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KomootDeutsche Outdoor-App zur Routen-Planung wechselt Besitzer

Vor 15 Jahren gründeten sechs Männer die Outdoor-App Komoot. Nun wechselt sie den Besitzer, die neuen Inhaber sitzen in Italien. Das löst in der Szene Sorgen aus.Axel Höpner 25.03.2025 - 08:21 Uhr Artikel anhören
Radfahrer in den Alpen: Komoot ist bei vielen Outdoor-Sportlern beliebt. Foto: imageBROKER / Herbert Berger

München. Airbnb, Amazon, Ebay: International erfolgreiche Digitalplattformen haben zumeist in den USA ihren Siegeszug angetreten. Doch es gibt Ausnahmen – der schwedische Musik-Streamingdienst Spotify etwa. Und auch in Deutschland gibt es eine international führende Plattform: den Outdoor-Routenplaner Komoot.

45 Millionen Nutzer hat die App laut Unternehmen aktuell, 23 Millionen davon im Ausland. „Unser nächstes Ziel sind 100 Millionen Kunden weltweit“, hatte Mitgründer Tobias Hallermann kürzlich dem Handelsblatt gesagt. Das Potenzial liege sogar bei mindestens 500 Millionen Menschen: allen, die gern in der Natur Rad fahren oder wandern.

Diese Perspektiven haben Interesse bei Investoren geweckt. Und nun übernimmt die italienische Firma Bending Spoons überraschend den deutschen Outdoor-Spezialisten. „Das, was uns hierhergebracht hat, wird uns nicht auf die nächste Stufe bringen“, sagte Komoot-CEO Markus Hallermann, Bruder des Mitgründers, bei der Verkündung des Deals. Die Skalierung eines Unternehmens – das Geschäftsmodell wirtschaftlich in weit höhere Größenordnungen zu bringen – erfordere eine andere Denkweise und andere Fähigkeiten als der Aufbau eines Unternehmens.

In der Outdoor- und Tech-Szene löst die Übernahme allerdings Sorgen aus. Die Italiener hätten bereits Firmen wie Evernote und Wetransfer übernommen, technologisch in die eigenen Plattformen integriert und Stellen abgebaut, schrieb der renommierte Blog DC Rainmaker. Das müsse nicht das Ende von Innovationen bedeuten, das Tech-Sport-Segment erfordere aber ein tiefes Verständnis der Materie. In sozialen Netzwerken äußerten Sportler die Befürchtung, dass die Nutzung nun teurer werden könnte.

Luca Ferrari, CEO und Mitgründer von Bending Spoons, erklärte, man sei begeistert von Komoots Wachstumspotenzial. Mit der eigenen Expertise und Technologie könne man dem Outdoor-Dienst helfen, die eigenen Stärken weiter auszubauen.

Gegründet haben die Hallermann-Brüder das Unternehmen vor 15 Jahren mit vier Freunden aus Deutschland und Österreich – Jonas Spengler, Christoph Lingg, Daniel Gard und Jan Heuer. Durchaus ungewöhnlich für die von Exits definierte Start-up-Welt: Das Team ist bis heute zusammengeblieben.

Komoot hat große Pläne für die USA

In Europa ist Komoot inzwischen das dominierende Hilfsmittel, wenn Menschen eine Route planen oder nach Tourenvorschlägen in einer bestimmten Region suchen. Konkurrenten gibt es inzwischen einige, etwa Alltrails und Outdoor Active, doch blieben sie bisher oft Nischenanbieter.

Weltweit könnte nach Einschätzung von Branchenkennern der Anbieter Strava größer sein als Komoot – allerdings setzt die Plattform vor allem auf Nutzer, die ihre Leistung mit anderen messen wollen. Und sie setzt auf den Community-Gedanken: Viele Sportler planen ihre Touren mit Komoot, um sie dann nach ihrer Aktivität auf Strava hochzuladen und ihren Freunden zu zeigen.

Nach einem ersten gescheiterten Versuch hat sich Komoot inzwischen auch in den USA etabliert. „Seit zwei Jahren investieren wir dort richtig“, sagt Tobias Hallermann. Die Zahl von derzeit einer Million US-Nutzern wachse rasch. „Am Ende wollen wir alle 100 Millionen Radfahrer und Wanderer erreichen.“

Ein Grund dafür, dass sich die Plattform von Deutschland aus international etablieren konnte, ist das Timing: Komoot leistete vor 15 Jahren Pionierarbeit. Zwar sind die Gründer Bergsteiger, doch sie entwickelten die Software nicht primär für ihre eigenen Touren. „Wir glaubten von Anfang an, dass wir ein neues Geschäftsmodell geschaffen haben, das international Erfolg haben kann“, sagt Tobias Hallermann.

