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Morning BriefingWer folgt auf Franziskus? Vatikan vor Konklave der Unbekannten

Christian Rickens 22.04.2025 - 06:17 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Tod von Papst Franziskus: Nachfolge unberechenbar wie nie / Trump gegen Fed-Chef: Streit schickt US-Börsen auf Talfahrt

22.04.2025
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Liebe Leserinnen und Leser,

nicht nur bei den 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken weltweit wird dieses Osterwochenende in Erinnerung bleiben: Am Montagmorgen ist Papst Franziskus in Rom an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Er wurde 88 Jahre alt. Noch am Tag vor seinem Tod hatte er den päpstlichen Ostersegen „Urbi et Orbi“ gespendet.

Jorge Mario Bergoglio, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, war vor seiner Wahl zum Papst Erzbischof von Buenos Aires und hatte nie zuvor in Rom gelebt. Er war ein Außenseiter in den Machtzirkeln der Kurie. Als Papst machte Franziskus sein Anderssein zum Markenzeichen.

Er war der Erste, der sich nach dem Heiligen Franz von Assisi benannte, dem Bettelmönch. Er verzichtete auf die reich verzierten Gewänder und rot-samtenen Schuhe. Franziskus unterstrich damit seine Verachtung von Pomp und Pracht. Selbst in seinem Todesort steckt Symbolkraft: Franziskus starb im schlichten Gästehaus Santa Marta, das er während seiner zwölf Jahre als Papst bewohnte – anstelle der päpstlichen Gemächer im Apostolischen Palast.

Manch konservativer Kleriker sah in alledem eine Anmaßung: Der Papst setze sich über kirchliche Traditionen hinweg, um sich wohlfeil beim gesellschaftlichen Mainstream anzubiedern. Wie nah Franziskus diesem Mainstream wirklich war, bleibt auch nach seinem Tod die große Frage: Seine Amtszeit war geprägt von einer vor allem für Europäer bisweilen verwirrenden Mischung aus Reformsignalen und dem Beharren auf katholischen Dogmen – exemplarisch abzulesen etwa am Umgang der Kirche mit homosexuellen Paaren.

Zwei mögliche Erklärungen dafür:

  1. So wie ein Fußballtrainer nicht die Kabine verlieren darf, so darf es sich auch ein Papst nicht mit allzu weiten Teilen der Führungselite im Vatikan verscherzen. Ohne ihre Unterstützung kriegt er nichts bewegt.
  2. Der Argentinier Franziskus sah sich nie in erster Linie als Papst der Europäer. Und insbesondere bei den vielen Katholiken und Katholikinnen des globalen Südens sind die brennenden Themen ganz andere als bei uns.

„Franziskus war als erster Papst aus der südlichen Hemisphäre nicht daran interessiert, die Kirche nach den Interessen des Westens zu erneuern“, analysiert unsere Rom-Korrespondentin Virginia Kirst: „Das Problem mit der Weltkirche ist jedoch, dass die unterschiedlichen Teile der Welt in verschiedenen Geschwindigkeiten unterwegs sind. Und so waren Reformen, die sich deutsche Katholiken herbeisehnten, in manchen afrikanischen Ländern undenkbar.“

Anders ausgedrückt: Dort hängen eher keine Regenbogenflaggen an katholischen Kirchen.

Unbestreitbar sind die Reformverdienste von Franziskus hingegen bei einem anderen Thema: Der Papst brachte zumindest Ansätze von Transparenz in die vatikanischen Finanzen.

Norditaliener als Nachfolge-Favorit

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Foto: dpa

Als Favorit für die Franziskus-Nachfolge gilt Vatikan-Kennern der Italiener Pietro Parolin. Der 70 Jahre alte Norditaliener ist seit mehr als einem Jahrzehnt die Nummer zwei im Kirchenstaat. Allerdings gilt bei Papstwahlen grundsätzlich der Satz: „Wer als Papst ins Konklave hineingeht, kommt als Kardinal heraus.“

Hinzu kommt: Weil Franziskus viele neue Kardinäle aus weit entfernten Ländern berufen hat, die sich nicht besonders gut kennen, ist die Wahl dieses Mal wohl noch offener als bei früheren Konklaven.

