Stuttgart: Eppli entwickelt ein neues Geschäftsmodell im Luxussegment
Stuttgart. Wenn die deutsche Sprache nicht mehr weiterweiß, dann flüchtet sie sich immer häufiger ins Englische. Mag die Ansammlung von Gewerbegebieten noch als Industriepark mit einem deutschen Wort euphemisiert werden, bleibt beim alten Kram, der in der Wohnung herumliegt, dieser Weg versperrt.
Noblesse hingegen scheint das Wort „pre-owned“ zu versprühen, das inhaltlich auch nichts anderes bedeutet, als dass den Gegenstand schon mal wer besessen hat. Aber vielleicht nicht irgendwer, wenn er denn nur teuer und luxuriös genug ist.
Eine Lanze fürs zuvor Besessene bricht nun zu Recht das Luxuskaufhaus Eppli in Stuttgart. In bester Lage und nicht abgeschoben auf den am Wochenende unbenutzten Parkplatz eines Großhandelshofs, kann hier gestöbert werden in den Besitztümern mit Wert.
Seit dieser Woche offeriert das Stuttgarter Auktionshaus Preziosen mit Geschichte und liebevoll gepflegter Patina, dem feinen Geschwister der Gebrauchsspuren an Stuhl, Teppich oder Schmuck.
Nun pflegen Auktionshäuser seit Jahrzehnten den Weiterverkauf bereits benutzter Dinge, und vereinzelt präsentieren Juweliere in gesonderten Fenstern schon seit Langem tickende Uhrwerke.
Doch das gehobene Shopping, das früher das banale „Einkaufen“ war, wird auf ein neues Level gehoben, das so auch erhabener als das gute alte Niveau klingt.
Empfangen wird die Zielgruppe, vulgo Käufer, in einem Ambiente, sprich Inneneinrichtung, das der namhafter Boutiquen, also Ladengeschäften führender Brands, schlicht Marken, häufig französischer Provenienz, also Herkunft, entspricht.
Mag sich das Fußvolk durch die endlosen Listen in Portalen wie kleinanzeigen.de oder habenwill.at (welch sprachlich profane Reduktion des Wunsches nach Dingen!) klicken, so kann der Interessierte in Stuttgart bereits an den Schaufenstern entlangflanieren und sich im Inneren ein Bild über die Moden und Trends der Vergangenheit machen.
Hier wird dann gewahr, dass nicht alles, was früher war, besser war, aber doch mancher Tisch oder manches Collier aus vergangenen Moden eher an ästhetischem Reiz gewonnen hat.
Vielleicht weckt es noch eher Verständnis für andere Geschmäcker der Epochen, schließlich galt auch Blässe der Haut einst als nobel. Die Buchstützen in Gestalt von Max und Moritz in der Abteilung Fayencen/Keramik oder die Cloisonné-Vase, die zur Tischlampe umgebaut wurde, fordern den Betrachter dazu auf, Toleranz zu üben, die eigenen ästhetischen Kriterien auf den Prüfstand zu stellen und Freude an der Vielfalt von Formen und Farben zu gewinnen, auch wenn es auf Anhieb schwerfällt.
Im Angebot finden sich jedoch auch Botschafter des Optimismus, die das Vertrauen in Bewährtes fördern. Üben lässt sich das vielleicht an einer Flasche Burgunder aus den Weinofferten Epplis vom Weingut Leflaive aus dem Jahr 1985. Sichtbar weniger Inhalt als vor 40 Jahren – professionell: „low shoulder“ – verheißt Spannung für 1000 Euro beim Öffnen. Ist der erwartete Genuss grandios? Oder angesichts der ebenfalls erkennbaren Verfärbung ins Rostrote etwas, das viel Vorstellungskraft des Genießers erfordert, was für ein Schatz das einmal war?
Erstpublikation: 14.08.2025, 17:21 Uhr.