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Klima-Risiko-IndexWo das Wetterchaos die größten Schäden verursacht

Der Klimawandel ist derzeit kein großes Thema, auch nicht im deutschen Wahlkampf. Dabei sorgen die Klimanöte weltweit für hohe ökonomische Schäden. In Europa ist ein Land besonders stark betroffen.Silke Kersting 12.02.2025 - 15:32 Uhr Artikel anhören
Flut im Ahrtal: Die Katastrophe richtete im Juli 2021 große Schäden an. Foto: dpa

Berlin. Durch den Klimawandel verstärkte Extremwetter machen der Welt zunehmend zu schaffen. In den Jahren 1993 bis 2022 haben Stürme, Überflutungen, Dürren und Hitzewellen weltweit ökonomische Schäden von inflationsbereinigt rund 4,2 Billionen US-Dollar verursacht. Das entspricht etwa dem aktuellen Bruttoinlandsprodukt Deutschlands eines Jahres. Zudem haben fast 800.000 Menschen infolge dieser Wetterextreme ihr Leben verloren.

Zu dieser Einschätzung kommt der neue, von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch veröffentlichte „Klima-Risiko-Index“ (KRI) 2025, der seit 2006 in regelmäßigen Abständen die Folgen von Wetterextremen untersucht. Als Datenbasis dienten in diesem Jahr erstmals die International Disaster Database (EM-DAT) sowie sozioökonomische Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Der Blick auf die vergangenen 30 Jahre zeigt, dass vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer, die Länder des sogenannten globalen Südens, von Extremwetterereignissen betroffen waren.

„Sorgen bereiten insbesondere jene Länder, in denen immer wiederkehrende Wetterextreme kaum noch ein Zurück in den zuvor normalen Alltag ermöglichen“, sagt Laura Schäfer, Leiterin des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch und Co-Autorin des Berichts.

„Extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen nehmen zu und werden in einigen Regionen der Welt allmählich zur neuen Normalität.“

Ausnahmezustand in Sri Lanka: Im Juni vergangenen Jahres wurde der Inselstaat von Überschwemmungen und Schlammlawinen heimgesucht, mindestens zehn Menschen starben. Foto: Eranga Jayawardena/AP/dpa

China, Honduras, Myanmar und der karibische Inselstaat Dominica wurden seit 1993 besonders verheerend von Überflutungen, Stürmen und Hitzewellen getroffen. „In Dominica verursachten Wirbelstürme Schäden, die das gesamte Bruttoinlandsprodukt des Inselstaats um ein Vielfaches übertrafen“, heißt es in der Untersuchung. In China waren viele Menschen von Überflutungen, Taifunen und einer Dürre betroffen.

Auch drei EU-Länder unter den am meisten betroffenen Staaten

Der Index zeigt, dass auch Europa massiv unter Wetterextremen leidet. So steht etwa Italien im Zeitraum von 1993 bis 2022 an Platz fünf des Negativrankings. Dort hätten große Hitzewellen und ihre Folgen mehr als 38.000 Menschenleben gekostet, vor allem in den Jahren 2003 und 2022, schreiben die Autoren.

Außer Italien gehören mit Griechenland und Spanien zwei weitere südliche EU-Staaten zu den zehn am stärksten betroffenen Gebieten. „Das zeigt, dass auch relativ reiche Länder ihr Klimarisikomanagement dringend verbessern müssen“, sagt Co-Autorin Vera Künzel.

Hitzepläne

Überdachte Sportplätze, schattenspendendes Grün – das neue Normal?

Deutschland liegt im Zeitraum 1993 bis 2022 an 48. Stelle von insgesamt 171 betrachteten Ländern. Auch hier war – neben der Überflutung im Ahrtal 2021 – etwa die Hitzewelle 2003 hauptverantwortlich für Todesopfer. Auf das Jahr 2022 bezogen liegt Deutschland an 17. Stelle im Ranking. In dem Jahr hatte es ebenfalls eine intensive Hitzewelle gegeben, zudem eine Serie von Orkanen im Februar.

Insgesamt wurden für Deutschland in den betrachteten 30 Jahren 74 Extremwetterereignisse mit mehr als 18.000 Todesfällen und knapp 127 Milliarden Dollar Schäden gezählt. Mehr als 570.000 Menschen seien direkt von den Folgen der Wetterextreme betroffen gewesen, etwa durch den Verlust ihres Eigentums aufgrund von Überschwemmungen und Stürmen. Auch die höhere Sterblichkeit infolge von Hitzewellen sei alarmierend, sagt Co-Autor David Eckstein.

Sicherheitsrisiko Klimakrise

Grund für die zunehmende Erderwärmung ist vor allem die Verbrennung fossiler Energien. Zahlreiche Länder haben zwar ihren Kohlendioxidausstoß reduziert. Doch auf globalem Niveau sind diese Maßnahmen für eine Trendwende unzureichend. Bislang sind die Emissionen aus der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas noch immer gestiegen, im vergangenen Jahr auf ein Rekordniveau.

Brände bei Los Angeles: Auch die USA, nach China zweitgrößter CO2-Emittent, verzeichnen zahlreiche Wetterextreme – mit zum Teil verheerenden Folgen. Foto: Jae C. Hong/AP/dpa

Germanwatch hält die Klimakrise längst für „eine der weltweit größten Bedrohungen für die internationale Sicherheit, die Stabilität von Staaten und Gesellschaften sowie des Finanzsystems“. Auch deswegen wird die Studie kurz vor der am Freitag beginnenden Münchner Sicherheitskonferenz vorgestellt.

„Die Staats- und Regierungschefs auf der Münchner Sicherheitskonferenz können die sicherheitspolitischen Herausforderungen nicht diskutieren, ohne auch den Klimawandel zu adressieren“, sagt Autorin Schäfer.

Klimaanpassung stößt an Grenzen.
Vera Künzel
Germanwatch

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) erklärte am Mittwoch: „Wer Sicherheit denkt, muss Klima mitdenken.“ Jedes Zehntelgrad weniger Erderwärmung mache Deutschland, Europa und die Welt sicherer.

Bruno Kahl, Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), erklärte, der BND sehe die Folgen des Klimawandels wie Destabilisierung und Migration „neben einem aggressiv-expansiven Russland, weltpolitischen Ambitionen Chinas, zunehmenden Cyber-Gefahren sowie dem weiterhin virulenten internationalen Terrorismus als eine der fünf großen externen Bedrohungen für unser Land“.

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz stellen das Auswärtige Amt und das Verteidigungsministerium einen Bericht vor, der sich mit Klimarisiken beschäftigt, kurz NiKE genannt. NiKE steht für „Nationale, interdisziplinäre Klima-Risikoeinschätzung“. Die Folgen des Klimawandels setzen Staaten zunehmend unter einen Druck, „der durchaus auch geopolitische Dimensionen erreicht“, sagte BND-Chef Kahl.

Klimaanpassung stößt an Grenzen

Vor allem bei den ärmeren der am härtesten betroffenen Staaten ist nach Ansicht von Germanwatch zu erkennen, dass Klimaanpassung an Grenzen stößt. Manche Folgen des Klimawandels seien nicht mehr abwendbar, sagt Künzel. Es brauche deswegen ein Vielfaches der Unterstützung, die dafür bisher von reichen Nationen bereitgestellt worden sei.

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Wie wenig der Klimaschutz derzeit international auf der Tagesordnung steht, zeigt sich auch daran, dass nur wenige Staaten bei den Vereinten Nationen neue Klimaschutzversprechen im Rahmen des Pariser Klimaabkommens eingereicht haben.

Bis zum 10. Februar hätten alle etwa 190 Mitgliedstaaten des Abkommens neue, ehrgeizigere Pläne präsentieren müssen. Diese Maßnahmen müssen alle fünf Jahre aktualisiert werden, so sieht es das 2015 in der französischen Hauptstadt geschlossene Abkommen vor. Damit soll das Ziel, die Erderwärmung langfristig auf möglichst 1,5 Grad im vorindustriellen Vergleich zu begrenzen, in Reichweite gebracht werden. Auch die Europäische Union hat die Frist gerissen.

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