Bellotto-Neffen Pietro.

    Dafür ersteigerte ein australischer Sammler für 500.000 Euro mit Aufgeld das braun-monochrome Gemälde mit Kapuzinermönchen von Giovanni Battista Tiepolo, das eine noble Herkunft hat. Derselbe Käufer hatte sich zuvor schon ein farbintensives Blumen- und Früchtestillleben von Abraham Brueghel für 125.000 Euro zuschlagen lassen. Einen stolzen Sprung von 150.000 auf 337.500 Euro machte ein Paar Fischstillleben in magischer Feinmalerei des Alkmaarer Künstlers Pieter van Schaeyenborch. Die vier Bieter waren alle Holländer.

    Bei der Kunst des 19. Jahrhunderts wurde das Hauptbild, eine monumentale „Rückkehr von der Jagd“ zurückgezogen, weil es sich nach jüngsten Erkenntnissen nicht um den katalogisierten Sándor Wagner handelt. Auch die beiden Hackert-Gemälde gingen zurück. In Berliner Privatbesitz wandert Eduard Gaertners exemplarisches Aquarell „Garten des Prinzessinnenpalais“ für 46.250 Euro, dem Doppelten des Schätzpreises. Jetzt, wo Kunstfreunde Pandemie bedingt nicht auf Messen kaufen können, greifen sie auf Auktionen beherzt zu.

    Mehr: Sonderauktion mit Altmeistern: In Köln kommen Werke aus der Sammlung Bischoff unter den Hammer

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