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Morning BriefingIm Zweifel für die Staatsraison – Merz und der Krieg in Nahost

Christian Rickens 16.06.2025 - 06:14 Uhr
Morning Briefing

Krieg in Nahost: Israel will den Iran weiter angreifen

16.06.2025
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Angriff, Vergeltung, Angriff: Der Krieg zwischen dem Iran und Israel folgt einer alttestamentarischen Dramaturgie. Auch am Wochenende haben sich beide Staaten wechselseitig mit Luftschlägen attackiert.

Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Angriffe hat ein israelischer Militärvertreter am Sonntag zunichte gemacht: Man habe noch eine umfangreiche Liste von Angriffszielen im Iran. Die gleiche Botschaft sendete der israelische Außenminister Gideon Saar in einem Telefonat mit seinem deutschen Kollegen Johann Wadephul. Laut Außenministerium in Jerusalem hat Saar in dem Telefonat erklärt, dass der Einsatz im Iran fortgesetzt werde und noch wichtige Ziele zu erreichen seien.

Seit Freitag versuchen Israels Streitkräfte, den Iran mit Luftschlägen an der angeblich kurz bevorstehenden Fertigstellung einer Atombombe zu hindern. Der Iran bestreitet, eine atomare Bewaffnung überhaupt anzustreben. Das Atomprogramm des Landes diene ausschließlich friedlichen Zwecken. Experten bezweifeln das.

Der Iran reagierte mit Gegenangriffen. Einen Großteil der iranischen Raketen hat die israelische Armee abgefangen – mit Unterstützung von amerikanischen Truppen in der Region. Trotzdem zerstörten Raketen im Großraum Tel Aviv mehrere Wohnblöcke. Auch in Irans Hauptstadt Teheran wurden mehrere Wohnhäuser durch Luftangriffe zerstört. Im Iran soll es laut staatlichen Medien durch die Angriffe bis Sonntagabend 224 Tote und mehrere Hundert Verletzte gegeben haben. In Israel wurden 13 Personen getötet und mehr als 370 verletzt.

Iran hat mit einem Gegenangriff auf Israel begonnen. Foto: dpa

Laut dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi hat sein Land mit den Angriffen lediglich auf Israels Aggressionen reagiert. Wenn diese Aggressionen aufhörten, würden auch die iranischen Reaktionen enden. Vor der jüngsten Eskalation hatten die USA mit dem Iran verhandelt, um eine Zusage zur Einschränkung seines Atomprogramms zu erhalten. Araghtschi beschuldigte Israel, diese Gespräche sabotieren zu wollen. Der Iran hatte eine für Sonntag angesetzte Gesprächsrunde im Oman als Reaktion auf die israelischen Angriffe abgesagt.

Merz stellt sich hinter Israel

Sich in dieser Situation zu positionieren, ist heikel für deutsche Politikerinnen und Politiker. Es gilt zu Recht als Deutschlands ungeschriebene Staatsraison, für das Existenzrecht Israels einzustehen. Und nichts würde diese Existenz mehr gefährden als eine Atombombe in den Händen des Teheraner Regimes – dessen erklärtes Ziel es ist, Israel auszulöschen.

Andererseits ist Israels Premierminister Benjamin Netanjahu für den Westen kein wirklich vertrauenswürdiger Partner. Allzu skrupellos ordnet er Fragen von Krieg und Frieden dem Primat des eigenen Machterhalts unter.

Kanzler Merz stellt sich hinter Israel. Foto: REUTERS

Dieses Störgefühl wird auch Friedrich Merz nicht fremd sein. Dennoch folgte der Bundeskanzler gestern der traditionellen deutschen Leitlinie: Im Zweifel an der Seite Israels! Vor seinem Abflug zum Treffen der sieben wichtigsten Industrienationen (G7) in Kanada erklärte der Bundeskanzler:

Israel hat das Recht, seine Existenz und die Sicherheit seiner Bürger zu verteidigen.

Der Iran dürfe keine Atommacht werden, „das iranische Atomwaffenprogramm ist existenzielle Bedrohung für den Staat Israel“.

G7-Gipfel mit drei Themen

Merz sieht sich in dieser Frage plötzlich auf einer Linie mit den USA, mit denen es auf anderen Gebieten so viele Konflikte gibt. Die G7-Staaten Frankreich, Kanada und Großbritannien dagegen haben gerade Sanktionen gegen zwei israelische Kabinettsmitglieder verhängt.

Fest steht: Das G7-Treffen hat mit dem Krieg in Nahost seinen dritten wichtigen Agendapunkt gefunden. Und zwar einen, bei dem die Fronten innerhalb des westlichen Lagers ganz anders verlaufen als bei den beiden anderen großen Gipfelthemen Handelsstreit und Ukrainekrieg.

