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WagniskapitalInvestor fordert von Gründern in Europa mehr Mut

Cherry Ventures will die erste europäische Billionen-Firma mitfinanzieren. Dafür hat der Berliner Risikokapitalgeber nun 500 Millionen Dollar eingesammelt.Nadine Schimroszik 04.02.2025 - 04:16 Uhr Artikel anhören
Christian Meermann, Filip Dames, Alexander Langholz-Baikousis, Jasper Masemann, Sophia Bendz und Dinika Mahtani (von links): Sie steuern das Geschäft bei Cherry Ventures. Foto: Cherry Ventures

Berlin. Der Berliner Investor Cherry Ventures will die Gründer in Europa zu Größerem anspornen. „Wir sind bereit, die erste Billionen-Dollar-Firma in Europa mitzufinanzieren“, schrieb das Team des Investors in einem offenen Brief an alle europäischen Entrepreneure.

Cherry Ventures, bekannt für seine Beteiligungen an Start-ups wie der Softwarefirma Tacto, dem Audit-Anbieter Qualifyze und dem Schokoladenanbieter Planet A Foods, macht dieses Angebot nicht mit leeren Händen.

Denn der Risikokapitalgeber (VC) hat insgesamt 500 Millionen Dollar bei seinen Geldgebern eingesammelt, die direkt ins Ökosystem zurückfließen sollen. Cherry weiß allerdings, dass diese Summe allein wohl nicht ausreicht, um Marktführer zu bauen: „Jeder muss seine Aufgabe übernehmen.“

Durch die Zusammenarbeit zwischen politischen Entscheidungsträgern, Unternehmern, Forschern und Investoren müsse „Europa zum besten Ort der Welt für den Aufbau eines Technologieunternehmens“ werden.

Das ging deutlich leichter und schneller als erwartet.
Christian Meermann
Cherry-Mitgründer

Diese Vision kam zumindest bei den Geldgebern von Cherry gut an. „Das ging deutlich leichter und schneller als erwartet“, sagte Cherry-Mitgründer Christian Meermann dem Handelsblatt über das Einsammeln der 500 Millionen Dollar.

Das Kapital kam in etwa zur Hälfte von nordamerikanischen Großanlegern wie Pensionskassen und Universitäten, die ihre Namen allerdings nicht veröffentlichen wollen. Die andere Hälfte stammt aus Europa.

Supercell: Der Gründer der finnischen Spieleschmiede (Clash of Clans, Boom Beach), Ilkka Paananen, hat Geld in den neuen Fonds von Cherry gesteckt. Foto: AFP

Zu den Geldgebern zählen auch bekannte Entrepreneure wie Skype-Mitgründer Niklas Zennström, Ilkka Paananen vom finnischen Spieleentwickler Supercell, Miki Kuusi vom Essenslieferdienst Wolt sowie die Zalando-Mitgründer und Jochen Engert vom Mobility-Anbieter Flix.

„Das spiegelt auch den Zusammenhalt der Technologiegründer in Europa wider“, meint Meermann, der selbst zum Gründungsteam von Europas größtem Online-Modehändler Zalando gehörte.

Die 500 Millionen Dollar wird Cherry Ventures in zwei Fonds aufteilen. Der Großteil fließt wie bisher in frühphasige Investments in der Größenordnung von einer bis zehn Millionen. Rund 100 Millionen Dollar sind für Folgebeteiligungen in Bestandsfirmen vorgesehen, um diese länger begleiten zu können.

Kein Abgesang auf Europa – Fokus auf Talente

Für Cherry Ventures sind die 500 Millionen Dollar die größte Geldspritze seit der Gründung 2012. „Gerade ist es en vogue, sich über Europa zu beschweren“, sagt Cherry-Mitgründer Filip Dames mit Blick auf die Kritik an Bürokratie, Wirtschaftsschwäche und Schwerfälligkeit.

Dem Abgesang auf Europa will er sich nicht anschließen. „Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen.“ Dazu gehörten die 35.000 jungen Firmen, die gerade erst mit innovativen Geschäftsideen gestartet sind, die exzellente Forschung und die Toptalente, die in Europa leben.

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In seinem Brief fordert das Cherry-Team dazu auf: „Wir müssen mutig handeln und uns über konventionelle Erwartungen hinwegsetzen.“ Die Welt transformiere sich durch neue Technologien und die Fortschritte im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI). Noch sei nichts entschieden. Doch damit Europa eine Chance hat, muss sich nach Einschätzung von Cherry nun die Innovationskultur ändern.

Der Geldgeber, der sich seit 2012 an mehr als 130 Jungfirmen beteiligt hat, hängt die Latte nun entsprechend hoch. Er will in Gründer mit kühnen Visionen zur Entwicklung von revolutionären Technologien investieren: „Globale Wirkung ist der Maßstab.“ Firmen wie der Musikdienst Spotify aus Stockholm, Supercell, die Fintechs Klarna und Revolut aus Schweden beziehungsweise Großbritannien sowie die Softwarefirma UiPath zeigten, dass dies möglich ist.

Fonds erhalten weltweit Geldspritzen

Cherry Ventures ist nicht der einzige Wagniskapitalgeber, der in den vergangenen Monaten neues Geld erhielt. Auch internationale Wettbewerber wie Headline, Index Ventures, Creandum, Accel, Atomico und Balderton sowie Aenu, UVC Partners und Vsquared aus Deutschland konnten neue Fonds auflegen.

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Das Geld wird dringend benötigt. Da in den vergangenen fast drei Jahren kaum Start-ups an die Börse gegangen sind, fehlt dem gesamten Ökosystem liquides Kapital. In Europa gingen die Investitionen in Start-ups im vergangenen Jahr laut dem Datendienst Pitchbook erneut zurück, und zwar um fast acht Prozent. In Deutschland allerdings wurde ein leichtes Plus verzeichnet.

Im laufenden Jahr wird wieder mit mehr Börsengängen gerechnet. Das schwedische Fintech Klarna dürfte den Anfang machen. Mit Börsengängen kennt sich auch Cherry aus: Die inzwischen börsennotierte Auto-Gebrauchtwagenplattform Auto1 gehörte früher zum Portfolio. Inzwischen zählen Bestandsfirmen wie das Raumfahrt-Start-up The Exploration Company (TEC) und Qualifyze zu den Börsenanwärtern.

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