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Ukraine-KriegWas kann Papst Leo XIV. als Vermittler erreichen?

Trump will Friedensgespräche im Vatikan abhalten lassen. Dazu hatte Papst Leo eingeladen. Er blickt anders auf den Ukraine-Krieg als Vorgänger Franziskus. Wie stehen die Chancen auf Frieden?Virginia Kirst 20.05.2025 - 16:35 Uhr Artikel anhören
Papst Leo XIV. (r.) und Wolodymyr Selenskyj: Der Papst gewährte dem ukrainischen Präsidenten bereits eine Audienz. Foto: Vatican Media/IPA via ZUMA Press

Rom. Nach seinem Telefonat mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin hat US-Präsident Donald Trump den Vatikan als Ort für Friedensgespräche im Ukrainekrieg genannt. Damit folgt Trump einem Angebot des Papstes Leo XIV.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte dessen Angebot bereits zugestimmt und sich nach einem persönlichen Gespräch mit Papst Leo für die „Bereitstellung einer Plattform für direkte Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland“ bedankt.

Der Papst hatte in der vergangenen Woche gesagt: „Der Heilige Stuhl steht zur Verfügung, damit die Feinde sich begegnen und einander in die Augen schauen können.“ Und weiter: „Die Völker wollen den Frieden, und ich sage mit dem Herzen in der Hand zu den Führern der Völker: Lasst uns zusammenkommen, lasst uns den Dialog führen, lasst uns verhandeln.“

Leos verstorbenem Vorgänger Franziskus war es zu Lebzeiten nicht gelungen, den Vatikan als Vermittler im Ukrainekrieg anzubieten – der US-Amerikaner hat das nun innerhalb weniger Wochen im Amt geschafft.

Leo blickt anders auf den Ukrainekrieg als Vorgänger Franziskus

Zwar hatten sich Trump und Selenskyj bei der Beerdigung von Franziskus im April an dessen Sarg bereits in einem der Marmorsäle des Vatikans getroffen und miteinander gesprochen. Doch „dass der Vatikan nun als Vermittler im Ukrainekrieg gesehen wird, liegt an der Sicht des neuen Papstes auf den Konflikt“, erklärt der Vatikan-Beobachter Marco Politi.

Bisher hat sich der US-Amerikaner Robert Prevost in seiner Rolle als Oberhaupt der katholischen Kirche grundsätzlich nicht anders als Franziskus zum Ukrainekrieg geäußert – beide haben einen „gerechten und dauerhaften Frieden“ in der Ukraine gefordert.

Aber in einem Interview aus dem Jahr 2022 hatte der damalige Bischof von Chiclayo in Peru den russischen Angriffskrieg als „imperialistisch“ bezeichnet. Prevost forderte, „das Böse, das Russland begeht“, klarer zu benennen.

Diese Aussagen habe Prevost nicht als Papst getroffen, merkt Experte Politi an. Allerdings ließen Leos erste Amtshandlungen darauf schließen, dass er eine Linie verfolgt, die zu diesen Aussagen von 2022 passt.

Er empfing unmittelbar nach seiner Wahl Selenskyj zu einem persönlichen Gespräch. Und er widmete dem US-Vizepräsidenten J.D. Vance 50 Minuten – eine für Vatikanverhältnisse ausgesprochen ausführliche Audienz.

„Vorher wäre es unvorstellbar gewesen, dass der Vatikan im Ukrainekrieg vermittelt, weil es zwischen Franziskus und Selenskyj große Spannungen gab“, sagt Politi, der im März das Buch „Der Unvollendete. Franziskus' Erbe und der Kampf um seine Nachfolge“ veröffentlicht hat.

Leo (Mitte) mit J.D. Vance (2. v. l.) und Marco Rubio (2. v. r.): Der Papst mit dem Vizepräsidenten und Außenminister der USA. Foto: Simone Risoluti/Vatican Media/AP

Denn Franziskus habe die Verantwortung für den Krieg nicht einseitig bei Russland gesehen, sondern sah den Krieg vielmehr als einen Konflikt zwischen zwei Weltmächten. Franziskus’ Kommentare, dass die Nato vor den Toren Moskaus belle oder dass es ein Fehler sei, den Krieg als Cowboy-Film zu sehen, in dem es die Bösen und die Guten gebe, führten zu Spannungen mit Selenskyj.

Leos kurze Amtszeit Vorteil für seine Vermittlerrolle

Dass Leo erst seit kurzer Zeit im Amt ist, sei ein Vorteil für die mögliche Vermittlerposition des Vatikans. Das analysiert „Avvenire“, die Zeitung der italienischen Bischofskonferenz: „Zu Beginn seines weltlichen Wirkens genießt ein Papst wie der jetzige einen Vorteil: Er hat keine Vorgeschichte von Haltungen oder missverstandenen Botschaften, die ihm Vorurteile und Feindseligkeit eingebracht haben.“

Damit sich der Frieden ausbreitet, werde ich alle Anstrengung unternehmen.
Papst Leo XIV.

Politi erklärt, dass Russland den Vatikan als Vermittler akzeptieren könnte, weil Leo in seiner Antrittsrede die Bedeutung einer multipolaren Weltordnung betonte. Diese Weltordnung entspricht den Interessen Moskaus.

Für die neue Rolle des Vatikans könnte auch sprechen, dass der Papst bereits Erfahrungen als Vermittler und Diplomat gesammelt hat. Für zwei Amtszeiten war Prevost Leiter des weltweit aktiven Augustinerordens. Anschließend hatte er eine zentrale Position in der Kurie übernommen und sich dort um die Ernennung der neuen Bischöfe gekümmert.

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Wie wichtig Leo das Thema ist, lässt sich anhand seines ersten Wortes, das er nach der Papstwahl sagte, erkennen: Pace, Frieden. Und vergangene Woche betonte er in der für einen Papst ungewöhnlichen Ich-Form: „Damit sich der Frieden ausbreitet, werde ich alle Anstrengung unternehmen.“


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