Ermöglicht wurde das vor allem durch die Tatsache, dass mit dem Aufkommen von Smartphones damals GPS-Satellitendienste in moderne Handys Einzug hielten. „Wir konnten uns nur ein einziges iPhone leisten“, sagt Hallermann, „damit haben wir dann die Testtouren gemacht.“

Strava ist ein großer Konkurrent von Komoot

Ein Geschäftsmodell witterten die Gründer aber und konnten auch früh Investoren von dem Projekt überzeugen. Als Kartenbasis nutzt Komoot Daten des offenen Anbieters Open Street Map. Die Daten werden ergänzt und aufbereitet. So berücksichtigen die Tourenvorschläge zum Beispiel das Gelände samt Untergrund und die Schwierigkeit.

Jede Fahrt oder Wanderung, die ein Nutzer aufzeichnet, füllt den Datenpool weiter. Die Sportler können Fotos von Highlights einfügen und zum Beispiel Einkehrmöglichkeiten empfehlen. „Das System lernt immer weiter“, sagt Hallermann. Rennradler entdecken so verkehrsarme Strecken, Mountainbiker finden die schönsten Trails, Wanderer einen Rundkurs zum Gipfel.

So hat Komoot in vielen Ländern eine treue Anhängerschaft aufgebaut. „Seit 2014 ist Komoot mein Routenplanungstool Nummer eins“, sagte Ingo Quendler, Gründer des Fahrradhändlers Enjoy your Bike, der im gleichnamigen Podcast regelmäßig Geräte und Software für Radfahrer testet, dem Handelsblatt kurz vor dem Komoot-Verkauf.

Entscheidend für ihn sei damals gewesen, dass bei der Planung der Straßenbelag berücksichtigt werden konnte. Für ihn habe Komoot das Radfahren grundlegend verändert: „Statt immer die gleichen Hausrunden zu fahren, entdecke ich heute selbst vor der eigenen Haustür immer wieder neue Gegenden mit tollen Strecken.“

Komoot: Tourismus-Regionen als zahlende Partner

Das Basisangebot ist bislang kostenlos. Doch können Nutzer Karten für einzelne Regionen oder für die ganze Welt kaufen, die sie dann auch offline nutzen können. Zudem gibt es eine kostenpflichtige Variante, die zum Beispiel die Planung von Mehrtagestouren ermöglicht und mehr Informationen über Trails liefert. Daneben können sich Tourismusregionen mit Tourensammlungen auf der Plattform präsentieren.

Ob die neuen Besitzer nun auf dasselbe Geschäftsmodell setzen oder etwa mehr Leistungen auf die Bezahlversion beschränken, muss sich nun zeigen. Seit Kurzem brauchen neue Nutzer einen Premium-Zugang, um Touren auf ihr Gerät zu laden.

Laut letzter Veröffentlichung erzielte Komoot mit 150 Mitarbeitern in 21 Ländern 2023 gut 35 Millionen Euro Umsatz. Auch im vergangenen Jahr dürften die Umsätze laut Branchenschätzungen wieder prozentual zweistellig gewachsen sein. „Mittelfristig wollen wir mehr als 100 Millionen Euro Umsatz erzielen“, sagt Hallermann. Schon seit 2017 könne das Unternehmen das Wachstum aus dem Cashflow selbst finanzieren.

Komoot-App: Das Geschäftsmodell basiert auf mehreren Säulen. Foto: PR

Ein weiterer Grund für den nachhaltigen Erfolg der Deutschen sind Kooperationen mit den großen Geräteherstellern. So gibt es eine Zusammenarbeit mit Garmin, einem der Marktführer bei Navigationsgeräten. Kunden können ihre selbst geplanten Komoot-Touren direkt an ihre Garmin-Uhr oder den Fahrradcomputer senden und dort teilweise auch auf einer Komoot-App öffnen.

„Die positive Resonanz unserer Nutzer zeigt, dass diese Partnerschaft einen echten Mehrwert schafft“, sagte Garmin-Manager Peter Weirether dem Handelsblatt. Man sei mit der bisherigen Zusammenarbeit sehr zufrieden und wolle sie fortsetzen.

Gerade im Ausland wissen vermutlich viele Nutzer gar nicht, dass die Plattform in Deutschland ihren Ursprung hat. Der Name Komoot leitet sich aus dem Walserischen ab – ein Teil des Gründerkreises ist in Österreich aufgewachsen. Es bedeutet so viel wie „einfach und praktisch“, wie das Wort „kommod“.

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Und diesem Leitgedanken ist Komoot treu geblieben, was ein weiterer Grund dafür ist, dass das Unternehmen nicht von größeren Konzernen aus dem Markt gedrängt wurde: Die Plattform ist bei ihrer Kernmission geblieben. „Wir wollen den Leuten ermöglichen, einfach rauszugehen und etwas zu erleben“, sagt Hallermann.

Erstpublikation: 22.03.2025, 11:51 Uhr.

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