Wochenend-NewsletterWenn auch die Dachbox nicht mehr hilft – das Handelsblatt-Wochenende

Außerdem: Wieso Zugehörigkeit so wichtig ist, warum Trash-TV in Krisenzeiten guttut – und wie man sein amerikanisches Klumpenrisiko im ETF-Depot verringert. Unsere Leseempfehlungen.Charlotte Morré 15.08.2025 - 09:31 Uhr

Liebe Leserin,
lieber Leser,

als Kind besaß ich ein überdimensionales Plüschschwein namens Max.  Zwischen Max und mir war es Liebe auf den ersten Blick, als ich ihn als Deko in der Auslage unseres lokalen Metzgers sah. Allerdings sollte er 39 Mark kosten, sehr viel Geld für eine Grundschülerin wie mich. Also machte ich mit meinem Vater einen Deal: Ich räumte immer die Spülmaschine aus, heulte nicht mehr grundlos und verzichtete mehrere Wochen aufs Taschengeld.

Kurz vor den Sommerferien war es dann so weit: Mein Vater befreite Max aus seinem Umfeld aus grober Bratwurst und Mett, fortan lebte er in meinem Kinderzimmer.

Als vollwertiges Familienmitglied war für mich klar, dass Max mit uns in den Dänemark-Urlaub fahren würde. Meine Eltern sahen das anders. Vier Kinder plus Gepäck waren bereits eng in unserem Ford Galaxy, mein jüngerer Bruder war auf dem Sitz im Kofferraum eh schon so zugepackt, dass wir ihn manchmal stundenlang vergaßen. Niemals wäre da Platz für ein Plüschschwein mit den Ausmaßen eines weiteren Kindes.

Allerdings war auch der Deal mit dem „nicht mehr grundlos heulen“ bereits vorbei, ich hatte das Schwein ja bereits. Also heulte ich so lange, bis mein Vater Max mit hochrotem Kopf in den Fußraum stopfte. Ich war glücklich. Und hatte einen Präzedenzfall geschaffen.

Beim nächsten Urlaub wollte einer meiner Brüder eine Kiste Lego mitnehmen. Der andere seine Playstation. Der dritte seinen riesigen Plüschgorilla „Milli“. Ich hatte ja Max mitnehmen dürfen. Am Ende hatte mein Vater keine Lust mehr auf Diskussionen und kaufte eine Dachbox.

Als ich neulich las, dass Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche vor dem Zusammenbruch unserer Sozialsysteme warnt, musste ich an Max in unserem Ford denken. Rente, Krankenkassen, Pflege – wir haben jahrelang so getan, als würde das in unseren Galaxy namens Sozialstaat irgendwie reinpassen. Als der demografische Wandel, Rezession und neue notwendige Leistungen dazukamen, hat die Politik es gemacht wie mein Vater: Sie hat eine Dachbox gekauft, damit doch noch alles mitgeht. Und dann noch einen Anhänger, damit nicht so auffällt, wie sehr das Auto unter dem Gewicht bereits ächzt.

Dabei wäre es vielleicht besser gewesen, ein paar Dinge einfach nicht mehr mitzunehmen. Ideen für Reformen gibt es ja zahlreiche, etwa die Einbeziehung bisher ausgesparter Gruppen wie Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung, Krankenhausreformen oder die Lockerung von Bauvorschriften für Pflegeheime, um diese günstiger zu machen.

Das Problem ist, dass jede Kürzung oder Reform Widerstände hervorruft, genauso wie unseren Protest damals im Ford Galaxy.

Ich konnte mir zuerst auch nicht vorstellen, meinen Max zurückzulassen. Irgendwann waren mehrere Stunden Autofahrt mit angezogenen Beinen dank überdimensionalem Plüschschwein allerdings äußerst unbequem. Also ließ ich ihn zu Hause. Einige Jahre später habe ich ihn dann gespendet. Jemand anderes brauchte ihn vielleicht dringender als ich.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Sommerzeit, hoffentlich ohne Dachbox!

