Trump-Vorstoß: US-Regierung erwägt Lockerung der Bankenregulierung
Düsseldorf. Die US-Bankenbranche steht vor einer der größten Veränderungen seit über zehn Jahren. Offenbar bereiten US-Bankenaufseher weitreichende Änderungen an den Kapitalvorschriften der Banken vor. Das berichtet die „Financial Times“ (FT) am Donnerstag.
Die zusätzliche Verschuldungsquote (supplementary leverage ratio), an die Banken sich halten müssen, soll reduziert werden. Das meldet die Zeitung mit Bezug auf mit den Plänen vertrauten Personen.
Große Banken müssen der Regel zufolge ein Mindestmaß an Kernkapital im Verhältnis zu ihrem Fremdkapital halten. Zu diesem Fremdkapital gehören etwa die Kredite, die die Banken vergeben, oder andere Risikopositionen, die sie etwa mittels Derivaten auf ihre Bilanz laden. Die Regel wurde 2014 eingeführt, nachdem Regulatoren die Kapitalanforderungen für Banken nach der Finanzkrise 2008 reformiert hatten.
Trump lockert die Regeln
Die acht größten US-Banken müssen derzeit Kernkapital im Wert von rund fünf Prozent ihres gesamten Fremdkapitals halten. Für internationale Wettbewerber gelten niedrigere Standards, meistens zwischen 3,5 und 4,25 Prozent.
Im Zuge der weitreichenden Deregulierungsmaßnahmen des US-Präsidenten Donald Trump soll die Regel nun gelockert werden, Lobbyisten erwarten der „FT“ zufolge erste Vorschläge bereits im Sommer.
Interessenvertreter haben in der Vergangenheit kritisiert, dass Banken dadurch sogar bestraft würden, wenn sie US-Staatsanleihen halten würden. Die Bonds gelten in der Regel zwar als besonders sichere Anlagen. In der bestehenden Regelung wirken sie sich dennoch negativ auf die Verschuldungsquote aus.
Fraglich ist allerdings, wie sehr die Bankenbranche tatsächlich von der Reform profitieren kann. Die meisten Großbanken sind neben der Quote auch von anderen Regularien betroffen.
Etwa jene, die auch das Risiko der jeweiligen Positionen gewichten oder dem Stresstest der Federal Reserve. Einer Studie von Morgan Stanley zufolge ist mit State Street nur eine größere US-Bank tatsächlich durch die zusätzliche Verschuldungsquote eingeschränkt.
Eine abgeschwächte Regelung würde den Markt für US-Bonds antreiben, sagen Analysten dem Bericht zufolge. Das würde wiederum höhere Anleihepreise und niedrigere Rendite bedeuten.
Trump könnte damit seinem Ziel niedrigerer Zinsen einen Schritt näher kommen. Der US-Präsident hat in den vergangenen Wochen mehrfach den Chef der US-Zentralbank Federal Reserve öffentlich angegriffen, beleidigt und niedrigere Leitzinsen gefordert.
US-Finanzminister Bessent für Reform
Kritiker hingegen warnen, dass der Zeitpunkt für eine solche Reform ungünstig sei. Selbst am normalerweise widerstandsfähigen Anleihemarkt kam nach dem Zollschock Unruhe auf.
US-Finanzminister Scott Bessent sprach sich bereits vergangene Woche für eine Reform der Regel aus. Er sagte, es sei eine „hohe Priorität“ für die wichtigsten Bankenregulator der USA, dazu gehört auch die Federal Reserve.
Deren Vorsitzender Powell sagte im Februar: „Wir müssen an der Struktur des Anleihemarktes arbeiten. Ein Teil davon könnte sein, die zusätzliche Verschuldungsquote zu reduzieren.“