Florian Fritsch: Staatsanwaltschaft Wien erlässt Haftbefehl gegen Investor
Frankfurt, Berlin. Einst präsentierte sich der deutsche Start-up-Financier Florian Fritsch als Verwalter von Milliarden seiner Investoren, nun sitzt er in der Justizvollzugsanstalt Nürnberg in Untersuchungshaft.
Eva Fritsch betreibt in Wien ein Golddepot mit dem Namen „Meine Schatzkammer“. Von außen mutet das Geschäft wie eine kleine Bankfiliale an. Im Inneren gibt es Schließfächer hinter einer vergitterten Tür. Laut Webseite lassen sich online Depots eröffnen oder Goldsparpläne abschließen.
Ein großer Teil des Goldes lagerte offenbar nicht in der umgebauten Bankfiliale, sondern in der Wiener Niederlassung des Goldbarrenherstellers Heimerle und Meule. Dort soll Fritsch im vergangenen Jahr bis zu 14 Kilogramm Gold für „Meine Schatzkammer“ abgeholt haben, ohne dass die Geschäftsführung davon informiert gewesen sei, so der Vorwurf.
Dabei solle Fritsch keinerlei Posten bei der Firma seiner Ehefrau innehaben. Eine Sprecherin von Heimerle und Meule teilte auf Anfrage mit: „Uns ist der Sachverhalt nicht bekannt, und daher können wir Ihnen dazu auch keine Auskünfte erteilen.“
Fritsch soll Firma um bis zu 14 Kilo Gold betrogen haben
Wegen Betrugsverdachts wurde Fritsch am Donnerstag in Regensburg festgenommen. Zuerst hatte die österreichische „Kronen Zeitung“ über die mutmaßliche Gold-Affäre und die Festnahme berichtet.
Grundlage war ein europäischer Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Wien, wie die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg auf Anfrage bestätigte. Der Tatvorwurf laute auf Betrug. Wie lange das Auslieferungsverfahren dauern wird, sei noch nicht abschätzbar, sagte ein Sprecher. „Erhebt der Beschuldigte keine Einwände, würde das das Verfahren allerdings beschleunigen.“
Genaues Motiv bislang unklar
Fritsch wird in Österreich von dem Rechtsanwalt Norbert Wess vertreten. Der bekannte Strafverteidiger verteidigt auch den gescheiterten Bauunternehmer René Benko. Auf Nachfrage teilte Wess mit, dass er zu Fritsch und den aktuellen Vorfällen nichts sagen könne, da er sich noch in Auslieferungshaft befinde und sich ein deutscher Kollege darum kümmere.
Dieser wiederum antwortete auf eine kurzfristige Anfrage nicht. Daher bleibt auch das Motiv des mutmaßlichen Betrugs vorerst im Dunkeln.
Ein weiterer Geschäftsführer der Firma „Meine Schatzkammer“ hatte sich im Dezember ebenfalls an die Behörden gewandt. Er verließ das Unternehmen im Februar. Die Firma gehört zu 75 Prozent Eva Fritsch. Ihr Ehemann hielt über eine inzwischen insolvente Gesellschaft in Liechtenstein knapp 25 Prozent.
Ermittlungen auch in Liechtenstein
Die Untersuchungshaft ist der vorläufige Tiefpunkt einer Investorenkarriere, die seit rund 15 Jahren Gerichte in Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz beschäftigt, wie das Handelsblatt 2022 enthüllte. In Fritschs Vita tauchen erfolgreiche Verkäufe von Start-up-Beteiligungen wie Relayr oder Kreisel auf.
Doch immer wieder stritt er sich mit seinen Investoren um Geld. In einigen Fällen griff er in die Firmenkasse. Er beglich dadurch Altschulden und genehmigte sich Darlehen. Zudem zahlte er Luxusreisen mit der Firmenkreditkarte. Fritsch hatte die Vorwürfe seinerzeit zurückgewiesen.
In einem anderen Verfahren mündeten Anzeigen von Gläubigern 2022 in Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Liechtenstein. Der Verdacht lautet auf schweren Betrug, Geldwäsche und betrügerische Krida, wie Insolvenzverschleppung in Liechtenstein genannt wird. Das Verfahren läuft noch, es gilt die Unschuldsvermutung. Währenddessen befindet sich die wichtigste Firma aus Fritschs Geflecht, die Fritsch & Co. AG mit Sitz in Vaduz, in Liquidation.
Im Internet und in Interviews trat Fritsch großspurig auf. So postete er Bilder, auf denen er im Eismeer die Siegespose des Weltrekordsprinters Usain Bolt nachahmt. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schrieb, Fritsch verwalte eine Milliarde Euro. Er sei „im wahrsten Sinne des Wortes self-made“. Laut Eigenauskunft war Fritsch zuvor schon Feuerwehrmann, Rettungssanitäter und Rennfahrer.
Erstpublikation: 18.03.2025, 18:03 Uhr.