Trump gegen Fed-Chef – US-Börsen im Minus

Donald Trump (l.) und Jerome Powell Foto: Reuters

Donald Trump schürt neue Unsicherheit an den globalen Finanzmärkten. Der US-Präsident und sein Wirtschaftsberater Kevin Hassett stellten übers Osterwochenende indirekt die Unabhängigkeit der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) infrage. Am Montag legte Trump nach und nannte Fed-Chef Jerome Powell einen „großen Verlierer“.

Prompt zeigten sich die Folgen der Debatte um Powells Zukunft an den Finanzmärkten: Die wichtigen US-Indizes verloren alle knapp 2,5 Prozent. Der Euro legte am Montag gegenüber dem Dollar um mehr als ein Prozent zu und ist mit mehr als 1,15 Dollar je Euro so teuer wie zuletzt im November 2021.

Bundeswehr-Ausbildung bei Lufthansa?

Kampfjet F35 der Bundeswehr. Foto: IMAGO/Björn Trotzki

Die Bundeswehr befindet sich nach Informationen des Handelsblatts in vertraulichen Gesprächen mit zivilen Großunternehmen wie der Deutschen Bahn, Lufthansa und Rheinmetall. Die Anfrage der Armee bezieht sich demnach vor allem auf Logistikkapazitäten, um Streitkräfte, Munition und militärische Geräte zu transportieren, falls Russland das Gebiet des Nato-Bündnisses angreift. Nach Brancheninformationen werden zudem Gespräche geführt, ob die Flugschule der Lufthansa die Grundausbildung der Kampfjet-Piloten der Bundeswehr übernehmen könnte.

Ukraine in der Demografie-Falle

Wladimir Putin Foto: via REUTERS

Der russische Präsident Wladimir Putin zeigt sich erstmals seit Jahren zu bilateralen Gesprächen mit der ukrainischen Regierung bereit. Er ging am Montag in Moskau auf ein Angebot des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein, für eine Frist von 30 Tagen zivile Ziele von Angriffen auszunehmen. Putin:

Das ist alles ein Thema, das sorgfältig geprüft werden muss, vielleicht sogar auf bilateraler Ebene. Wir schließen das nicht aus.

US-Präsident Trump will sich in den kommenden drei Tagen zum Krieg in der Ukraine und den Vermittlungsbemühungen äußern. Das sagte er auf die Frage, ob es einen amerikanischen Vorschlag gebe, dass die Ukraine die Krim als Teil Russlands anerkennen müsse.

Die russische Invasion verschärft ein Problem der Ukraine, das bereits vor dem Angriff im Frühjahr 2022 bestand: Die Bevölkerungszahl sinkt rapide. Die Geburtenrate zählt mit 0,9 Kindern pro Frau zu den niedrigsten weltweit. Allein in den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Einwohner laut Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) um acht Millionen Personen eingebrochen. Wichtigster Grund: die rund fünf Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer, die wegen der russischen Invasion ins Ausland geflüchtet sind. Selbst in seinem optimistischen Szenario geht das Kiewer Zentrum für Ökonomische Strategie davon aus, dass höchstens 2,2 Millionen von ihnen zurückkehren werden.

Das Ergebnis dieser Mischung aus Netto-Abwanderung und niedriger Geburtenrate zeigt unsere Grafik: Bis 2050 könnte sich die Bevölkerungszahl der Ukraine gegenüber der Jahrtausendwende nahezu halbieren.

Welche ökonomischen Folgen das hat, und wie die ukrainische Regierung das Problem angehen will, hat unsere Osteuropa-Korrespondentin Mareike Müller recherchiert.

Menschen schlagen Roboter bei Halbmarathon

In der chinesischen Hauptstadt Peking haben sich mehrere humanoide Roboter bei einem Halbmarathon mit Menschen gemessen. 20 Unternehmen und Forschungseinrichtungen beteiligten sich mit ihren Roboter-Modellen, die unter anderem die Regel erfüllen mussten, zwei Beine zu haben. Als Erstes kam nach gut einer Stunde und elf Minuten ein Mensch ins Ziel. Der schnellste Roboter brauchte über zwei Stunden und 40 Minuten. Eine Zeit, die fast jeder Hobbyjogger unterbieten könnte.

Sollte es zur Übernahme der Weltherrschaft durch Künstliche Intelligenz und Roboter kommen, dann eröffnet sich der Menschheit hier eine ebenso simple wie erfolgversprechende Handlungsoption: einfach weglaufen.

Ich wünsche Ihnen einen Start in die verkürzte Arbeitswoche ohne Fluchtgedanken.

Herzliche Grüße,

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Ihr

Christian Rickens

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