Ihre Charlotte Haunhorst
Head of Digital Handelsblatt

DeepL-Chef Jaroslaw Kutylowski: „Wir waren und sind besser als die Konkurrenz.“ Foto: Marzena Skubatz/laif

Deepln Sie schon oder übersetzen Sie noch?

Viele Unternehmen aus Deutschland sind es nicht, die den Großen der Tech-Branche aus den USA die Stirn bieten können. Der Kölner Übersetzungsdienst DeepL tut es. Wieso das bislang gelungen ist und ob der nächste Schritt der Börsengang sein könnte, das hat Jan Lutz sich von DeepL-Gründer Jaroslaw Kutylowski erklären lassen.

Luxusjacht von Ritz-Carlton: Eine neue Kategorie von Kreuzfahrtschiff. Foto: Edgardo Contreras

Luxushotelgruppen, die das Meer erobern

In fremden Gewässern fischen seit einigen Jahren Luxushotelgruppen wie Four Seasons, Ritz Carlton oder Aman. Weil Wachstum an Land seine Grenzen hat und die Klientel gerne mit gewohntem Komfort reist, investiert die Branche in Kreuzfahrtschiffe, Züge und gar eigene Jets. Thorsten Firlus hat in seiner Multimedia-Story zusammengetragen, was sich auf dem Wasser, auf der Schiene und in der Luft tut.

Geldanlage: Auf die Streuung im Depot kommt es an – unter anderem. Foto: Getty Images

Die sieben Bücher des Investierens

Für solche Reisen benötigen Touristen viel Geld. Gerne aus renditeträchtigen Anlagen. Doch das ist gar nicht so einfach. Inflation, Zinswende, geopolitische Risiken: Wer jetzt investiert bleibt, braucht gute Nerven – und ein gutes Buch. Sven Prange stellt sieben Titel vor, die erfahrenen Anlegern Orientierung geben.

Thuy-Ngan Trinh, alte Familienfotos: Sie hat viel von ihrer Uroma gelernt. Foto: Getty Images, privat [M]

Dieser Frau gelang ein beeindruckender Aufstieg

In der Investorenwelt hat sich Thuy-Ngan Trinh als Kind vietnamesischer Gastarbeiter behauptet und weiß, wie Wachstum geht – persönlich, beruflich, unternehmerisch. Jetzt ist sie Geschäftsführerin der neuen Beratungsfirma des Investors Project A. Sie liebt harte Arbeit, die Haltung ihrer Uroma und – wie sie Teresa Stiens verriet – einen gewissen Chaosfaktor.

Autorin Annika Keilen: Donald Trump macht ihrem Depot zu schaffen. Foto: HB

So reduzierte unsere Autorin ihr Klumpenrisiko

Annika Keilen investierte zunächst wie so viele Kleinanleger: in den MSCI World, den wohl beliebtesten ETF der Deutschen. Jahrelang war damit Rendite quasi garantiert. Nur angesichts der Politik von Donald Trump ist ihr mit dem US-Schwerpunkt nicht mehr ganz wohl. Hier beschreibt Annika, wie sie ihre Anlagestrategie mit der Hilfe von Professorinnen bis hin zur Verbraucherzentrale geändert hat.

Trash-TV-Expertin Anja Rützel: Professionelle Fernsehguckerin. Foto: Jens Oellermann

Die Frau, die alles schaut

Anja Rützel guckt professionell Fernsehen. Und zwar alles. Vor allem Trash. Sebastian Dalkowski wollte von ihr wissen: Sollten wir vor der Weltlage ins „Sommerhaus der Stars“ flüchten? Deutschlands bekannteste Trash-TV-Journalistin hat ihm erklärt, dass Trash-TV hilft, irgendwo dazuzugehören.

