EZB: EU sieht offenbar über EZB-Warnungen zu Stablecoins hinweg
Berlin/Frankfurt. Die Europäische Kommission wird einem Medienbericht zufolge bald neue Regeln für den schnell wachsenden Stablecoin-Markt bekannt geben und sich dabei über Warnungen der EZB hinwegsetzen. Die „Financial Times“ (FT) berichtete am Mittwoch unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, Brüssel plane die Veröffentlichung formeller Leitlinien zu diesen Kryptowährungen, deren Kurs fest an einen Basiswert wie etwa den Dollar gekoppelt ist. Sie sähen vor, dass außerhalb der EU ausgegebene Stablecoins problemlos gegen gleichnamige europäische Versionen eingetauscht werden könnten. Die Veröffentlichung der Regeln ist dem Bericht zufolge für die nächsten Tage geplant.
Brüssel hatte im Juni 2023 einen Gesetzesvorschlag zur Einführung eines digitalen Euros, also einer Cyber-Zentralbankwährung, vorgelegt. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht diese Initiative als Reaktion auf die Bemühungen des US-Präsidenten Donald Trump, Stablecoins zu fördern. EZB-Chefin Christine Lagarde appellierte jüngst an das Europaparlament, den Weg für eine mögliche Einführung des digitalen Euro zu ebnen.
Ein Rechtsrahmen dafür sollte rasch geschaffen werden. Sie bezeichnete das Projekt als Schlüssel zur finanziellen Autonomie Europas. Nach ihrer Einschätzung bergen privat ausgegebene Stablecoins "Risiken für die Geldpolitik und die Finanzstabilität", da sie Einlagen von Banken abziehen könnten und den an den Basiswert gekoppelten Kurs nicht immer hielten.