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IndustriesoftwareWie Cumulocity eine Milliardenbewertung erreichen will

Einmal Konzern und zurück: Cumulocity gehörte mehrere Jahre zur Software AG. Nun führt Gründer Bernd Groß den Softwarehersteller wieder in Eigenregie – mit großen Ambitionen.Christof Kerkmann 15.07.2025 - 02:25 Uhr Artikel anhören
Bernd Groß: Der Cumulocity-Gründer kaufte seine Firma von der Software AG zurück. Foto: Cumulocity

Düsseldorf. Wer ein Start-up gründet, muss den späteren Verlust der Unternehmenskontrolle einkalkulieren. Die Kapitalgeber wollen nach einigen Jahren Rendite sehen – Verkäufe an andere Unternehmen sind daher die Regel. Bernd Groß geht den seltenen Weg zurück: Nach 13 Jahren hat er seine Firma Cumulocity wieder übernommen.

Im Januar kaufte Groß Cumulocity von der Software AG zurück, wurde vom Senior Vice President des Konzerns zum Chef des Start-ups. Die Gelegenheit ist günstig: Die Private-Equity-Gesellschaft Silver Lake schlägt seit der Übernahme im Sommer 2023 einen Geschäftsbereich nach dem anderen los – und lässt vom einst zweitgrößten deutschen Softwarehersteller nicht mehr viel übrig.

Die Software AG habe nicht seine Vision geteilt, sagt Groß. Durch den Boom der Künstlichen Intelligenz gebe es einen „gigantischen Bedarf an Industriedaten“, die als Trainingsmaterial für die Modelle dienen. Cumulocity soll sie liefern, mit einer Plattform für die Vernetzung von Maschinen, Fahrzeugen und Sensoren, im Fachjargon Internet der Dinge.

Groß sieht darin großes Wachstumspotenzial. „Das Baby von damals ist ein Teenager“, sagt der Unternehmer über Cumulocity. „Und jetzt will ich ihn ins Erwachsenenleben begleiten.“

Intern gilt das Ziel, in einigen Jahren eine Milliardenbewertung zu erreichen. Das wäre eine erhebliche Wertsteigerung angesichts einer Übernahmesumme, die nach Handelsblatt-Informationen im hohen zwei- bis niedrigen dreistelligen Millionenbereich lag.

Enttäuschte Erwartungen

Mit der Plattform von Cumulocity steuern Geschäftskunden Industrieanlagen, managen Fahrzeugflotten und spielen Updates auf Medizinprodukte. Dieses Konzept weckte 2017 das Interesse der Software AG, die die Vernetzung von Objekten und Maschinen als Wachstumsmarkt sah.

Innerhalb einiger Jahre sei ein Umsatz jenseits der 100-Millionen-Euro-Marke möglich, meinte der damalige Vorstandschef Karl-Heinz Streibich. Der Konzern übernahm das Start-up nach damaligen Informationen für 49 Millionen Euro. Gründer Groß leitete das Geschäft weiter.

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Wie so oft in der Tech-Industrie war die technologische Vision schneller entworfen als umgesetzt. „Die Annahme war, dass ein paar Plattformen die gesamte physische Welt vernetzen – so wie Google das Internet“, sagt Knud Lasse Lueth, Chef des Analysehauses IoT Analytics. Die Realität sei komplexer: Jede Branche arbeite mit eigenen Prozessen und Standards.

Kurzum: Die hohen Erwartungen erfüllten sich nicht.

Das Internet der Dinge hat sich jedoch über die Jahre weiterentwickelt. So hat Cumulocity als Teil der Software AG viel in die Plattform investiert, etwa ins Gerätemanagement und in Software für digitale Zwillinge. Groß ist daher überzeugt: „Die Technologie ist aus den Kinderschuhen.“

So überwacht Enercon mit der Plattform etwa 30.000 Windkraftanlagen, optimiert deren Ausbeute und erkennt Probleme wie Eisbildung oder Vogelschlag. SAP wiederum integriert die Technologie in seine Software, damit Kunden etwa Maschinen verwalten können. Etwa 1000 Kunden sind es weltweit.

Ich bin überzeugt, dass der eigentliche Boom erst bevorsteht.
Bernd Groß
Chef von Cumulocity

Das macht sich bezahlt. Im laufenden Jahr plant Cumulocity mit einem Umsatz von 45 bis 50 Millionen Euro Umsatz, was einem Wachstum von circa 30 Prozent entsprechen dürfte. Zugleich arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben profitabel, wenn man die einmaligen Kosten für die Ausgliederung außen vor lässt.

Dabei soll es nicht bleiben. Groß betont: „Ich bin überzeugt, dass der eigentliche Boom erst bevorsteht.“ Es gebe mehrere Technologien wie Künstliche Intelligenz, Robotik und Sensorik, deren kombinierter Einsatz einen „Superzyklus“ für das Internet der Dinge einläute und damit für Cumulocity. Von Superzyklen wird im Technologiebereich gesprochen, wenn Phasen besonders starken Wachstums eintreten.

Datennutzung in der Industrie: Steht ein „Superzyklus“ bevor? Foto: Getty Images

Gerade Künstliche Intelligenz erweist sich als wichtiges Geschäft. Flexco etwa nutzt die Cumulocity-Plattform für die vorausschauende Wartung von Förderanlagen: Algorithmen sollen Defekte erkennen, bevor Maschinen ausfallen. Beim Maschinenbauer Mayer & Cie kommt ein digitaler Assistent zum Einsatz, der per Sprachbefehl Informationen über den Zustand von Strickmaschinen ausgibt.

Interner Chat mit Einhorn-Logo

Groß sieht darin großes Wachstumspotenzial. Der Unternehmer gibt einen jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR) von 100 Millionen Euro als Ziel aus, aber ohne konkrete Jahreszahl. In der Softwarebranche, so betont der Manager, stehe diese Zahl für eine Milliardenbewertung.

Dieser Anspruch zeigt sich auch intern: Ein Chatkanal des Unternehmens ist mit einem Einhorn-Logo geschmückt – Symbol für Start-ups mit neunstelliger Bewertung.

Auf eine erhebliche Wertsteigerung dürften die Private-Equity-Gesellschaften Schroders Capital, Verso Capital und Avedon hoffen, die den Kauf von Cumulocity mitfinanziert haben. Nach Handelsblatt-Informationen kassierte die Software AG eine hohe zwei- bis niedrige dreistellige Millionensumme – offiziell kommentieren die Unternehmen den Kaufpreis nicht.

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Allerdings hat Cumulocity einige Konkurrenz. Es gebe etliche neue Spezialisten fürs Datenmanagement in der Industrie, sagt IoT-Analytics-Chef Lueth, etwa Litmus Automation, Cognite und Cybus, außerdem führende Industriesoftware-Anbieter wie Siemens und PTC. Einige Überschneidungen sieht der Berater bei den großen Cloudplattformen Microsoft und Amazon Web Services.

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Das Fazit des Marktforschers: „Künstliche Intelligenz treibt in der Industrie die Vernetzung und die Datenaufbereitung. Cumulocity hat viel Potenzial, aber das wird kein Selbstläufer.“

Groß ist optimistisch, dass es gelingt – und Cumulocity dieses Mal dauerhaft unabhängig bleibt. „Mein Traum ist, das Unternehmen eines Tages an die Börse zu bringen.“

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