Roy Baumeister: Forscht seit Jahrzehnten zum Thema Zugehörigkeit. Foto: Constructor University

Ausgrenzung kann körperlich schmerzen

Dass nur wenig dem Menschen so wichtig wie Zugehörigkeit ist, weiß der renommierte Sozialpsychologe Roy Baumeister aus jahrelanger Forschung. Er hat Benjamin Ansari erklärt, wie sehr uns das Bedürfnis prägt, warum soziale Ausgrenzung körperlich schmerzen kann – und wie viele enge Bezugspersonen es für ein gutes Leben braucht.

Volvo EX90: Im Test konnte das Auto nicht in jeder Hinsicht punkten. Foto: Reuters

Der starke Schwede schwächelt

Die Wahl des Autos kann mitunter auch Zugehörigkeit auslösen. Die Volvos der Vergangenheit standen für Sicherheit und Zuverlässigkeit in Kreisen, denen Posen nicht so wichtig war, dafür aber ordentlich Ladefläche. Lukas Bay ist Volvos neues Vorzeigemodell, den vollelektrischen EX90, gefahren – und hat sich mit Überraschungen auseinandersetzen müssen.

Kolumnist Depiereux: Will auch mal etwas Positives über Deutschland sagen. Foto: Getty Images, Privat [M]

Wider die Klischees

Seit fast drei Jahren lebt unser Kolumnist Philipp Depiereux in den USA. Dort ist er grenzenlosen Service gewohnt, vom Supermarkt bis hin zum Amt. Seine Vorurteile über die griesgrämige Servicewüsten-Republik waren groß, als er zum mehrwöchigen Heimaturlaub nach Deutschland kam. Hier beschreibt er, was ihn positiv überrascht hat. Spoiler: sogar die Deutsche Bahn.

Verkaufsfläche im Eppli-Kaufhaus: Secondhand getarnt als Luxusboutique. Foto: Eppli

Der Flohmarkt der Wohlhabenden

Zum schönen Schluss noch der Hinweis auf das neue Luxuskaufhaus Eppli in Stuttgart. Das setzt ausschließlich auf Gebrauchtes, das im Oberhaus des Handels inzwischen als „pre-owned“ firmiert. Wie uns das helfen kann, Toleranz zu üben – und Freude am Vergangenen zu spüren.

Bestseller-Autor Rolf Dobelli. Foto: Bodo Rüedi, Getty Images

Rolf Dobelli ist Schweizer Bestsellerautor und stellt an dieser Stelle Fragen an das Leben. Wie würden Sie antworten? Letzte Woche wollte Dobelli wissen: „Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Zielen?“ Sie antworteten unter anderem:

Ich bringe mit Zielen Licht ins Dunkel meines eigenen Wollens. Es fällt mir leichter den ersten Knoten zu knüpfen, den es braucht, um den Plan umzusetzen.
Martina Wolf
Die Ziele dahinter sind so simpel, dass es mir schon fast unangenehm ist, sie hier aufzuschreiben: Zufrieden sein, lieben und geliebt werden, unabhängig sein.
Ursula L.
Ich will mit meinen Zielen erreichen, dass selbst Camus anerkennend nickt, weil ich den Stein nicht nur bewege, sondern dabei auch lache.
Joshua Andresen
Verwandte Themen
Deutschland
USA
Donald Trump

Diese Woche möchte Rolf Dobelli wissen:
Warum ist es so schwierig, sich das banale Familienleben großer Philosophen vorzustellen? – Etwa die Vorstellung, wie sich Herr und Frau Aristoteles darüber unterhalten, wer den Müll zu entsorgen habe; oder in welchen Worten Frau Hegel beim Aufstehen ihrem Mann erklärte, dass das mit dem Schnarchen ein Ende haben müsse.

Sie möchten antworten? Dann klicken Sie hier. Eine Auswahl veröffentlichen wir.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt