Pharmaindustrie: Beim Impfstoffhersteller Moderna wachsen die Probleme
2024 schrumpfte der Moderna-Umsatz von 6,8 Milliarden Dollar auf 3,2 Milliarden Dollar, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Schon im August hatte Moderna die Umsatzerwartung von ursprünglich vier Milliarden Dollar auf eine Spanne zwischen drei und 3,5 Milliarden Dollar gekappt. Und mit 3,6 Milliarden Dollar überstieg der Verlust 2024 sogar die Umsatzerlöse.
Das Unternehmen, das in der Coronapandemie wie das Mainzer Unternehmen Biontech mit einem mRNA-basierten Impfstoff reüssierte, steckt in der Krise. Von den Spitzenumsätzen im Jahr 2022 von mehr als 19 Milliarden Dollar ist Moderna meilenweit entfernt.
Impfskepsis und EU-Ausschluss
In Europa verkauft das Unternehmen praktisch keinen Corona-Impfstoff mehr. Denn die EU-Kommission hat feste Lieferverträge mit Biontech geschlossen. „Wir waren mit einem kontinuierlichen Ausschluss von europäischen Märkten konfrontiert“, schrieb Moderna-Chef Stéphane Bancel Anfang des Jahres an die Investoren.
Nun hat das Unternehmen zwar eine Rahmenvereinbarung mit der EU, Norwegen und Nordmazedonien geschlossen, die es den Ländern ermöglicht, Modernas Impfstoff über vier Jahre abzunehmen. Allerdings nur, „falls zusätzlich zum derzeitigen Vertrag mit einem Wettbewerber Nachfrage besteht“. Auch Modernas Corona-Impfstoff ist an die aktuelle Virus-Variante angepasst und zugelassen.
Und mit dem jüngst bestätigten amerikanischen Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Junior, der ein offener Impfskeptiker ist, dürfte sich auch die Lage in den USA eher verschärfen als entspannen.
Noch keine Stiko-Empfehlung für RSV-Impfstoff
Anders als Konkurrent Biontech, der bisher nur den Corona-Impfstoff auf dem Markt hat, hat Moderna 2024 ein zweites Medikament kommerzialisiert: einen Impfstoff gegen die Atemwegserkrankung RSV.
Ursprünglich setzte das Unternehmen große Hoffnungen in das Mittel, sprach von einem „starken Wettbewerbsprofil“. Doch die Zahlen zeigen das Gegenteil: 2024 setzte Moderna mit dem Mittel nur 25 Millionen Dollar um.
Damit läuft es auch in Deutschland nicht: Noch im Oktober hieß es aus Unternehmenskreisen, dass es auf dem deutschen Markt für das Mittel viel positive Resonanz gebe. Doch die Ständige Impfkommission (Stiko) hat den Impfstoff noch nicht empfohlen. Das bedeutet, dass das Mittel von den gesetzlichen Krankenkassen nicht verordnet werden kann.
Schon Mitte Januar hatte das Unternehmen die Umsatzprognose für 2025 daher um eine Milliarde Dollar reduziert und gab an, vor allem die Forschungs- und Entwicklungskosten zu senken. 2024 beliefen sich die Ausgaben auf 4,5 Milliarden Dollar, 2025 sollen es 4,1 Milliarden Dollar sein.
Teure Krebsstudien und verzögerte Mittel
Auch andere Medikamente lassen auf sich warten: Analysten von Bloomberg verweisen darauf, dass Moderna die potenzielle Markteinführung seiner Grippeimpfungen von 2025 auf 2026 verschoben hat.
Auch die Studien zu einem Krebsimpfstoff, die Moderna mit dem amerikanischen Unternehmen Merck, das in Deutschland unter dem Namen MSD arbeitet, durchführt, seien kostspielig und würden frühestens im Jahr 2027 zum Umsatz beitragen.
Ende 2023 klang Moderna dazu noch sehr optimistisch: Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte Unternehmenschef Stéphane Bancel, dass der erste Krebsimpfstoff schon 2025 auf dem Markt sein könnte – wenn die Behörden sich für eine beschleunigte Zulassung entscheiden.
Die bisherigen Ergebnisse aus den klinischen Studien scheinen vielversprechend. Dennoch befürwortete die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA eine beschleunigte Zulassung zunächst nicht, teilte Moderna Mitte 2024 mit. Infolgedessen hat das Unternehmen auch den Zeitpunkt, ab dem es wieder profitabel sein will, von 2026 auf 2028 verschoben.
Während Biontech darauf setzt, auf verschiedenen Technologien basierende Mittel gegen Krebs zu entwickeln, die die Mainzer dann auch kombinieren wollen, setzt Moderna komplett auf die mRNA-Technologie und entwickelt damit etwa Impfstoffe gegen Atemwegserkrankungen, das Norovirus, HIV oder Mpox.