Jens Spahn: Ein Münsterländer, die Masken und die Sache mit der Parteisteuer
Berlin. Das Büro wirkt noch wie eine Kulisse im Umbruch. Wo einst Friedrich Merz seinen Besprechungstisch platzierte, hat Jens Spahn seine Ledergarnitur aufgebaut, flankiert von einem Glastisch mit Blick auf die Spree und den Reichstag. Die Wände sind kahl, der Schreibtisch wirkt unberührt. Bilder lehnen an der Wand, nur eines hängt, das größte, für den Raum eigentlich viel zu groß: Konrad Adenauer in Öl.
Niemand muss Jens Spahn, dem 13. Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagen, was viele vermutlich nicht wissen: Adenauer war 1949 zwei Wochen lang Fraktionsvorsitzender, ehe er erster Kanzler der Bundesrepublik wurde. Ihm folgten Kohl, Merkel, Merz: Sie alle schafften aus dem Büro des Fraktionsvorsitzenden den Sprung ins Kanzleramt.
Und Spahn?
Eine veritable Koalitionskrise
Seit Anfang Mai führt der 45-Jährige aus dem Münsterland die größte Fraktion im Bundestag an, mit 208 Abgeordneten. Er hat das wohl mächtigste Amt im Deutschen Bundestag inne.
Doch wer Spahn in seinem Büro besucht, spürt wenig von dieser Macht: An einem Donnerstag Anfang Juli ist das Vorzimmer verwaist, einige Büros stehen leer. Spahns Vorgänger Merz hat wichtige Mitarbeiter mit ins Kanzleramt genommen. Es gilt, Stellen zu besetzen, in der Fraktion geht es um etwa 50 Positionen. Aber Spahn hat für Personalfragen gerade wenig Zeit.