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Ukraine-KriegUkrainischer Großangriff trifft Russlands Militärflughäfen

Mit ins Land geschmuggelten Drohnen zerstört die Ukraine wohl Dutzende Kampfflugzeuge tief im Innern Russlands. Der Angriff kommt kurz vor möglichen Friedensgesprächen am Montag.Mareike Müller 01.06.2025 - 20:54 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Dieses Bild aus einem vom ukrainischen Geheimdienst veröffentlichten Video soll brennende Flugzeuge auf einem russischen Stützpunkt in Sibirien zeigen. Foto: AFP PHOTO / SECURITY SERVICE OF UKRAINE/ HANDOUT

Riga. In einer geheimen Großoperation hat der ukrainische Geheimdienst SBU am Sonntag mehrere russische Militärflughäfen attackiert, von denen die russische Luftwaffe regelmäßig Angriffe gegen die Ukraine geflogen war. Nach ukrainischen Angaben wurden dabei 41 russische Kampf- und Aufklärungsflugzeuge zerstört – teils Tausende Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt im russischen Landesinnern.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Angriff gegen die russischen Militärflughäfen als „absolut brillanten Erfolg“ gefeiert. Dies sei die weitestreichende Operation der Ukraine im bisherigen Kriegsverlauf. „Ein Jahr, sechs Monate und neun Tage vom Planungsbeginn bis zur effektiven Umsetzung“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Er habe den Geheimdienst angewiesen, die Öffentlichkeit über einen Teil des Einsatzes zu informieren.

Die Drohnen sollen zuvor in Holzkonstruktionen versteckt worden sein, die dann auf Lastwagen geladen und aus der Ferne gestartet worden seien. Das geht aus ukrainischen Berichten hervor, die allerdings bisher nicht unabhängig bestätigt wurden. Unter den betroffenen Flugzeugen sollen auch nuklearfähige Bomber der Typen Tupolew Tu-95 und Tu-22M3 sein.

Eines der Angriffsziele war der mehr als 4000 Kilometer von der Ukraine entfernte Luftwaffenstützpunkt Belaja in der Region Irkutsk. Auch russische Medien berichten über die Attacken. Die russische Nachrichtenagentur Tass schrieb von „mehreren Terroranschlägen mit FPV-Drohnen auf Flugplätze in fünf Regionen Russlands“, an einigen Stellen habe man die Angriffe abwehren können, es habe keine Verletzten gegeben.

Verschiedene Videos im Netz zeigen Drohnen, die von Lastwagen aufsteigen, um dann ihre Ziele anzusteuern. Einige der Videos und Bilder der zerstörten Maschinen wurden mittlerweile von der Nachrichtenagentur Reuters verifiziert.

Experten werten Angriffe als Erfolg für die Ukraine

Militär- und Sicherheitsexperten werten die Angriffe als Erfolg für die Ukraine. Der Politikwissenschaftler Nico Lange, Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz, nannte das Vorgehen auf der Social-Media-Plattform X „spektakulär“. Die Ukraine greife damit auch „erfolgreich den Mythos an, Russland sei unbesiegbar“.

„Die Ukraine wird sich Russland nicht unterwerfen, die Partner der Ukraine sollten das auch nicht tun“, fordert Lange. Die bulgarische Politikwissenschaftlerin Velina Tchakarova schreibt vom „größten ukrainischen Drohnenangriff seit Beginn des russischen Krieges“ und bezeichnet die Aktion als „erstaunlich“.

Russlands Fähigkeit zu Langstreckenschlägen habe gerade einen „massiven Schlag erlitten“, so Tchakarova. In der Ukraine hatte man verstärkte russische Angriffe in den kommenden Tagen und Wochen erwartet. Berichte über eine beginnende russische Offensive an der Front hatten sich zuletzt gehäuft.

Die Planung für die komplexe Operation habe anderthalb Jahre gedauert, sagte auch ein Vertreter der ukrainischen Sicherheitsbehörden, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AP. Präsident Wolodymyr Selenskyj habe die Operation persönlich beaufsichtigt, hieß es.

Verhandlungen könnten am Montag weitergehen

Die Angriffe ereigneten sich nur einen Tag vor der geplanten Fortsetzung von Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine am Montag in Istanbul. Dort waren Delegationen der beiden Länder schon vor zwei Wochen zusammengekommen – zum ersten Mal seit gescheiterten Gesprächen im Frühjahr 2022.

Kiew hatte einem russischen Vorschlag für eine weitere direkte Gesprächsrunde zugestimmt, allerdings noch vor den massiven Angriffen. Die ukrainische Delegation soll nun von Verteidigungsminister Rustem Umerow angeführt werden, die russische Delegation von Wladimir Medinski, einem der Berater von Russlands Präsident Wladimir Putin.

Der Kreml äußerte sich bisher nicht zu den Angriffen. Tass allerdings meldete, man habe einige der angeblichen Beteiligten der Operation bereits festgenommen.

Laut Umjerow hat die Ukraine der russischen Delegation bereits einen „Fahrplan“ für einen möglichen Friedensschluss vorgelegt. Dieser soll mit einer mindestens 30-tägigen Waffenruhe beginnen, gefolgt von der Freilassung Gefangener und der Rückkehr entführter ukrainischer Kinder in ihr Heimatland. Dann soll ein Treffen auf höchster Ebene vorbereitet werden – gemeint ist offenbar zwischen Selenskyj und Putin. Sowohl Vertreter Europas als auch der USA sollen in den Prozess eingebunden werden.

Ukrainische Kampfdrohnen gegen russische Kampfflugzeuge. (Archivbild) Foto: dpa

Russland fordert aber als Bedingung für einen Waffenstillstand, dass die Ukraine keine Waffenlieferungen mehr erhält und auch keine weiteren Soldaten mobilisiert. Außerdem will Russland einen Beitritt der Ukraine zum westlichen Verteidigungsbündnis Nato ausschließen. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im März eine von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagene bedingungslose 30-tägige Waffenruhe abgelehnt.

Ukraine greift auch Bahnlinien an, Russland attackiert ukrainische Truppen

In der Nacht auf Sonntag hatte es zwei weitere Vorfälle in Russland gegeben. In den Gebieten Kursk und Brjansk waren zwei Züge entgleist, nachdem dort Eisenbahnbrücken eingestürzt waren. Russische Behörden meldeten, dass es zuvor zu Explosionen gekommen sei. Der Gouverneur der Region Kursk, Alexander Chinschtejn, schrieb von einem Verletzten, in Brjansk kamen laut Gouverneur Alexander Bogomas sieben Menschen ums Leben. Etwa 70 sollen verletzt worden sein, darunter drei Kinder.

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Ebenfalls am Sonntag kamen nach einem russischen Raketenangriff auf eine Ausbildungseinheit der ukrainischen Armee mindestens zwölf Soldaten ums Leben. Außerdem sollen über 60 Menschen verletzt worden sein, wie die Ukraine meldete. Der Kommandeur des ukrainischen Heers, General Mychajlo Drapatij, kündigte daraufhin seinen sofortigen Rücktritt an.

Mit Agenturmaterial

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