Hitzewelle: Frankreich drosselt Atomkraftwerke – deutsche Strompreise steigen
Paris. Wegen extremer Hitze in Frankreich musste der staatliche Energiekonzern EDF ein Atomkraftwerk im Süden des Landes komplett herunterfahren. Dies sei am späten Sonntagabend geschehen, um ein Aufheizen des Flusses Garonne zu verhindern, aus dem das Kraftwerk sein Kühlwasser bezieht, teilte EDF mit.
Wie lange das Kraftwerk ausgeschaltet bleibt, teilte EDF nicht mit. Die Hitzewelle in Frankreich mit Temperaturen bis zu 40 Grad soll noch bis Mitte der Woche andauern.
Unterdessen wurde gleichzeitig die Leistung des westfranzösischen Atomkraftwerks Blayais reduziert. Auch in der Schweiz mussten mehrere Betreiber ihre Meiler drosseln oder ganz runterfahren. Der Energiekonzern Axpo hat die Leistung seiner beiden Reaktorblöcke auf rund 50 Prozent reduziert. Sollte sich die Hitze fortsetzen, sei man technisch und organisatorisch vorbereitet, beide Blöcke bei Bedarf vom Netz zu nehmen, heißt es in einer Mitteilung.
Aufgrund des verknappten Stromangebots warnen Experten vor einem starken Anstieg der Börsenstrompreise in den nächsten Tagen.
Normalerweise ist der Preis pro Megawattstunde im tagesaktuellen Handel in Frankreich deutlich günstiger als in Deutschland. Das könnte sich nun allerdings ändern. Weil die Strommärkte in Europa alle miteinander verbunden sind, treffen die steigenden Preise in Frankreich allerdings auch deutsche Kunden.
Bis zu 76 Cent pro Kilowattstunde
Am Dienstagabend zwischen 20 und 21 Uhr erwartet der dynamische Stromanbieter Tibber, der seine Preise an den Spotmärkten ausrichtet, einen Strompreis von bis zu 76 Cent pro Kilowattstunde, inklusive Steuern und Gebühren. Ausgelöst werde diese Preisspitze durch „die sehr niedrige Winderzeugung sowie eine hitzebedingte Abschaltung von Kernkraftwerken in Frankreich und der Schweiz“, teilte das Unternehmen mit.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Leistung der nuklearen Anlagen heruntergeregelt werden muss. Schon in den vergangenen Sommern wurden Atomkraftwerke in Frankreich, der Schweiz und vor zwei Jahren auch in Deutschland hitzebedingt gedrosselt.
Im Sommer 2022, als mehrere Atomanlagen in Frankreich teilweise wochenlang ausgefallen waren, stiegen die Strompreise immens. Damals kostete eine Megawattstunde in Frankreich im August laut Daten der „Energy-Charts“ des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) fast 500 Euro – und damit über 30 Euro mehr als in Deutschland.
Solche Situationen könnten angesichts des fortschreitenden Klimawandels in den nächsten Jahren durch häufiger auftretende Hitzeperioden zunehmen.
Kühlwasser ist essenziell
Ein Kernkraftwerk erzeugt Strom, indem es Wasser mit der Hitze aus dem Reaktor in Dampf verwandelt. Dieser Dampf treibt eine Turbine an und erzeugt über einen Generator Strom.
Damit die Turbine gut funktioniert, muss der Dampf nach seinem Einsatz wieder abgekühlt und zu Wasser kondensiert werden. Das passiert im Kondensator. Je niedriger die Temperatur, desto effizienter kann die Anlage arbeiten. Sie braucht möglichst viel kaltes Wasser von außen zum Kühlen.
Ohne dieses nötige Kühlwasser wird der Dampf nicht genug abgekühlt, der Druckunterschied in der Turbine ist kleiner – und die Stromerzeugung weniger effizient. Deshalb stehen viele Atomkraftwerke an Flüssen oder Meeren.
Ist es draußen sehr heiß, heizen sich allerdings auch Flüsse, Seen und Meere auf. Das zugeführte wärmere Wasser kühlt schlechter und das Kraftwerk kann nicht effizient arbeiten.
Rückleitung von Warmwasser wird reguliert
Außerdem gibt es strenge Richtwerte, um die Umwelt zu schützen. Das Kühlwasser wird erwärmt und von den Meilern danach wieder zurück in den Fluss oder ins Meer gepumpt. Wenn die Gewässer aber bereits sehr warm sind, kann ein weiterer Zufluss von warmem Wasser aus einem Kraftwerk das Ökosystem zum Kippen bringen.
Noch seien die hitzebedingten Drosselungen zu vernachlässigen, betonte der französische Energieriese EDF. Das Drosseln oder Herunterfahren von Atomkraftwerken in Hitzeperioden habe seit dem Jahr 2000 zu einer Reduzierung der jährlichen Stromproduktion von durchschnittlich 0,3 Prozent geführt.
Erstpublikation: 01.07.2025, 07.18 Uhr