Deepseek: Trump und Tech-Bosse reagieren auf Rekord-Verlust an der Börse
Washington. US-Präsident Donald Trump sieht die Technologie des chinesischen Start-ups Deepseek als „Weckruf“ für amerikanische Unternehmen. „Die Veröffentlichung von Deepseek, einer KI eines chinesischen Unternehmens, sollte unsere Industrien wachrütteln und deutlich machen, dass wir uns voll auf den Wettbewerb konzentrieren müssen, um zu gewinnen“, sagt Trump bei einer Veranstaltung in Florida.
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Wegen der möglichen Billig-Konkurrenz aus China nahmen Anleger am Montag bei westlichen Technologiefirmen Reißaus. So rutschte der technologielastige Nasdaq in den USA um rund drei Prozent ab. Der Philadelphia Halbleiter-Index verlor zeitweise sogar knapp sieben Prozent. Die Aktie von Nvidia fiel zeitweise um bis zu 17 Prozent. Der Chipkonzern verlor damit 589 Milliarden US-Dollar an Börsenwert. Das ist ein neuer Rekord in der Geschichte des US-Aktienmarktes.
In den USA hat die KI von Deepseek bereits ChatGPT als beliebteste App in Apples App Store überholt. Der Wagniskapital-Investor Marc Andreessen bezeichnete die Vorstellung der KI-Anwendung „R1“ des chinesischen Anbieters daher als „Sputnik-Moment“. Damit spielte er auf den ersten Satelliten an, den die damalige Sowjetunion 1957 in eine Umlaufbahn geschossen hatte. Daraufhin hatten die USA und andere westliche Staaten ihre Weltraumforschung intensiviert.
OpenAI-Gründer Altman lobt Deepseek
Deepseek wurde 2023 vom Hedgefonds-Manager Liang Wenfeng gegründet und soll sich ein Paket von Nvidia-Chips gesichert haben. Deepseek setzt auf Open-Source-Modelle, bei denen der Quellcode öffentlich einsehbar ist. Die Daten werden auf Servern in China gespeichert.
„Deepseek R1 ist eine der erstaunlichsten und beeindruckendsten Errungenschaften, die ich je gesehen habe – und als Open Source ein großes Geschenk an die Welt“, schrieb Andreessen auf dem Kurznachrichtendienst X.
Für OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, ist der chinesische Konkurrent eine Herausforderung. OpenAI-Chef Sam Altman, lobte das Debüt des R1-Modells von Deepseek in einem Beitrag auf X am späten Montag.
Das chinesische Start-up für Künstliche Intelligenz, das zu globaler Bekanntheit aufgestiegen ist, habe ein „beeindruckendes Modell abgeliefert, insbesondere in Bezug auf das, was sie für den Preis liefern können“, schrieb Altman.
OpenAI werde nun die Veröffentlichung einiger kommender Produkte beschleunigen. Der Druck seiner Anleger dürfte steigen: Die Aktien des OpenAI-Partners Softbank verloren am Dienstagmorgen in Tokio bis zu 4,7 Prozent. Die beiden Unternehmen hatten zuletzt einen 100-Milliarden-Dollar-Vorstoß zum Aufbau der KI-Infrastruktur Stargate in den USA verkündet.
Vor allem die Schwergewichte des japanischen Technologiesektors gehörten am Dienstagmorgen zu den Verlierern an den asiatischen Börsen, die chinesischen Indizes konnten dagegen leicht zulegen. „Es herrscht die Ansicht, dass das (Open-Source-KI-Modell) von Deepseek das beste der Welt werden könnte“, sagte Yeap Jun Rong von der IG Bank. Es scheine „einige Bedenken über die Dominanz der US-Technologie zu geben“.
Aus Sicht von US-Präsident Trump könnten US-Unternehmen am Ende aber auch vom Weckruf aus China profitieren. „Ich denke, das kann auch gut sein. Wenn es billiger wird, dann haben auch wir davon einen Vorteil", sagte Trump später am Abend gegenüber Journalisten. Die Gefahr, dass China durch den Vorsprung die KI Branche dominieren könnte sieht Trump nicht: „Wir werden alles dominieren.“