Verkehr: Deutsche Bahn verbessert Ergebnis – schwarze Zahlen rücken näher
Düsseldorf. Das Sanierungsprogramm der Deutschen Bahn (DB), das der Staatskonzern vergangenen Herbst unter dem internen Kürzel „S3“ startete, zeigt erste Erfolge. Wie Bahn-Chef Richard Lutz am Donnerstag berichtete, dämmte das Verkehrsunternehmen seinen operativen Verlust im ersten Halbjahr 2025 auf 239 Millionen Euro ein. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus noch bei 1,2 Milliarden Euro gelegen.
„Bei der Wirtschaftlichkeit sind wir deutlich besser als geplant“, sagte der Vorstandschef bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Im Regionalverkehr, der im ersten Halbjahr 2024 noch einen Verlust von 66 Millionen Euro schrieb, schaffte die DB sogar die Ertragswende – mit einem operativen Gewinn von nun 103 Millionen Euro.
Auch für den Fernverkehr gab es eine positive Meldung. Zwar lag die Pünktlichkeit mit 63,4 Prozent kaum über dem Wert des vorherigen Halbjahres. Den Verlust reduzierte die Sparte aber um drei Viertel auf 59 Millionen Euro. Bis zum Jahresende erwartet Lutz nun eine schwarze Null.
Die soll es operativ auch zum 31. Dezember 2025 für den Gesamtkonzern geben – nach mehreren Jahren milliardenschwerer Verluste. Um den Halbjahresverlust von 239 Millionen Euro bis zum Jahresende auszugleichen, stellt Lutz jedoch eine Bedingung: Der Bund müsse seine Trassenpreisförderung erhöhen, mit der er die Kosten der DB und ihrer Wettbewerber für die Schienennutzung subventioniert. „Wenn das nicht kommt“, warnte Lutz, „müssen wir das Angebot in unserem Fernverkehr anpassen.“
Verkauf von DB Schenker erzielt enormen Buchgewinn
Matthias Gast, Bundestagsabgeordneter der Grünen und Aufsichtsrat bei der Bahn-Tochter DB InfraGO, kritisierte das Zahlenwerk der Deutschen Bahn als „Mogelpackung“. „Die betrieblichen Sanierungsbemühungen der Deutschen Bahn zeigen nur geringen Erfolg“, erklärte er. „Gerade einmal 100 Millionen Euro wurden im Konzern durch die Sanierungsstrategie eingespart. Die restlichen 900 Millionen Euro an geringerem Verlust sind nur entstanden, weil der Bund die Infrastrukturfinanzierung im Voraus bezahlt hat.“
Was der Grünen-Politiker allerdings unberücksichtigt ließ: Etwa eine halbe Milliarde Euro an Ertrag fehlten im ersten Halbjahr, weil erstmals das Ergebnis von DB Schenker nicht mehr berücksichtigt wurde. Die Speditionstochter ging mit Wirkung zum 1. April an den dänischen Wettbewerber DSV, der dafür 11,3 Milliarden Euro zahlte und zusätzlich drei Milliarden Euro an Schulden übernahm.
Die Halbjahresbilanz zeigt, dass sich der Verkauf als wirtschaftlicher Erfolg erweist – zumindest auf kurze Sicht. Durch ihn erzielte der Konzern einen Buchgewinn von 7,3 Milliarden Euro, da DB Schenker zuvor nur mit vier Milliarden Euro in der Konzernbilanz bewertet war, wie Lutz bestätigte. Werden die einmaligen Erträge aus dem Verkauf hinzugerechnet, verdiente der DB-Konzern nach Steuern im ersten Halbjahr 2025 insgesamt 6,9 Milliarden Euro.
„In der AG-Bilanz stand DB Schenker sogar nur mit rund zwei Milliarden Euro, weil wir das Unternehmen damals zum Schnäppchenpreis erworben hatten“, erklärte Lutz auf Anfrage. Verantwortlich dafür war im Jahr 2002 der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn.
Fast den kompletten Verkaufserlös leitete die DB in ihre Schuldentilgung. Was übrig blieb, seien etwa 0,8 Milliarden Euro gewesen, berichtete Personalchef Martin Seiler, der nach dem Abgang von Levin Holle derzeit kommissarisch das Finanzressort leitet. Diese Summe sei in die Investitionen geflossen. Im Gesamtjahr sollen diese etwa sieben Milliarden Euro betragen.
DB Cargo verliert massiv an Aufträgen
Sorgen bereitet der Bahn allerdings weiterhin die Schienengütertochter DB Cargo. Zwar senkte auch sie ihren Verlust von vormals 261 auf nun 96 Millionen Euro. Ab dem kommenden Jahr jedoch muss sie in die Gewinnzone gelangen. Die EU-Kommission hat ihr in einem Beihilfeverfahren untersagt, sich durch Quersubventionen der Konzernmutter zu finanzieren.
Doch die Transportleistung der DB Cargo sank im ersten Halbjahr 2025 erheblich. In Deutschland verlor sie 22,8 Prozent an Tonnenkilometern, weil unrentable Verträge gekündigt wurden, aber auch andere Kundenaufträge der Automobilindustrie, der Chemie und dem Stahlgewerbe wegbrachen.
Etwas mehr als 100 Millionen Euro Verlust stammten aus dem sogenannten Einzelwagenverkehr, erklärte Finanzchef Seiler. In dieser Sparte werden einzelne Waggons bei den Firmenkunden beladen und später aufwendig zu ganzen Zügen gekoppelt.
In der vergangenen Woche legten zwei Unternehmensberatungen dem DB-Cargo-Vorstand Pläne vor, die einen deutlichen Abbau dieser Geschäftsaktivitäten vorsehen. 4000 bis 8000 Jobs könnten dadurch entfallen. Über eine konkrete Umsetzung dieser Pläne äußerte sich Lutz allerdings nicht. „Unser Plan A ist, dass wir DB Cargo bis 2026 profitabel aufstellen“, sagte er lediglich.