Trump offen für Putin als Nahost-Vermittler

Wobei man bei Trump mindestens so sehr auf Unberechenbares gefasst sein muss wie bei Netanjahu. So ist der US-Präsident offen für die Idee, dass Kremlchef Wladimir Putin im Krieg zwischen Israel und dem Iran als Vermittler agieren könnte. „Ich wäre offen dafür“, sagte Trump dem Fernsehsender ABC dazu. Putin habe ihn deswegen angerufen.

Trump sieht Putin als möglichen Vermittler zwischen Iran und Israel. Foto: dpa

Russlands Präsident hatte sich nach Angaben des Kremls in einem Telefonat mit Trump am Samstag selbst als Vermittler im Konflikt zwischen Israel und dem Iran angeboten. Russland pflegt enge Beziehungen zum Iran.

Renault-Chef offenbar vor Wechsel zu Kering

Renault-Chef Luca De Meo verlässt den Autobauer und leitet einem Medienbericht zufolge künftig den Luxusgüterkonzern Kering. Bei Kering übernehme De Meo den Chefposten von dem Milliardär Francois-Henri Pinault, berichtete die Zeitung „Le Figaro“ am Sonntag. Pinault ist bisher in einer Doppelrolle Chef des Vorstands und des Verwaltungsrats.

Renault bestätigte, dass De Meo das Unternehmen am 15. Juli verlassen werde, um eine Aufgabe außerhalb der Autobranche zu übernehmen. Ein Kering-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Dem französischen Konzern gehören Marken wie Gucci und Saint Laurent.

Bericht: Lavazza will Dallmayr übernehmen

Der Kaffeeröster Lavazza aus Turin prüft offenbar einen Zusammenschluss mit Dallmayr. Dies berichtete die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ am Samstag. Laut dem Bericht befinden sich die Verhandlungen, die von der Investmentbank Goldman Sachs geführt werden, noch in einem frühen Stadium. Der Zusammenschluss soll laut „Corriere“ in erster Linie durch einen Anteilstausch erfolgen. Dabei wolle das italienische Familienunternehmen die Mehrheit an Dallmayr übernehmen.

Preiskampf der Discounter

Nicht weniger als „die größte Preissenkung aller Zeiten“ hat Lidl Ende Mai verkündet. Mehr als 500 Artikel seien dauerhaft im Preis gesenkt worden. Konkurrent Aldi zog noch am selben Tag nach, versprach einen „historischen Schritt“ und nannte 100 Produkte, die günstiger werden. Die Discounter verraten jedoch nicht, wie stark welche Artikel im Preis sinken. Lidl hat nicht einmal eine Liste der reduzierten Artikel veröffentlicht.

Eine Analyse im Auftrag des Handelsblatts zeigt nun erstmals konkrete Zahlen. Der Preisvergleichsdienstleister Smhaggle hat mehr als eine halbe Million Kassenbons aus den vergangenen Wochen ausgewertet, die Kunden fotografiert und hochgeladen haben. Die Daten zeigen, dass der Großteil der reduzierten Artikel nur um wenige Cent günstiger geworden ist. Da die reduzierten Produkte wiederum nur einen Teil am Gesamtsortiment ausmachten, sparten Kunden von Aldi und Lidl durch die Aktionen pro Einkauf im Schnitt lediglich etwa zwei Prozent, sagt Smhaggle-Chef Sven Reuter.

Das gleicht den starken Preisanstieg der vergangenen Jahre bei Weitem nicht aus. Lebensmittel und alkoholfreie Getränke sind derzeit 36 Prozent teurer als im Durchschnitt des Jahres 2020, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Das zeigt sich auch bei den beiden Discounter-Ketten: So ist die Eigenmarkenbutter bei Aldi und Lidl nun 17 Prozent günstiger geworden. Insgesamt ist sie aber noch 21 Prozent teurer als Anfang 2022.

Vater mit 135 Jahren

Der älteste Bewohner des Zoos von Miami hat gestern seinen 135. Geburtstag gefeiert – und seinen ersten als Vater. Seit 1981 hatte sich die 230 Kilo schwere Galapagos-Riesenschildkröte „Goliath“ zwar mit mehreren Weibchen gepaart, aber erst mit Schildkrötendame „Sweet Pea“ klappte es: Am 4. Juni sei das gemeinsame Baby geschlüpft, berichtet die Nachrichtenagentur AP.

„Goliath ist mein Held“, teilte Zoo-Sprecher Ron Magill mit. „Er ist der lebende Beweis dafür, dass es einen Weg gibt, wo ein Wille ist, und dass man niemals aufgeben darf.“

In seiner Euphorie übersieht Magill Bedenkliches: den drastischen Altersunterschied der Eltern, der in Schildkrötenkreisen für viel Getuschel sorgen dürfte. „Sweat Pea“ zählt gerade mal 85 bis 100 Lenze.

Ich wünsche Ihnen eine toleranten Wochenauftakt.

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Herzliche Grüße,
Ihr

Christian Rickens
Textchef Handelsblatt

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