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Zollkrieg„Trump-Schock“ gefährdet das irische Wirtschaftswunder

US-Konzerne bescherten Irland das stärkste Wachstum und die höchsten Überschüsse der EU. Jetzt bereitet sich das Land „auf das Schlimmste vor“.Torsten Riecke 16.04.2025 - 09:49 Uhr Artikel anhören
Irlands Premier Martin (r.) bei seinem Treffen mit Trump im März: „Ich will nichts tun, was Irland schadet.“ Foto: picture alliance / CNP/AdMedia

London. Erst vier Wochen ist es her, da feierten US-Präsident Donald Trump und der irische Premierminister Micheál Martin anlässlich des irischen Nationalfeiertags „St. Patrick’s Day“ im Weißen Haus die traditionell enge Verbundenheit zwischen den beiden Ländern. „Ich will nichts tun, was Irland schadet“, sagte Trump damals mit Blick auf die von ihm geplanten Strafzölle.

Am Montag kündigte der US-Präsident dann aber Handelssanktionen gegen Pharmaimporte in „nicht allzu ferner Zukunft“ an und nannte dabei auch Irland als mögliches Ziel. Kein Wunder, dass die Regierung in Dublin der von Trump verkündeten 90-tägigen „Feuerpause“ im globalen Handelskrieg nicht traut und sich nach den Worten von Martin „auf das Schlimmste vorbereitet“.

Irland steht immer noch unter Schock, innerhalb weniger Wochen hat sich die Republik mit dem stärksten Wachstum und den höchsten Haushaltsüberschüssen in der EU verwandelt: Ökonomischer Pessimismus und Zukunftsangst machen sich breit. Trumps Zoll-Rundumschlag gefährde das bisherige Wirtschaftsmodell, warnt Premier Martin.

Das Erfolgsmodell der Inselrepublik basiert seit Jahrzehnten auf der starken Präsenz internationaler Konzerne, die Dublin mit einem wirtschaftsfreundlichen Klima, gut ausgebildeten Arbeitskräften und niedrigen Unternehmensteuern gelockt hat. Zwar hat die Regierung ihren Körperschaftsteuersatz auf internationalen Druck von 12,5 auf 15 Prozent angehoben. Am Geschäftsmodell Irlands hat das jedoch wenig geändert.

Nach einer Studie der Denkfabrik Irish Fiscal Advisory Council geht mehr als die Hälfte der Körperschaftsteuereinnahmen auf das Konto von nur zehn internationalen Konzernen, viele davon sind Technologie- oder Pharmagiganten aus den USA. Für Irlands Staatsfinanzen ist das ein kaum kalkulierbares Risiko.

Pfizer-Zentrale in Dublin: Viele US-Pharmakonzerne betreiben in Irland Produktionsanlagen und Forschungslabore. Foto: REUTERS

Die Unternehmensteuern machen rund ein Drittel der gesamten Staatseinnahmen aus. Den letzten Haushaltsüberschuss von rund 25 Milliarden Euro verdankt Irland zum Großteil einer Steuernachzahlung des Technologiekonzerns Apple, die allein 14 Milliarden Euro betrug.

„Die Pharmakonzerne werden wieder in unser Land kommen“

Die starke Abhängigkeit Irlands insbesondere von der US-Pharmaindustrie spiegelt sich auch in der Handelsbilanz wider: Von Gütern im Wert von 73 Milliarden Euro, die Irland im vergangenen Jahr nach Amerika exportierte, machten Pharmaprodukte mehr als 40 Prozent aus.

Diese wunderschöne Insel mit ihren fünf Millionen Einwohnern hat die gesamte Pharmaindustrie der USA in ihren Fängen.
Donald Trump
US-Präsident

US-Unternehmen wie Pfizer, Merck, Eli Lilly und Johnson & Johnson haben überall auf der Insel Fertigungsstätten und Forschungslabore gebaut und so wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen. Seit 2022 hat die irische Wirtschaftsförderungsgesellschaft IDA rund ein Dutzend Investitionen von US-Pharmafirmen zwischen 55 Millionen und 1,8 Milliarden Euro verkündet.

„Diese wunderschöne Insel mit ihren fünf Millionen Einwohnern hat die gesamte Pharmaindustrie der USA in ihren Fängen“, sagte Trump mit einem gequälten Lächeln beim St.-Patrick’s-Day-Besuch des irischen Premierministers.

Der amerikanische Wirtschaftsminister Howard Lutnick wird da schon deutlicher und brandmarkt die Steueranreize Irlands als „Betrug“, den die US-Regierung jetzt durch Importzölle beenden werde. „Die Pharmakonzerne werden wieder in unser Land kommen, denn wenn sie es nicht tun, müssen sie eine hohe Steuer zahlen“, kündigte Trump an.

Staatsfonds als Versicherung

Sollte der US-Präsident demnächst einen Strafzoll von möglicherweise 25 Prozent auf die Einfuhr von Pharmaprodukten aus dem Ausland verhängen und an seinem globalen Importzoll von zehn Prozent festhalten, könnte das nach den Worten Martins „eine sehr ernsthafte Bedrohung“ für Irlands Wirtschaftswunder werden.

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Um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen, hat Irland bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, einen Staatsfonds aufzubauen, der bis 2035 ein Volumen von 100 Milliarden Euro erreichen soll. Die Regierung will mindestens 50 Milliarden davon zur Seite legen, um mögliche Einnahmeausfälle durch den sogenannten „Trump-Schock“ aufzufangen. „Wir müssen uns auf diesen Puffer verlassen können“, sagt Premier Martin.

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