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DeepseekDie USA schaden sich mit ihrer Zollpolitik selbst

Donald Trump war schon in seiner ersten Amtszeit ein König der Handelsbarrieren. Doch der Deepseek-Schock zeigt, dass die USA auf dem falschen Weg sind. Ein Kommentar.Annett Meiritz 28.01.2025 - 11:03 Uhr
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Chinesische KI-Ingenieure umgingen das US-Exportverbot, indem sie auf den ältesten Wohlstandsmotor setzten. Foto: Getty Images

Für Donald Trumps Verhältnisse fiel seine erste öffentliche Reaktion auf den Hype um das chinesische KI-Start-up Deepseek nüchtern aus. Es gab kein Getöse, keinen ausufernden Monolog, sondern lediglich zwei korrekte Zustandsbeschreibungen: Erstens, so der US-Präsident, sei Deepseek erst einmal keine schlechte Sache, weil es billiger sei als andere KI-Anwendungen.

Und zweitens, so Trump, sei Deepseek ein „Warnschuss“ für die USA, die sich im globalen Rennen um die technologische Vorherrschaft nicht abhängen lassen dürften.

Doch ausgerechnet bei einer der wichtigsten Entwicklungen des noch jungen Jahres hat Trump, der sonst gerne aufbauscht, untertrieben. Denn Deepseek, das gefühlt aus dem Nichts kam, ist nicht nur ein technologisches Wunderkind, das die amerikanischen Tech-Pioniere verblüfft. Tatsächlich ist Deepseek nicht weniger als ein strategischer Sieg für China, der Trumps gesamte Präsidentschaft beeinflussen könnte.

Das KI-Modell ist ressourcenschonender und in Teilen besser als das von etablierten Playern wie den US-Unternehmen OpenAI, Google oder Meta. Und es konnte wohl nur entstehen, weil die USA seit acht Jahren auf restriktiven Protektionismus setzten. Damit motivierten sie die Konkurrenz, die Strafzölle und Exportsanktionen durch eigene Erfindungen zu umgehen.

Die Ignoranz der USA wird entblößt

Plötzlich erscheinen „die Kommunisten“, wie Trump China oft nennt, clever und innovativ, während die Handelspolitik der USA veraltet und unflexibel wirkt.

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Sind die Handelsbarrieren, die Trump in seiner ersten Amtszeit errichtet hat und nun weiter ausbauen will, damit zum Scheitern verurteilt? Zumindest stellt Chinas Deepseek-Coup die unangreifbare wirtschaftliche Dominanz der USA infrage. Und er zeigt, dass Zölle und andere Beschränkungen wie Chipverbote wohl nicht ausreichen, um Konkurrenten wie China auszustechen.

Ursprünglich führte Trump die ersten Zölle 2018 ein, um die heimische Industrie zu schützen. Joe Biden kopierte diesen Ansatz, wenn auch zielgerichteter – nicht mit Trumps Brechstange, sondern nach dem Prinzip „small yard, high fences“. Nur bestimmte kritische Branchen sollten demnach mit Zöllen und anderen Barrieren eingezäunt werden. So haben die USA den Export bestimmter fortgeschrittener Halbleitertechnologien verboten. Ziel war es, die amerikanische Führungsposition im Bereich der künstlichen Intelligenz zu erhalten, insbesondere bei militärischen Anwendungen der Technologie.

Doch chinesische KI-Ingenieure fanden einen Weg, das Exportverbot zu umgehen, indem sie auf den ältesten Wohlstandsmotor setzten: Innovation. Sie führen den USA vor Augen, dass hochwertige US-Chips in nicht allzu ferner Zukunft überflüssig sein könnten. Mit diesen Fortschritten zeigt China zumindest das Potenzial, das geopolitische Kräfteverhältnis in den Bereichen KI und Halbleiter zu verschieben.

Dass China ausgerechnet in der ersten Amtswoche Trumps mit Deepseek um die Ecke kam, war sicher kein Zufall.

Erste Warnsignale gab es bereits unter Biden, dessen milliardenschwere Chipsubventionen an ihre Grenzen stießen, als der Vorzeigekonzern Intel in die Krise schlitterte. Überhaupt entblößt sich die Ignoranz der alten und neuen US-Regierung immer schneller.

In den USA herrscht die Einstellung vor, dass „die Kommunisten“ zwar schneller Wolkenkratzer hochziehen und bessere Züge bauen, aber in Sachen KI nicht mit dem Silicon Valley mithalten können. Das war offensichtlich ein Irrtum. Außerdem haben sich Trump, dann Biden und jetzt wieder Trump lange auf die klassischen Industrien konzentriert, auf Hardware und Fabriken, das war kurzsichtig. Und wenn Trump, wie in dieser Woche, behauptet, die USA würden „alles dominieren“, dann könnte er bald von der Realität eingeholt werden.

Trump hat dazugelernt

Dass China ausgerechnet in der ersten Amtswoche Trumps mit Deepseek um die Ecke kam, war sicher kein Zufall, sondern der Versuch, die Amerikaner von neuen Exportkontrollen abzuhalten. Es ist allerdings schwer vorstellbar, dass Trump bei einem seiner wichtigsten Wahlkampfversprechen – neue und umfassende Zölle – eine Kehrtwende macht.

Zwar hat er dazugelernt, eine Taskforce zu KI war eine seiner ersten Amtshandlungen. Sie wird vom Investor David Sacks geleitet, der zumindest einräumte, dass das Rennen um KI „sehr wettbewerbsintensiv“ werde. Es gibt also zumindest Anzeichen dafür, dass man sich in Trumps Umfeld ernsthaft Gedanken darüber macht, was man den chinesischen Expansionsplänen entgegensetzen will – nicht nur technologisch, sondern auch militärisch.

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Aber Trump von einem Kurswechsel zu überzeugen, war schon immer fast unmöglich. Strafzölle sind für ihn ein Druckmittel und ein Machtinstrument, um Partnern und Gegnern klarzumachen, wer am längeren Hebel sitzt. Schon an diesem Wochenende könnten Zölle gegen Kanada, Mexiko und China in Kraft treten, weitere Zölle auf Pharmazeutika, Halbleiter und Metalle sind angekündigt – auch die Europäische Union könnte davon nicht verschont bleiben.

Bislang handelt Trump nach den gleichen Prinzipien wie zuvor. Die Gefahr, dass sich diese Strategie für die USA rächt, ist mit Chinas KI-Durchbruch massiv gestiegen.

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